Beim biologischen Anbau werden keine anorganischen Dünger oder chemischen Sprühmittel verwendet, sondern auschließlich natürliche Dünger, die auf dem Hof selbst anfallen.
Biologischer Landbau ist von zunehmender Bedeutung für die Versorgung mit unbedenklich genießbaren Lebensmitteln. Es gilt inzwischen als erwiesen, dass der intensive Einsatz von Schädlingsvertilgungs und Pflanzenschutzmitteln ebenso wie die Verwendung von Phosphaten und Stickoxiden im chemischen Dünger zu Erkrankungen der inneren Organe und Zellen bei Tieren und Menschen beitragen können. Außerdem gefährden diese Mittel die selbstregulierenden und selbstreinigenden Kräfte des ökologischen Systems. So können mit Pestiziden behandelte Feldflächen über oberflächlichen Wasserabfluss und über Landwirtschaftsabwässer ganz erheblich an der Verschmutzung der Binnengewässer beteiligt sein.
Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts
Der biologische Anbau will eine Störung des Gleichgewichts der Natur ebenso vermeiden wie die negativen Auswirkungen, die von den Rückständen der Pestizide in der Nahrung ausgehen können. Eine langfristige Anwendung von Chemikalien in der Landwirtschaft kann beispielsweise die Lebensgemeinschaft der Insekten aus dem Gleichgewicht bringen: In Louisiana (USA) vernichtete das Sprühmittel Heptachlor gegen Feuerameisen auch die natürlichen Feinde des Zuckerrohrholzwurms, der daraufhin eine schlimme Plage wurde.
Die meisten biologisch-dynamischen Betriebe arbeiten nach den Regeln der Fruchtwechselwirtschaft: Feldbau und Grünlandwirtschaft wechseln periodisch auf einer Anbaufläche ab. Dank der eigenen Kompostieranlage erreichen sie eine größere Unabhängigkeit in der Düngemittelversorgung, allerdings nimmt die natürliche Düngung mehr Zeit und Arbeit in Anspruch als das Streuen von Kunstdünger.
Biologischer Anbau funktioniert am besten beim Gemischtbetrieb mit Weidevieh und Anbaufrüchten. Die nach dem Körnerfruchtanbau eingeschobene Brache wird durch Feldfutterpflanzen genutzt und dient als Weide, so dass dem nun ausruhenden Boden natürlicher Dünger zugeführt wird. Auch ohne Viehhaltung verlangt biologischer Anbau eine sorgfältige Planung unter Berücksichtigung von Leguminosen (Erbsen, Bohnen) in der Fruchtfolge, die die Stickstoffbindung bewirken.
Bodenpflege
Intensive Bodenpflege ist die Grundvoraussetzung beim biologischen Anbau. Im Boden lebende Tiere und Mikroorganismen verbessern die Bodenstruktur, setzen pflanzliche Nährstoffe frei und zerstören manche im Boden vorhandene Krankheitserreger. Eine günstige Bodenstruktur zu erreichen ist der Zweck sowohl der organischen Düngung als auch der sorgfältigen Bearbeitung der obersten Bodenschicht. Andererseits erschließen tiefwurzelnde Kräuter in einem brachliegenden Feld die Nährstoffe der tieferen Bodenhorizonte, reichern sie in den oberen Bodenschichten an und verbessern die Bodenstruktur. Bestimmte Pflanzen (Schmetterlingsblütler) beherbergen in ihren Wurzeln Knöllchenbakterien, die den Stickstoff der Luft in organische Verbindungen überführen und damit für andere Pflanzen nutzbar machen. Nach fünf Jahren kann eine Brache so nährstoffreich sein, dass Ernten von Körnerfrüchten dreimal nacheinander möglich sind ohne Kunstdüngergaben.
Risiken
Mit biologischen Methoden arbeitende Betriebe erreichen geringere Erträge als konventionelle Betriebe. Durch Brache unterbrochene Feldfruchtkulturen begünstigen meistens die Verunkrautung. Wenn man auf die Verwendung chemischer Unkraut- und Schädlingsvertilgungsmittel verzichtet, ist ein Anbau ohne Fruchtwechsel nicht mehr möglich.
