Der Erste Weltkrieg

Am 28. Juni 1914 wurde der österreich-ungarische Thronerbe, Franz Ferdinand, Erzherzog von Österreich-Este (1863-1914), in Sarajevo von dem serbischen Nationalisten Gavrilo Princip ermordet. Dieses Attentat löste eine Kette diplomatischer Manöver aus, die schließlich zum Kriege führten. Der Balkan war seit Langem ein Unruheherd. Der serbische Nationalismus bedrohte das wankende Habsburgerreich, ein Zusammenbruch Österreich-Ungarns hätte die Isolierung seines Verbündeten Deutschland bedeutet. Auch Russland, Serbiens Verbündeter, vertrat auf dem Balkan eigene Interessen.

Die ersten Schlachten an beiden Fronten
Deutschland drängte seinen Verbündeten, eine feste Haltung einzunehmen, am 28. Juli 1914 erfolgte die österreich-ungarische Kriegserklärung an Serbien. Zwei Tage darauf kam die russische Mobilmachung, auf die Deutschland am 1. August mit der Kriegserklärung an Russland reagierte. Der deutsche Schlieffenplan sah, um einen Zweifrontenkrieg zu vermeiden, einen Angriff auf Frankreich durch Belgien hindurch vor, um diesen Verbündeten Russlands rasch auszuschalten. Deshalb erklärte Deutschland am 3. August Frankreich den Krieg und marschierte am nächsten Tag in Belgien ein. England kam daraufhin Belgien zu Hilfe.

Bis zum 9. September hatten die deutschen Truppen die Marne erreicht, wo sie Franzosen und Briten zum Stehen brachten.

Ende Oktober standen sich beide Seiten in Schützengräben gegenüber, die vom Kanal bis zur Schweizer Grenze verliefen. Im Osten wurde die gewaltige russische Armee am 20. August bei Tannenberg vernichtend geschlagen.

Während des Jahres 1915 blieben die Deutschen im Westen defensiv, warfen aber im Osten in ihrer Sommeroffensive die Russen über 480 km zurück.

Die Türkei war im Oktober 1914 auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg eingetreten. Nach verlustreichen Seeoperationen der Alliierten versuchte ein Expeditionskorps (Australier, Neuseeländer, Briten und Franzosen) von 75 000 Mann, bei Gallipoli am Ausgang der Dardanellen eine neue Front zu errichten. Dem Unternehmen fehlte das Überraschungsmoment, die Angreifer mussten sich nach schweren Verlusten im Dezember wieder zurückziehen. So blieb Russland vom alliierten Nachschub abgeschnitten.

Ende 1915 erkannten beide Seiten, dass sich der Krieg in die Länge ziehen würde. Am 21. Februar 1916 begann Deutschland bei Verdun eine Offensive, die die Franzosen zermürben sollte. Bis Ende Juni waren hier fast 600 000 Mann gefallen, es gelang den Franzosen, ihre Stellungen im Wesentlichen zu halten. Die Russen eröffneten im gleichen Jahr unter General Alexej Alexejewitsch Brussilow (1853 — 1926) eine Offensive, die unter gewaltigen Verlusten nur geringe Geländegewinne einbrachte. Die Engländer griffen unter Feldmarschall Sir Douglas Haig (1861-1928) an der Somme an, sie hatten bereits am ersten Tag 20 000 Tote und gewannen in einem Kampf, der knapp fünf Monate dauerte, 8 km Boden.

Der Krieg zur See
Bei Kriegsbeginn hatte die Royal Navy eine Blockade über die deutschen Küsten verhängt. Die Deutschen antworteten mit U-Boot-Angriffen, hatten aber 1915 und 1916 zunächst nur wenig Erfolg, weil die Versenkung neutraler Schiffe verboten war. Am 31. Mai 1916 fand im Skagerrak die einzige größere Seeschlacht des Krieges statt. Ihr Ausgang war unentschieden, aber die deutschen Seestreitkräfte (außer den U-Booten) blieben für den Rest des Krieges im Hafen. Während des Jahres 1916 erzeugte die Blockade eine Ernährungskrise in Deutschland. Am  31. Januar 1917 erklärte Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, nach der Versenkung amerikanischer Schiffe traten die USA in den Krieg ein.

Der U-Boot-Krieg erreichte sein Ziel nicht, das neue Geleitzugsystem bewahrte England vor der wirtschaftlichen Katastrophe.

Der Sieg der Alliierten
An der Westfront begannen die Franzosen eine Reihe erfolgloser Angriffe, im Mai 1917 meuterten einige Truppenteile, aber im Juni stellte Marschall Philippe Petain (1856-1951) wieder Ruhe her.

Am 20. November setzten die Alliierten bei Cambrai Panzer ein. Italien war am 26. April 1915 auf der Seite der Alliierten in den Krieg eingetreten, es erlitt am 24. Oktober 1917 bei Caporetto eine schwere Niederlage. In Russland führte die Kriegsmüdigkeit zum Sturz des Zaren im März 1917. Eine provisorische Regierung begann zwar eine Offensive, als diese aber fehlschlug, kamen im November die Bolschewiki an die Macht und baten um Frieden (Brest-Litowsk, März 1918). Deutschland erhielt Gebiete in Westrussland.

In der Erkenntnis, dass im Westen die Entscheidung gesucht werden musste, ehe sich die Hilfe der Amerikaner auswirkte, begannen die Deutschen von März bis Juli 1918 eine Reihe von Offensiven. Sie warfen die Alliierten bis an die Marne zurück, wurden dort aber wieder zum Stehen gebracht. Dann gingen die Alliierten mit amerikanischer Unterstützung im August zum Gegenangriff über. Eine am 26. September eingeleitete Großoffensive überzeugte die deutsche Oberste Heeresleitung, dass der Krieg verloren war. Waffenstillstandsverhandlungen wurden eingeleitet. Am 9. November dankte der deutsche Kaiser ab, am 11. November wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Österreich-Ungarn hatte schon am 3. November nach einer alliierten Offensive einen Waffenstillstand vereinbart.


Für die nachfolgenden Generationen wurde der I. Weltkrieg zum Inbegriff sinnloser Vernichtung. Zehn Millionen Tote waren zu beklagen, darüber hinaus brachte der Krieg allen Gesellschaftsschichten der kriegführenden Staaten schwere Belastungen: Mit der Einziehung zum Wehrdienst und strengster Reglementierung der Wirtschaft einschließlich der Lebensmittelrationierung gewannen die Regierungen diktatorische Macht. Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland hörten als Kaiserreiche zu bestehen auf. In Osteuropa entstanden nach dem Krieg zahlreiche unabhängige Kleinstaaten.
 
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