Das Kind in der Entwicklung

Die Erziehung eines Kindes hat nichts von einem naturwissenschaftlichen Experiment, bei dem alle Einflüsse genau gemessen und systematisch variiert werden. Vielmehr ist sie, wie vieles andere im Leben, ein Vorgang voller Überraschungen, und ein großer Teil der vielen ungeplanten Ereignisse, die sie prägen, entzieht sich dem Einfluss der Eltern völlig. Es gibt keine andere Möglichkeit, Kinder zu erziehen, als im Rahmen eines vernünftigen Erziehungskonzeptes zu improvisieren.

Reifung und Erziehung
Die kindliche Entwicklung ist Gegenstand intensiver psychologischer Forschung. Mit Hilfe von Experimenten und Beobachtung ließen sich viele Faktoren ausmachen, die auf die physische und psychische Entwicklung des Individuums vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter einwirken. Die Befunde lassen erkennen, welche Entwicklungsvorgänge durch die Umwelt am leichtesten und welche am wenigsten beeinflusst werden können.

Nicht unmittelbar zu beeinflussen ist zunächst die Erbausstattung des Kindes. Allerdings lassen, von Grenzfällen abgesehen, die Erbfaktoren im Bereich des Psychischen der Überformung durch Lernerfahrungen einen unabsehbar großen Spielraum. Nur zum Teil, und mit zunehmendem Alter immer weniger, kann die psychische Entwicklung des Kindes als Reifung, d. h. als anlagebedingte Entstehung von Verhaltensbereitschaften angesehen werden, zum größeren Teil ist sie Ergebnis der Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Umwelt. Schon in den ersten Lebenswochen entwickelt sich eine Beziehung zwischen dem Säugling und seiner Mutter oder Bezugsperson, die die Grundlage für die spätere Auseinandersetzung mit der Umwelt und die Begegnung mit anderen Menschen schafft.

Allem Anschein nach gibt es übrigens auch reifungsbedingte Phasen besonderer Lernfähigkeit beim Kind, sie bedeuten aber auch eine erhöhte Abhängigkeit von fördernden äußeren Einflüssen. So ist offenbar das dritte Lebensjahr eine Zeit, in der das Kleinkind besonders sensibel ist für den Spracherwerb. Schwere Mängel in den Anregungsbedingungen der Umwelt während dieser Zeit sind später kaum noch aufzuholen. Damit ist den Erziehern eine große Verantwortung für die Entwicklung ihrer Kinder auferlegt, mit dem Wissen darum wuchs die Unsicherheit vieler Erzieher. Andererseits sind aber Kinder auch erstaunlich belastbar und widerstandsfähig - einzelne ungünstige Erfahrungen haben im Allgemeinen keine dauerhaften schädigenden Auswirkungen. Probleme entstehen meist erst durch eine Häufung ungünstiger Einflüsse. Wenn etwa die Eltern gelegentlich einmal aus der Haut fahren, so ist das für die Kinder nicht schlimm, kann sogar günstig sein, weil sie merken, dass ihre Erzieher auch nur Menschen sind. Einen Wutausbruch können Kinder ohne Schaden überstehen, nicht aber dauernde Gemeinheit und Brutalität.

Die Anpassungsfähigkeit des Kindes
Der Amerikaner Arnold Gesell (1880-1961) und seine Mitarbeiter fanden in breit angelegten Untersuchungen an Kindern aller Altersstufen und vieler Kulturen, dass Kinder unter den verschiedensten - günstigen und ungünstigen - Umweltbedingungen zu selbständigen und angepassten Erwachsenen heranwuchsen. Diese Tatsache weist vielleicht auf eine »natürliche Tendenz zum normalen« in der kindlichen Entwicklung hin.

Die Praxis der Säuglingspflege ist von Kultur zu Kultur und innerhalb der Kulturen von Generation zu Generation unterschiedlich. Bei einigen nordamerikanischen Indianerstämmen sind die Säuglinge die meiste Zeit fest auf ein Wiegenbrett geschnallt - auch dann fangen sie etwa um die gleiche Zeit an zu laufen wie die Kleinkinder anderer Kulturen, die intensiv zum Laufen angehalten werden.