Der Anbau einiger Feldfrüchte mit biologischen Methoden ist riskant. Ungesprühte Kartoffeln können vom Meltau, Zuckerrüben vom Gelbsuchtvirus und Bohnen von Blattläusen befallen werden. Durch den Wechsel zwischen Körnerfrüchten und Feldfutterpflanzen lässt sich jedoch ein gesundes ökologisches Gleichgewicht aufrechterhalten.
Wie ein biologischer Betrieb arbeitet
Der biologische Anbau kann auf verschiedene Weise betrieben werden. Wenn in einem biologisch arbeitenden Betrieb mit 80 ha Nutzfläche z. B. der Anbau von 9 ha Weizen geplant ist, sollten vorher Bohnen gepflanzt werden. Sie reichern den Boden mit Stickstoff an und dienen außerdem als Viehfutter. Die Weizenerträge liegen im nächsten Jahr bei 4,8 bis 5 t pro ha. Im Wechsel mit Weizen folgt der Anbau von Futterhafer und dann von Braugerste.
Die Grünlandnutzung erfolgt gewöhnlich in Etappen. Eine Herde von 30 Milchkühen weidet auf den Wiesen, deren üppiges Gras mit stickstoffreichen Kleesorten durchsetzt ist. Hierauf folgt die Beweidung durch 20 Mutterschafe mit ihren Lämmern, die wie die Kühe das Weideland gleichzeitig düngen. Zum Tierbestand gehören außerdem noch etwa 200 freilaufende Hühner und einige Schweine. Der Hof umfasst ferner 3,2 ha Wald einschließlich Ententeich, Buschwerk und Hecken, in denen die natürlichen Feinde der Insekten leben.
Die auf einem derartigen Hof anfallenden Arbeiten lassen sich von fünf Arbeitskräften bewältigen, drei davon brauchen nicht das ganze Jahr hindurch eingestellt sein. Trotzdem fließt das bei Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln gesparte Geld wenigstens teilweise in den höheren Arbeitsaufwand. Insgesamt gesehen, wird aber bei der biologischen Anbauweise der Konkurrenzdruck nicht dieselbe Rolle spielen wie bei der modernen Landwirtschaft.
Fruchtwechselwirtschaft
Ein biologisch anbauender Landwirt betreibt Fruchtwechsel, gleichgültig ob er einen gemischten Betrieb hat oder nicht. Für seine speziellen Zwecke eignet sich indessen der gemischte Betrieb (Anbau und Viehzucht) am besten. Der tierische Dung wird über das bebaubare Land verteilt. In der Praxis muss der Bauer zur Erzielung annehmbarer Erträge organischen Dünger hinzukaufen. Das Rotationssystem beruht auf einer drei- oder vierjährigen Weidebrache, die von mindestens zwei verschiedenen Tierarten genutzt wird, die verschiedenes Grünfutter bevorzugen und daher die Fruchtbarkeit des Bodens nicht einseitig belasten. Die Pflanzenmischung auf einer Weidebrache umfasst eine Vielzahl von Gräsern, Kleesorten und tiefwurzelnden Kräutern, wie Zichorie und Schafgarbe. Oft folgen der Brache zwei oder drei Jahre Körnerfruchtanbau. Abweichungen von dieser Rotation sind durch eine Anbaufolge von Weizen, Hafer und Gerste möglich mit dem Anbau einer Leguminosen-Zwischenfrucht, z. B. Bohnen. Dabei können auch Gründüngerpflanzen wie Raps und Senf in den Anbau aufgenommen werden. Als künstliche Düngemittel noch unbekannt waren, war die Fruchtwechselwirtschaft die Regel. Seit dem Spätmittelalter hatte sie sich als Drei-Jahres-Fruchtfolge verbreitet, wobei der Anbau von Winter- zu Sommergetreide oder Leguminosen wechselte und dann eine Brache von einem Jahr zur Regeneration eingelegt wurde.
Bei biologischem Anbau »füttert« der Bauer den Boden mit Nährstoffen, die ihrerseits wieder die Pflanzen ernähren. Ein Bauer mag sein Land mehrere Jahre lang mit Gras bestellen [A], Bodenwürmer und Bakterien verbessern in dieser Zeit die Bodenstruktur. Er kann Gründüngerpflanzen [B] wie Raps [1], Senf [2] oder Lupinen [3] einpflügen, die Bodentiere wandeln sie in Humus um. Tierdünger, vermischt mit gehäckseltem Stroh [C], kann zusätzlich auf den Acker gestreut werden.
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