Geschichte der Landwirtschaft

Zu Beginn seiner Entwicklung lebte der Homo sapiens ähnlich wie andere Lebewesen der Erde: Er sammelte pflanzliche Nahrung - Getreide, Früchte, Wurzeln, Nüsse - und tötete Tiere, um deren Fleisch zu essen. Erst vor rund 10 000 Jahren begann der Mensch, Tiere zu zähmen und herauszufinden, wie er Nutzpflanzen anbauen konnte.

Primitive Ackerbaumethoden
Etwa zwischen 9000 und 7000 v. Chr. machte es die Erfindung des Grabstockes und dann des Hakenpfluges möglich, den Boden so zu bearbeiten, dass regelmäßig geerntet werden konnte. Die Flussbecken des Euphrat und Tigris sowie das Niltal wurden Zentren großer Kulturen, denn dort gab es genug Nahrung, um auch die nichtbäuerliche Bevölkerung damit zu versorgen. Gleichzeitig breitete sich der Ackerbau in Nordwest-Indien, Nordchina, den südwestlichen Teilen der heutigen Vereinigten Staaten sowie in Mittel- und Südamerika aus. Verschiedene Pflanzenarten wurden kultiviert: Reis in Asien, Mais und Kürbisse in Amerika. Noch heute wird in vielen Entwicklungsländern Ackerbau in herkömmlicher Weise betrieben.

Die alten Griechen und Römer führten Getreide aus Ägypten und anderen Ländern Nordafrikas ein, pflegten jedoch auch eigenen Anbau (Trauben, Feigen, Oliven). Sie benutzten vermutlich von Tieren gezogene Eggen. Weizen und Gerste wurden mit Sicheln geerntet (Hafer und Roggen nicht). Zu den Haustieren zählten Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, Segen, Geflügel und Bienen. Die Feldwirtschaft ging folgendermaßen vor sich: Ein Jahr lang wurde angebaut, im nächsten Jahr ließ man das Land brachliegen, damit es sich wieder erholen konnte.

Im nördlich der Alpen gelegenen Europa wurde alles Land, das bebaut werden sollte, gerodet. Zuerst wurden die größeren Bäume gefällt, dann das Unterholz abgehackt und schließlich die ganze Fläche niedergebrannt. Manchmal wurden relativ hohe Roggen- und Hafererträge erzielt. Nach ein oder zwei Jahren ließ man auf den Feldern wieder Buschwerk wachsen. In Teilen Zentralafrikas wird diese Art des Rodens noch immer praktiziert.

Die Angelsachsen brachten nach England eine neue Form des Ackerbaus mit, die sich über ganz Westeuropa ausbreiten sollte: den sogenannten offenen Feldbau, das System der Dreifelderwirtschaft. Es bestand darin, dass man das Ackerland in drei Teile unterteilte und auf jedem Feld Teil in jährlichem Wechsel Weizen oder Roggen, dann Gerste, Hafer, Erbsen oder Bohnen zog und (im dritten Jahr) eine Brache folgen ließ. So war sichergestellt, dass ein und dieselbe Feldmark dauernd genutzt werden und sich gleichzeitig wieder erholen konnte. Der neuartige, schwere Pflug, den zwei oder mehr Ochsen ziehen mussten, grub die langen Felder um.

Die Araber hatten nach Spanien neue Anbausorten und Tierarten mitgebracht: Zuckerrohr, subtropische Früchte und Merinoschafe. Die in Italien eingeführte Seidenraupe nährte sich von den dortigen Maulbeerbäumen. Außerdem wurde der Reisanbau aufgenommen.

Neue Agrarerzeugnisse und Anbaumethoden
Von den aus Amerika und Indien nach Europa verbrachten Nutzpflanzen war die Kartoffel wohl die wichtigste. Mais und Tabak wurden in Spanien, Südfrankreich und in Italien schnell heimisch. Zu den neuen Agrarerzeugnissen gehörten auch Tomaten und Kürbisse.

Die größten Fortschritte auf dem Gebiet der Ackerbautechnik machte Europa. Seit dem 14. Jahrhundert wurde in den Niederlanden intensive Landwirtschaft betrieben. Man baute auf Brachland vorwiegend Getreide, Rüben und Futterpflanzen (Klee, Luzerne, Roggengras) an. Ebenso zog man Pflanzen, aus denen Farbe gewonnen wurde. Schließlich erfand man in Holland auch eine Sämaschine, die das Aussäen von Hand überflüssig machte.

Der intensive Anbau von Futtermitteln machte es erforderlich, das System des offenen Anbaus aufzugeben und die Felder statt dessen mit Einzäunungen zu versehen, um sowohl die heranwachsenden Ernten als auch die grasenden Tiere zu schützen. Die Vierfruchtfolge löste die Dreifruchtfolge ab. Die Produktivität stieg, und sorgsamere Zuchtauswahl führte zu besseren Stämmen bei den Haustieren.

Im 19. Jahrhundert wurde durch die Erschließung der weiten Ebenen Nordamerikas die Mechanisierung der Landwirtschaft entscheidend beschleunigt. Millionen Tonnen Weizen konnten nun geerntet werden, um die stark anwachsende Bevölkerung des industrialisierten Europas zu ernähren, doch waren Landarbeiter auf den Farmen knapp und teuer. Schon 1850 wurde die Mähmaschine eingesetzt und kurz danach die Dampfmaschine, mit deren Hilfe gepflügt, geerntet und gedroschen werden konnte.

Landwirtschaft in unserer Zeit
Heute verrichten Traktoren, Mähdrescher und andere Maschinen die Arbeit, die früher Tiere leisteten - und sind dabei viel erfolgreicher. Lieferte ein Hektar im 13. Jahrhundert z. B. 420-530 kg Weizen, so werden jetzt in Europa, den USA, Argentinien, Australien und Kanada 3500-7000 kg Weizen pro Hektar geerntet. Der Ertrag von 1 ha war damals ausreichend, um vier oder fünf Menschen ein Jahr lang zu ernähren, heute können die fortgeschrittenen Agrarländer aus 1 ha genügend Nahrung für 20-30 Erwachsene pro Jahr gewinnen, zusätzlich zum Saatgut für die nächste Ernte.

Die Nutztierhaltung machte große Fortschritte. Durch Zucht- und Kreuzungserfolge erzielte man höhere Fleisch-, Eier- und Milcherträge, in der Viehhaltung führte die Mechanisierung - vor allem die Melkmaschine - zu erheblichen Arbeitseinsparungen.
 
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