Hinsichtlich vieler alltäglicher Probleme der Kleinkinderpflege gibt es entgegengesetzte Auffassungen, z. B. darüber, ob Brust- oder Flaschennahrung besser ist, ob Kinder streng erzogen oder überhaupt nicht geleitet werden sollen, ob Reinlichkeitserziehung notwendig ist oder nicht. Ein Beispiel für die unterschiedlichen Auffassungen ist die Frage der Mahlzeiten. Zu Anfang dieses Jahrhunderts war es üblich, Säuglinge nur dann zu füttern, wenn sie hungrig waren. Dann wurde es modern, ein wissenschaftlich begründetes Ernährungsschema zu befolgen, wobei das Kind alle vier Stunden gefüttert wurde, gleich ob es dazu geweckt werden musste oder schon einige Zeit geschrien hatte. Man glaubte, dass dieses Verfahren sich auf den Charakter günstig auswirkte, weil es dem Kleinkind ein Gefühl der Ordnung einflößte und ihm zeige, dass es über seine individuellen Bedürfnisse hinaus noch etwas anderes gebe. Dann setzte sich wieder die freie Ernährung durch, vielleicht unter dem Einfluss Freuds, der auf die Gefahren einer zu starken Einigung der kindlichen Impulse hingewiesen hatte. Heute gilt dieses Problem nicht mehr als entscheidend, man weiß, dass Kleinkinder ihre Nahrungsaufnahme ganz gut selbst bestimmen können.

Ebenso wichtig wie die körperliche Pflege ist die allgemeine Familienatmosphäre. Manche Eltern haben am liebsten ein selbständiges Kind, andere ein folgsames. Probleme gibt es, wenn ein Kind den Erwartungen der Eltern nicht entspricht.

Übersicht über die kindliche Entwicklung
Das ungefähre Alter, in dem ein Kind im Lauf seiner Entwicklung wichtige Funktionen beherrscht, wird aus der Tabelle unten sichtbar. Die Altersangaben sind keineswegs verbindliche Normen, denen jedes normale Kind entsprechen müsste, außerdem gibt es Verschiebungen zwischen den Geschlechtern.

 
Neugeborenes
Körperliche Entwicklung:
Massenbewegungen (gleichzeitige Bewegung aller Körperteile), zahlreiche Reflexe (bei Berührung): Saugreflex, Greifreflex, Streckreflex des Fußes u. a.

Wahrnehmung:
Ab dem 3. oder 4. Tag Fähigkeit, einem Ton durch Kopfdrehen zu folgen, einen Summer von einer Glocke zu unterscheiden.

Denken:
Denkvorgänge nicht erkennbar, aber rasches Lernen, die Nahrungsquelle besser zu finden.
Erste Konditionierungen auf akustische Reize möglich.

Sprachentwicklung:
Schreien oder gurrende Laute.

Sozialverhalten:
Aktivität als Vorläufer späterer Unterschiede im Sozialverhalten: sehr aktive, mäßig aktive und ruhige Säuglinge unterscheidbar.

Emotionale Entwicklung:
Keine differenzierten (qualitativ unterschiedlichen) Gefühle; Hunger und Schmerzen vermutlich als Unlustreize erlebt.

Moralische Entwicklung:
Ohne Wertvorstellungen, moralische Einstellungen und moralische Gefühle in den ersten 6-7 Monaten.

 
1 Woche bis 2 Monate
Körperliche Entwicklung:
Fähigkeit zur Fixierung mit den Augen, Koordination der Blickrichtung.
Heben des Kopfes aus der Bauchlage.
Erste Differenzierung der Bewegungen.

Wahrnehmung:
Zeitweise besondere Empfindlichkeit des Gehörs (laute Geräusche als unangenehm empfunden).
Erste Erkennungsreaktionen in Konturen: Wiedererkennen eines Gesichts.

Denken:
Beginn der Erkundung der Umwelt (Anfänge des Stadiums der sensumotorischen Intelligenz).
Keine Suche, wenn ein Gegenstand aus dem Gesichtsfeld verschwindet.

