Heute bevölkern mehr als 6000 Reptilienarten unsere Erde. Davon sind 25 Arten Krokodile, 250 Arten Schildkröten, 3000 Arten Eidechsen und 2800 Arten Schlangen. Die meisten Reptilien leben in den Tropen, einige widerstandsfähige Arten wie Bergeidechse, Kreuzotter und Blindschleiche findet man auch in nördlichen Breiten, eine Eidechsenart lebt sogar in Feuerland. Die Europäische Sumpfschildkröte gab es auch in Deutschland.
Die Wärmeregulation
Kriechtiere sind wechselwarm. Sie können ihre Temperatur nicht, wie Vögel und Säugetiere konstant halten, sondern, gleichen sich bis auf wenige Grad der Temperatur ihrer Umgebung an. Bei Wärme zeigen sie höchste Aktivität. Dementsprechend finden sie in den Tropen ihre größte Entfaltung. Bei Kälte werden sie träge und erstarren schließlich. Die meisten Reptilien vertragen keine tiefen Temperaturen. Sie können auf ihre Körpertemperatur jedoch einen gewissen Einfluss nehmen. Wenn sie kalt sind, legen sie sich in die Sonne, ihre Temperatur erhöht sich dann sogar über die der umgebenden Luft. Hat ihre Temperatur die gleiche Höhe erreicht, wie die der Säugetiere, so bleibt ihr Energiegewinn dennoch viel geringer. Reptilien müssen deswegen jede Wärme ausnützen und Abkühlung vermeiden.
In den Tropen unterliegen die Kriechtiere keinen hohen Temperaturschwankungen. Anders in großer Entfernung vom Äquator oder in größeren Höhenlagen: Dort überstehen sie die niedrigen Temperaturen nur durch eine Winterstarre.
Vermehrung und Wachstum
Fast alle Reptilien legen Eier, Krokodile und Pythons bis zu hundert Stück, manche Schildkröten noch mehr, die meisten Schlangen und Eidechsen haben kleinere Gelege. Die Eischalen der Krokodile und Seeschildkröten sind hart, die vieler anderer Arten pergamentartig. Die Eier werden vor der Ablage im Weibchen befruchtet. Alle männlichen Reptilien, mit Ausnahme der Brückenechsen, haben ein Begattungsorgan. Bei Schildkröten und Krokodilen ist der Penis einfach, bei Schlangen und Eidechsen paarig.
Die meisten Kriechtiere kennen keine Brutpflege, sie verlassen die Eier gleich nach der Ablage. Nur wenige Arten vergraben sie: Sonnenenergie oder durch faulende Pflanzen erzeugte Wärme brüten die Eier aus. Bei einigen Reptilien verbleiben die Eier bis zur Reife in den Eileitern, so dass die Jungen voll entwickelt geboren werden (Ovoviviparie). Diese Fortpflanzungsart erlaubt manchen Kriechtieren das Vordringen in Wüsten oder kalte Zonen.
Frisch geschlüpfte Reptilien stellen Miniaturausgaben ihrer Eltern dar. Sie benötigen keine elterliche Fürsorge, sondern sind sofort selbstständig. Giftschlangen können gleich nach dem Schlüpfen beißen.
Die Wachstumsgeschwindigkeit der Kriechtiere hängt von ihrer Nahrung und der Außentemperatur ab. Ein Alligator wächst unter günstigen Bedingungen während seines ersten Lebensjahres durchschnittlich 2,5 cm pro Monat, Pythons sogar dreimal so schnell. Reptilien reifen ziemlich rasch zur Fortpflanzungsfähigkeit heran, die bei einigen kleinen Echsen mit knapp einem Jahr, bei manchen Schildkröten und Krokodilen erst mit zehn Jahren eintritt.
Im Gegensatz zu den Säugetieren können adulte Reptilien noch wachsen, wenn auch langsamer.
Die Sinnesorgane
Krokodile sehen zwar gut, sie können aber keine Farben unterscheiden. Ihr Gehör- und Geruchssinn ist hoch entwickelt. Schildkröten haben leistungsfähige, farbentüchtige Augen. Sie reagieren auf Gerüche, sind jedoch vermutlich taub. Bemerkenswert ist das Ortsgedächtnis dieser Tiere.
Tagaktive Eidechsen sehen von allen Kriechtieren am besten. Ihre schillernden Farben lassen auf ein Farbsehvermögen schließen, was auch für schillernde Schlangen gilt. Mit Ausnahme des Geckos ist das Gehör der Eidechsen wenig ausgeprägt: Sie hören, wenn überhaupt, nur die tiefsten Töne. Nur einige Reptilien, so Geckos und Krokodile, können Laute erzeugen, bekannt ist das dumpfe Brüllen der Alligatoren.
Der Geruchssinn ist bei Baumeidechsen schwach entwickelt, bei vielen Arten aber ausgezeichnet. Sie besitzen außer ihrer »Nase« ein besonderes Sinnesorgan, das sogenannte Jacobsonsche Organ. Dieses befindet sich am Gaumen und besteht aus zwei nebeneinanderliegenden, mit Riechsinnzellen ausgekleideten Vertiefungen, in welche die beiden Spitzen der gespaltenen Zunge passen. Beim Züngeln werden Duftmoleküle mit den Zungenspitzen aufgenommen und zum Jacobsonschen Organ transportiert. Auf diese Weise ist das Finden und Verfolgen einer Duftspur möglich.
Die Augen der Schlangen zeigen eine Besonderheit: Sie sind mit einer durchsichtigen »Brille« bedeckt, die aus miteinander verwachsenen Lidern besteht. So kommt der starre Blick der Schlangen zustande. Schlangen sind farbenblind (möglicherweise mit Ausnahmen), ihr Sehvermögen reicht nicht an das der Eidechsen heran, spielt aber, zumindest bei Nattern, eine größere Rolle als bisher angenommen. Im Gegensatz zu allen anderen Reptilien fehlt den Schlangen das Trommelfell. Trotz Ausbildung des Innenohrs sind sie taub, nehmen aber Bodenschwingungen wahr.
Als einzige Wirbeltiere besitzen einige Schlangen »Wärmedetektoren«, die Grubenorgane. Bei Klapperschlangen (Grubenottern) liegen sie zwischen Auge und Nasenloch. Damit orten die Grubenottern bei Nacht Wärmestrahlen, die von Beutetieren ausgehen. Riesenschlangen besitzen ähnliche, aber weniger leistungsfähige Wärmesinnesorgane.
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