Knollenfrüchte

Knollengewächse haben gutentwickelte, fleischige Wurzelteile, die sich im Boden bilden und die Pflanze in Trocken- bzw. Kälteperioden mit Nährstoffen versorgen. Wegen ihres hohen Stärkeanteils sind viele Knollenfrüchte wichtige Nahrungspflanzen, nicht nur in Europa und Nordamerika, sondern auch in ihrer Urheimat Südamerika sowie im tropischen Afrika und Asien.

Kartoffeln
Die Kartoffel (Solanum tuberosum) ist die wichtigste Knollenfrucht der westlichen Welt. Nach Europa kam sie erst im 16. Jh. durch die Spanier, die sie aus Südamerika mitbrachten. In den Anden war die Pflanze bereits seit vielen Jahrhunderten kultiviert worden.

In Europa verbreitete sich die Kartoffel anfangs nur zögernd. Sie fand gegen 1588 Eingang auf den Britischen Inseln und wurde in der Folgezeit namentlich in Irland stark angebaut. 1621 gelangte sie nach Deutschland. In Preußen förderte Friedrich der Große den Anbau.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel richtig erkannt, als 1845/46 eine Kartoffel Missernte in Irland Hungersnot hervorrief. Seitdem hat die Kartoffelzucht ständig zugenommen. Allein die ehemalige-UdSSR hat ihre Anbaufläche zwischen 1924 und 1945 von 3 Mio. auf 10 Mio. ha vergrößert. Auch in Frankreich, den Beneluxländern, in Deutschland, Polen, der Tschechoslowakei, England und Irland ist der Anbau erheblich. Die wichtigsten Kartoffelgebiete der USA liegen in Idaho, Washington und Maine.

Bei allgemein steigendem Kartoffelanbau in den Ländern des Ostblocks seit 1945 ging die Anbaufläche in Westeuropa und Nordamerika merklich zurück. 1975 betrug die Welternte 293,8 Mio. t. Die Sowjetunion erzeugte davon fast ein Drittel (95 Mio. t), es folgen Polen (50 Mio. t), China (40 Mio. t), die USA (14,2 Mio. t) und die Bundesrepublik Deutschland mit 10,8 Mio. t (1974 noch 14,5 Mio. t). Hauptausfuhrländer für Kartoffeln sind Holland, Frankreich und die USA, Haupteinfuhrländer die BRD, Italien und England.

Der Kartoffelanbau
Nachdem der Boden durch Pflügen gründlich vorbereitet worden ist und die letzten Fröste vorüber sind, erfolgt die Saat. Der Abstand zwischen den einzelnen Kartoffelreihen beträgt 60-65 cm, das entspricht etwa 50 000 Saatkartoffeln pro Hektar. Die Kartoffel ist eine Hackfrucht, die lockere, sandige Böden bevorzugt, diese müssen in der ersten Wachstumszeit mehrmals gelockert und gehäufelt werden. Frühe Sorten werden Ende Juli/Anfang August mit Rodehacken von Hand geerntet. Die Haupternte findet nach dem Welken des Krautes im Herbst (September bis Oktober) statt, in der Regel mit Maschinen. Ein großer Teil der Ernte wird für den Verbrauch im Winter eingelagert, oft in sog. Mieten.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel beruht auf ihrer vielseitigen Verwendbarkeit. In Deutschland wird etwa ein Drittel der Produktion als Speisekartoffeln verkauft. Groß ist der Bedarf an Futterkartoffeln in der Schweinemast. Erhebliche Mengen Kartoffeln gehen in die Herstellung von Stärke und Spirituosen. Immer mehr Kartoffeln werden inzwischen auch industriell verarbeitet. Moderne Essgewohnheiten haben einen wachsenden Markt für Pommes frites, getrocknete und gewürzte Kartoffelscheiben (»Chips«), Trocken- und Konservenkartoffeln geschaffen. So werden z. B. in den USA bis zu 45% der Kartoffelernte von der Verarbeitungsindustrie abgenommen und veredelt. Diese Entwicklung hat zur Züchtung vieler neuer Sorten geführt. In einigen Mittelmeerländern ist daneben die Erzeugung von Frühkartoffeln ein wichtiger Exportzweig.

Gegenüber dem Weltdurchschnitt von 138 dz pro ha wurden 1974 in der Schweiz die höchsten Hektarerträge (434 dz) erzielt.

Weitere Knollenfrüchte
Eine Reihe anderer Knollenfrüchte wie Maniok, Jams, Taro und Süßkartoffeln werden seit Jahrhunderten in tropischen Ländern angebaut und sind z. B. in Westafrika die Ernährungsgrundlage weiter Bevölkerungsschichten. Industriell zu einer stärkehaltigen Trockensubstanz verarbeitet, haben sie sich während der weltweiten Knappheit an Futtergetreide im Jahr 1973/74 als Viehfutter bewährt und seitdem auch in den EU-Ländern zunehmende Nachfrage gefunden.

Maniok oder Kassawa (Manihot utilissima) ist ein aus Südamerika stammendes, bis 2 m hohes Wolfsmilchgewächs, dessen mehrere Kilogramm schwere Wurzelknollen wegen ihres hohen Stärkegehalts (32-35%) als Nahrungsmittel dienen. Unter den mehr als 150 Arten hat Manihot esculenta, die bittere Kassawa, die größte wirtschaftliche Bedeutung. Allerdings müssen die Knollen der meisten Varietäten wegen ihres Blausäuregehalts geschält und gründlich gewässert werden, ehe sie zu Kassa oder Tapioka (zwei Arten von Stärkemehl) verarbeitet für Mensch und Tier genießbar sind. Auch die gefingerten Blätter des Kassawastrauchs werden gegessen, geschmacklich ähneln sie dem Spinat. Süße Kassawa (Manihot dulcis) pflanzt man vorwiegend in Süd- und Mittelamerika an. Jams (Spezies Dioscoreä) und Taro (Colocasia esculenta) sind in den Tropen weit verbreitet: Jams hauptsächlich in Westafrika, Taro (auch Cocoyam genannt) in Südostasien und auf den Südseeinseln.

Die Süßkartoffel oder Batate (Ipomoea batatas) ist mit der uns bekannten Kartoffel nicht verwandt. Aus Mittelamerika stammend, sind ihre bis 2 kg schweren, süßschmeckenden Wurzelknollen in vielen tropischen Ländern ein Volksnahrungsmittel. In manchen Gegenden, etwa den südlichen USA, zieht man sie zum Teil sogar den Kartoffeln vor.
 
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