Sprachentwicklung:
Häufig starkes Schreien (bis zum 3. Monat), Differenzierung verschiedener Formen des Schreiens.
Laute des Wohlbefindens.

Sozialverhalten:
Erste soziale Reaktionen: Anlächeln der Mutter mit 4-6 Wochen.
Schreien als Ausdruck von Erwartungen an die Umwelt.

Emotionale Entwicklung:
Unterscheidung zwischen angenehmen und unangenehmen Zuständen, entsprechende Gefühlsäußerungen.

Moralische Entwicklung: -

 
2-4 Monate
Körperliche Entwicklung:
In Bauchlage wachsende Fähigkeit, den Oberkörper aufzurichten.
Reflexe, die vorher vorhanden waren, gehen verloren.
Verbesserung der Bewegungskontrolle.

Wahrnehmung:
Wiedererkennen von Dingen, Interesse an neuen Reizen.
Verfolgung von Objekten mit den Augen.
Tiefenwahrnehmung.
Augenpartie, später auch Nase zum Erkennen eines Gesichts entscheidend.

Denken:
Antizipation der Flugbahn eines Balles (Blick auf die Stelle, wo er hinter einem Schirm hervorkommen wird).
Unterscheidung der Mutter von anderen.
Freude an Bildern.

Sprachentwicklung:
Wiederholte und anhaltende (15-20 Sekunden) gutturale Laute.
Reaktion auf gehörte menschliche Laute (Erkennen der Stimme).
Erstes Lachen.

Sozialverhalten:
Spiel mit Gegenständen, die ihm in die Hand gesteckt werden.
Erste unterschiedliche Reaktionen auf verschiedene Personen in der Umgebung.
Deutliches soziales Interesse.

Emotionale Entwicklung:
Zu Beginn dieser Phase erstmals deutliche Zeichen von Vergnügen (Lächeln, Lachen), aber auch von negativen Gefühlen.

Moralische Entwicklung: -

 
4-6 Monate
Körperliche Entwicklung:
Mit 20 Wochen Öffnen der Hand, um einen Gegenstand anzufassen.
Am Ende der Phase Greifen von Objekten mit Handfläche und Fingern (ohne Benutzung des Daumens).

Wahrnehmung:
Wachsende Koordination zwischen Händen und Augen.
Erkundung der Gegenstände mit dem Mund.
Mund als Element beim Wiedererkennen eines Gesichts, außerdem Bewegung.

Denken:
Kommt in Verlegenheit wenn ihm drei Bilder der Mutter vorgehalten werden.

Sprachentwicklung:
Erweiterung des Lautrepertoires durch Vokale und Konsonanten (die sich von den später verwendeten Lauten teilweise unterscheiden).

Sozialverhalten:
Gegen Ende dieser Phase deutliche Unterscheidung zwischen verschiedenen Erwachsenen.

Emotionale Entwicklung:
Verschiedenartige positive Reaktionen auf verschiedene Menschen.
Zeichen von Furcht und Wut als getrennte Reaktionen, selbstzufrieden.

Moralische Entwicklung: -

 
6-8 Monate
Körperliche Entwicklung:
Mit etwa 7 Monaten selbständiges Sitzen für kurze Zeit.
Am Ende dieser Phase Stehen mit geringer Hilfe.
Greifen unter Verwendung von Zeigefinger und Daumen.

Wahrnehmung:
Gesichtswahrnehmung unter steigender Berücksichtigung des Ausdrucks (statt wie früher markanter Elemente des Gesichts).

Denken:
Entwicklung des Verständnisses dafür, dass versteckte oder verschwundene Gegenstände weiterhin existieren.
Suche nach versteckten Gegenständen.

Sprachentwicklung:
Die mehr gutturalen Laute wandeln sich zum ausgedehnten Lallen.
Häufigste Läute sind ma, mu, da und di.
Am Ende dieser Phase Fähigkeit zur Wiederholung gehörter Laute.

Sozialverhalten:
Wachsende Unterscheidung zwischen den Gesichtern.
Anfänge ernsthaften Spiels (aber kaum mit anderen Kleinkindern).
Verschiedene Formen ausdrücklicher Beziehung auf die Mutter.

