Die philosophische Ethik beschäftigt sich mit dem menschlichen Sollen und untersucht Begriffe wie das Gute, Recht, Pflicht, Verantwortung und Strafe. Die Begriffe des Guten und des Richtigen Es gibt viele Bestimmungen des Guten. Die Naturalisten bestimmen es psychologisch als die naturgegebenen Antriebe des Menschen. Die Hedonisten erklären es als das Gefühl der Lust, andere allgemein als Bedürfnisbefriedigung. Alle diese Bestimmungen sind anfechtbar. Schon Platon (427-347 v. Chr.) wies nach, dass es sittlich verwerfliche Genüsse gibt und dass wir, wenn Genuss und Gutes identisch wären, den widersprüchlichen Begriff eines schlechten Guten in uns haben müssten.
Im Verhältnis zum Begriff des Richtigen wird der Begriff des Guten teilweise als der grundlegende betrachtet. Von einer Handlung zu sagen, sie sei richtig, bedeutet danach, dass sie, auch im Vergleich zu jeder anderen Handlung, mehr Gutes als Schlechtes zur Folge hat. Zu den Vertretern dieser Auffassung gehören die Utilitaristen (Jeremy Bentham, 1748-1832, und John Stuart Mill).
Im Gegensatz dazu wird von anderen Denkern das Richtige als nicht aus dem Guten ableitbar aufgefasst. Sonst könnte man z. B. die Einschüchterung von Unschuldigen als richtig bezeichnen, weil man damit etwas Gutes erreichen will, nämlich durch Abschreckung Verbrechen verhüten.
Bestimmungsmerkmale des Sittlichen
Um moralische Qualität zu besitzen, muss eine Aussage mehrere Merkmale auf weisen. Erstens muss sie eine Vorschrift sein und nicht nur eine Beschreibung. Sie muss also etwas darüber aussagen, was sein soll, nicht bloß darüber, was ist. Aus der Verwischung dieses Unterschieds erwuchs der naturalistische Trugschluss, Sollens Behauptungen aus Tatsachenbehauptungen abzuleiten. Eine einfache Form dieses Trugschlusses ist es z. B., aus der Behauptung, etwas sei natürlich (d. h. es geschehe bzw. geschehe häufig), zu folgern, etwas anderes sei unnatürlich und falsch im Sinne nicht bloß des Tatsächlichen, sondern des Sollens.
Dieses Merkmal erscheint eindeutig. Man muss sich aber die Bedeutung des Unterschieds von Sollen und Tatsächlichkeit vor Augen halten. Ob etwas als eindeutig erkannt wird, ist von geschichtlichen Bedingungen abhängig. Thomas von Aquin (1225-74) übersah zumindest zeitweise noch den entscheidenden Unterschied zwischen Geboten, die zugleich Naturgesetze sind (die man also nicht missachten kann), und Geboten, die Vorschriften für das menschliche Verhalten darstellen, auch wenn sie ständig missachtet oder durchbrochen werden. Nicht jede Vorschrift ist ein sittliches Gebot. Immanuel Kant unterscheidet bedingte Imperative (Sollens Vorschriften) vom kategorischen Imperativ (unbedingtes Gebot). Jene können eine Handlung in bestimmten Situationen nahelegen, sind aber nicht absolut verpflichtend, im Gegensatz zu einem sittlichen Imperativ wie »Du sollst nicht töten«.
Nach Kant gibt es noch zwei weitere Bestimmungen des Sittlichen. Die erste ist die Allgemeingültigkeit: Wenn etwas nicht nur als Regel des Verhaltens, sondern als sittliches Gesetz gelten soll, muss es als Prinzip überall und gleichermaßen Anwendung finden. Wer beispielsweise den Einsatz chemischer Kampfmittel oder die Folter als unmoralisch ablehnt, muss dies allgemein tun. Gegen solche Rechts Verletzungen bloß bei Staaten zu protestieren, die man politisch ablehnt, gegenüber politisch nahestehenden Systemen im gleichen Fall aber zu schweigen, stellt keinen glaubwürdigen und ernsthaften moralischen Appell dar. Das zweite Kriterium, das Kant für die Bestimmung eines Gesetzes als eines sittlich (moralisch) verbindlichen anführt, bereitet gewisse Schwierigkeiten. Kant behauptet nämlich, dass die moralische Gesetzgebung autonom sein müsse, also nicht heteronom sein dürfe. Dies bedeutet, dass jeder sich seinen eigenen moralischen Grundsätzen zu unterwerfen hat, im Unterschied etwa zu den staatlichen Gesetzen, die uns von außen auferlegt werden. (Hiergegen wurde mehrfach richtig eingewendet, dass dann jede Gesetzgebung im Grunde der moralischen Einschätzung durch das Individuum unterworfen würde: »Ich weiß, dies ist das Gesetz, aber ist es gerecht, hat es einen Anspruch darauf, Gesetz zu sein?«)
Das Problem des Subjektivismus
Das Problem liegt also darin, den Gedanken der Autonomie zu bewahren, ohne dem Subjektivismus zu erliegen. Der moralische Subjektivismus ist der Ansicht, dass sittliche Begriffe nichts anderes ausdrücken als die Auffassungen der Person, die sie verwendet. Zwischen strengen Subjektivisten gibt es keine Verständigung über moralische Probleme, ebenso wenig wie zwischen Menschen mit verschiedenem Geschmack über Geschmacksfragen.
Subjektivismus wie Objektivismus (Naturalismus) sehen das Problem von Sollen und Sein als ein Scheinproblem an, jener glaubt, dass Sittlichkeit auf persönlichen Auffassungen beruhe, dieser dagegen, dass sie allein durch Tatsachen bestimmt werde. Wenn man an den beiden entgegengesetzten Standpunkten kompromisslos festhält, wird jede sinnvolle moralische Diskussion unmöglich. Doch haben moralische Standpunkte immer bestimmte Konsequenzen, dies ermöglicht die kritische Diskussion über moralische Probleme. Wichtigstes Ziel einer solchen Diskussion sollte sein, unannehmbare Folgen einer bestimmten Grundhaltung aufzuzeigen und so ihren Vertreter zur Korrektur seines Standpunktes zu veranlassen. Das geht allerdings nur, wenn nicht allein die Gesinnung, sondern auch die Folgen des Handelns in die sittliche Bewertung einbezogen werden.
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