Emotionale Entwicklung:
Entwicklung der Furcht vor unbekannten Situationen und Personen.
Anlehnung an bekannte Erwachsene.
Freude an positiven Reaktionen anderer.

Moralische Entwicklung: -

 
8-10 Monate
Körperliche Entwicklung:
Kriechen und Aufrichten an Gegenstand bis zum Stehen (Ende des 10. Monats).
Immer geschicktere Benutzung von Daumen und Zeigefinger (z. B. Halten der Trinkflasche).

Wahrnehmung:
Weite Entwicklung der Tiefenwahrnehmung (Vermeidung des Herunterfallens, z. B. von einem Tisch).

Denken:
Wachsendes Bewusstsein, dass Objekte, auch wenn sie nicht mehr sichtbar sind, weiterhin existieren.
Suche nach Gegenständen an verschiedenen Stellen.

Sprachentwicklung:
Zunehmende Nachahmung gehörter Laute mit ungenauer Reproduktion.
Erste Unterscheidung von Worten (Beantwortung mit angemessenen Reaktionen).

Sozialverhalten:
Anfänge der Bevorzugung des Spiels mit anderen gegenüber dem Spiel mit sich selbst.
Hilfe anderer bei Gehversuchen wird als solche erkannt.
Erste nachahmende Bewegungen.

Emotionale Entwicklung:
Bewusstsein sozialer Rollen (Furchtsamkeit gegen Fremde, die sich als Bekannte geben).
Anlächeln des eigenen Spiegelbildes.

Moralische Entwicklung:
Erste Zeichen von Betroffenheit bei Tadel.

 
10-12 Monate
Körperliche Entwicklung:
Gehen mit Unterstützung.
Die Gewohnheit, alles in den Mund zu stecken, lässt nach.
Ausscheidung wird allmählich kontrollierbar.

Wahrnehmung:
Nachlassen der Verwirrung bei plötzlichem, unerwartetem Verschwinden eines Gegenstandes.

Denken:
Mit der Bezeichnung von Gegenständen werden gegen Ende dieser Phase erste Symbole benutzt bzw. geschaffen.

Sprachentwicklung:
Erste bedeutungshaltige Worte, Hauptwörter, die ungenau Gegenstandsklassen bezeichnen (z. B. »Wauwau« für alle Vierbeiner).
Verstehen von Aufforderungen (vor allem mit Gesten).

Sozialverhalten:
In Anwesenheit der Mutter deutliche Verringerung von Erregbarkeit und Vorsicht.
Beginn regelrechten Nachahmungsverhaltens (z. B. Haare kämmen).

Emotionale Entwicklung:
Erste Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen hinsichtlich Selbstbehauptung.
Bevorzugung von Spielzeug und Wahl der Kontakte.

Moralische Entwicklung:
Das Verständnis elterlicher Gebote und Verbote ist unmittelbar situationsgebunden.

 
12-18 Monate
Körperliche Entwicklung:
Gehen ohne fremde Hilfe mit etwa 13 Monaten.
Mithilfe beim Ankleiden.
Interesse an selbständigem Essen.
Kriecht rückwärts Treppen hinunter.

Wahrnehmung:
Rasch steigende Fähigkeit, hervorstechende Merkmale von Gegenständen zur Identifikation zu verwenden.

Denken:
Enge Gebundenheit des Denkens an Vorstellungsbilder bis zum 7. Lebensjahr.
Kein Verstehen der Gleichförmigkeit von Raum und Zeit (»präoperative Phase«).

Sprachentwicklung:
Entwicklung Wortschatz (3-50 Wörter) männlich-weiblich, groß-klein u. a. Sprache im Telegrammstil, 1- und 2-Wort-Sätze.
Keine Verwirrung, wenn andere die Sprache nicht verstehen.

Sozialverhalten:
Beginnende Auseinandersetzung mit anderen um Spielzeug.
Magisch orientierte Vorstellung sozialer Regeln.
Freude an besonderen Ereignissen und an Menschen.

Emotionale Entwicklung:
Abnehmende Furcht vor fremden Objekten, Menschen, Geräuschen.
Am Ende der Phase Auftreten von Eifersucht gegen neugeborene Geschwister.

Moralische Entwicklung:
Bis zu 6 bzw. 7 Jahren erfolgt die Verhaltens-Steuerung über Bedürfnisbefriedigung und Furcht vor Strafe.

 
18 Monate bis 2 Jahre
Körperliche Entwicklung:
Beginn der Kontrolle der Ausscheidungsfunktion.
Laufen (ungeschickt, Fallen).
Aufrechtes Treppensteigen.
Halbe Körpergröße Erwachsenenalter (mit ca. 2 Jahren).

Wahrnehmung:
Zunehmende Differenzierung (das Kind bemerkt, wenn eine Veränderung in der Umgebung stattgefunden hat).

Denken:
Vorstellung, dass andere dasselbe sehen wie das Kind (bei geschlossenen Augen Überzeugung, unsichtbar zu sein).
Findet selbständig Wege wieder, kann sie aber nicht beschreiben.

Sprachentwicklung:
Wortschatz von mehr als 50 Wörtern bei der Satzbildung (2-Wort-Satz) Verbindung von Hauptwort und Bestimmungswort.
Erste Anwendung grammatischer Regeln.

Sozialverhalten:
Gegen Ende dieser Phase Abnahme des Einzelspiels, dagegen Bevorzugung des parallelen Spiels mehrerer Kinder ohne Zusammenarbeit.

Emotionale Entwicklung:
Am Ende dieser Phase Furcht vor Phantasiegeschöpfen und Dunkelheit.
Wachsendes Verständnis für Lustiges und Lächerliches.

Moralische Entwicklung:
Verständnis der Forderungen der Erwachsenen als einfacher Gut und Böse Gegensatz.

 
2-3 Jahre
Körperliche Entwicklung:
Reinlichkeitserziehung weitgehend abgeschlossen.
Deutliche Fortschritte in der Feinmotorik (weitgehend selbständiges Essen u. a.).

Wahrnehmung:
Unterscheidung zwischen grundlegenden Merkmalen und wechselnden Eigenschaften, das Kind macht zunehmend Gebrauch von dieser Unterscheidung.

Denken:
Fortschritte in der Fähigkeit, Gegenstände nach einem oder mehreren gemeinsamen Merkmalen zu ordnen.

Sprachentwicklung:
3-Wort-Sätze und längere Sätze.
Beginnende Strukturierung der Sprache (Gebrauch des Plurals, verschiedener Zeiten, Satzstellung usw.).

Sozialverhalten:
Mit ca. 30 Monaten Übernahme kleiner häuslicher Pflichten.
Zunehmende Kooperation gemeinsam spielender Kinder.
Ende der analen, Beginn der phallischen Phase (nach Freud).

Emotionale Entwicklung:
Jungen zeigen mehr physische Selbstbehauptung und Wut als Mädchen.
Tendenz zu mehr Unabhängigkeit.

Moralische Entwicklung:
Häufig erste deutliche - situationsabhängige - Gewissensregungen.

 
3-5 Jahre
Körperliche Entwicklung:
Weiterhin deutliche Größenzunahme (Skelettentwicklung bei Mädchen durchschnittlich rascher als bei Jungen).
Gehirngewicht des Fünfjährigen rd. 75% des Erwachsenengehirns.

Wahrnehmung:
Zunehmende Unterscheidung von Formen (Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen manchen Buchstaben).

Denken:
Wissen, dass Gegenstände bei Zustandsänderungen dieselben bleiben (Wasser und Eis), aber keine Vorstellung, wie es dazu kommt.

Sprachentwicklung:
Steigende Länge und Komplexität der Sätze.
Zunehmende Verwendung grammatischer Differenzierungen (z. B. Aktiv-Passiv).

Sozialverhalten:
Beginnender Einfluss der Gleichaltrigen auf das Verhalten.
Hohe Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil.

Emotionale Entwicklung:
Wachsende Zufriedenheit bei Bewältigung einer selbstgewählten Aufgabe.
Erwachende Einfühlung in andere und Deutung ihrer Reaktionen.

Moralische Entwicklung:
Deutlicher Egozentrismus, aber Beginn von Schuldgefühlen und innerer Verhaltenskontrolle.

 
5-7 Jahre
Körperliche Entwicklung:
Deutlicher Gestaltwandel mit Proportionenverschiebung (Kopf relativ kleiner).
Nervensystem (Zentralnervensystem und Nervenbahnen) weitgehend ausgebildet.

Wahrnehmung:
Beachtung wesentlicher Momente an Gegenständen und Ereignissen.
Wachsende Unterscheidungsfähigkeit und Beherrschung der Buchstaben, Erwerb erster Lesefähigkeit.

Denken:
Verwendung von Begriffen und Regeln, allerdings weitgehend kontextgebunden.
Phase der konkreten Operationen (nach Piaget).

Sprachentwicklung:
Bewältigung unregelmäßiger grammatischer Formen.
Ausbau (auch schulbezogen) des Wortschatzes.

Sozialverhalten:
Wendung eher an Gleichaltrige als an Erwachsene.
Lernt im Spiel Übernahme sozialer Rollen, Grenzen der eigenen Freiheit.
Ende phallische Phase (nach Freud), Beginn der Latenzphase.

Emotionale Entwicklung:
Beschäftigung mit Entwicklung und Erprobung des Selbstbildes.

Moralische Entwicklung:
Änderung in der Grundlage moralischer Urteile.
Achtung moralischer Regeln statt Furcht vor Übertretung.

 
7-11 Jahre
Körperliche Entwicklung:
Quantitative Zunahme (Körperstärke, Bewegungskoordination, psychomotorisches Tempo).
Latenzphase: besondere Aufgeschlossenheit für (schulischen) Lernzuwachs.

Wahrnehmung:
Differenzierung (Ortsverhältnisse, Perspektive u. a.).
Beginnendes Interesse an systematischer Beobachtung.

Denken:
Fähigkeit zur Hervorhebung von Teilaspekten aus einem Ganzen, zur richtigen Beschreibung einer Handlungsfolge und zur Ordnung von Gegenständen nach Größe, Gewicht usw.

Sprachentwicklung:
Gegen Ende dieser Phase fast vollständige Beherrschung von Grammatik und Syntax.

Sozialverhalten:
Bevorzugung gemeinsamer Spiele (häufig geschlechtsspezifisch).
Einfluss der Familie lässt gegenüber Einfluss anderer Gruppen (Schulklasse, Spielgruppen) nach.

Emotionale Entwicklung:
Auftreten differenzierter sozialer Gefühle (Freundschaft, Altruismus).
Allmähliche Kontrolle der Gefühlsregungen.

Moralische Entwicklung:
Orientierung des Handelns am Wunsch nach Zustimmung oder an strenger Legalität.

 
11-13 Jahre
Körperliche Entwicklung:
Pubertät: Wachstumsschub, Beginn der sexuellen Funktionen (bei Mädchen früher als bei Jungen).

Wahrnehmung:
Zunehmende Wahrnehmung von Beziehungen zwischen anscheinend unzusammenhängenden Ereignissen und Objekten.

Denken:
Fähig zum Nachdenken über Probleme und zur Prüfung von Lösungsmöglichkeiten.
Verwendung abstrakter Regeln zur Problemlösung.
Stadium der »formalen Operationen« (Piaget).

Sprachentwicklung:
Erweiterung des Wortschatzes um spezielle (z. B. technische) Begriffe.
Größere Verfügung über Bezeichnungen zur genauen Beschreibung.

Sozialverhalten:
Enge Bindung an vorwiegend gleichgeschlechtliche Gruppen.
Verständnis für Gerechtigkeit und gleichberechtigte Gruppenbeziehungen.
Zuweilen auch Rückzug in die Einsamkeit.

Emotionale Entwicklung:
Differenzierte Reaktionen zu Gleichaltrigen.
Lockerung der Bindung an die Eltern.
Erste Annäherung ans andere Geschlecht.

Moralische Entwicklung:
Das Verhalten ist orientiert an gegenseitiger Verbindlichkeit und allgemeinen ethischen Prinzipien.
 
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Referat: 1277 - Das Kind in der Entwicklung
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