Faser- und Ölpflanzen

Neben Nahrungspflanzen werden auch Faser und Ölpflanzen angebaut, die wichtige Rohstofflieferanten sind. Unter Pflanzenfasern versteht man pflanzliche Zellen, die im Wesentlichen aus Cellulose bestehen (bis zu 90%) und einzelnoder als Faserbündel in vielen Pflanzenteilen wie Früchten, Blättern, Stengeln und Stämmen einschließlich der Rinde vorkommen. Die Stärke und Geschmeidigkeit der Fasern verleihen der Pflanze Elastizität.

Die verschiedenen Faserpflanzen
Archäologische Funde in Mexiko und im Südwesten der USA lassen die Annahme zu, dass Fasern schon vor über 10 000 Jahren vom Menschen benutzt wurden. Außer Flachs, Hanf und anderen Fasern als Ausgangsmaterial für Stricke, Netze und Säcke hat man durch Klopfen von Rinden und Fasern verschiedener Bäume und Pflanzen auch primitive »Rindenstoffe« für Kleider hergestellt, wie es heute noch auf Neuguinea und Inseln des Pazifiks geschieht. Bereits um 3000 v. Chr. wurden in Indien Baumwollfasern zu Garn gesponnen, das zu Stoffen gewebt wurde, die Herstellung von Leinen in Ägypten setzte noch früher ein.

Fasern unterscheiden sich nach ihrer Herkunft. Entsprechend Ihren charakteristischen Eigenschaften werden sie zur Herstellung von Textilgeweben, Flecht- oder Bindematerial verwendet. Erforderlich für die Verarbeitung von Fasern sind ausreichende Länge, Reiß- und Bruchfestigkeit, Feinheit und Flexibilität.

Bastfasern kommen entweder als Zellgewebe der Zweikeimblättrigen Pflanzen oder in den Blattbündeln von Einkeimblättrigen Pflanzen vor. Die langen, überlappenden Faserzellen liegen in einem verkitteten Zellmaterial, das durch Wässern oder Rösten entfernt werden muss. Hierbei werden die Kittsubstanzen auf biologisch chemischem Weg aufgelöst. Die so von den Holzteilen der Stängel gelösten Faserbündel von Flachs, Hanf und Kokosbast werden dann geklopft und laufen durch Spezialroller, wobei die aufgeweichten Fasern vom restlichen Pflanzenschleim getrennt werden (bei Jutefasern erfolgt dies von Hand).

Bastfasern sind besonders biegsam und geschmeidig und werden als »weiche Fasern« bezeichnet. Sie können zu Tauwerk, Bindfaden oder Zwirn verarbeitet und zu groben Säcken gewebt werden. Jute, Hanf und Flachs sind die wirtschaftlich wichtigsten Bastfasern. Besonders Flachs, der zu feinem Linnen weiterverarbeitet wird und dessen Samen das Leinöl liefert, ist äußerst nützlich.

Blattfasern werden vor allem aus mehrjährigen Pflanzen mit gefäßförmiger Blattstruktur gewonnen. Wegen ihrer harten Textur und geringen Spannfähigkeit bezeichnet man sie als Hartfasern. Wichtigste Vertreter sind Sisalagave, Abaka sowie Henequen oder Yucatän-Sisal, deren Fasern sich zur Herstellung von Bindegarn, Bürsten und Säcken eignen.

Samenfasern sind die feinen Samenhaare bestimmter Pflanzen, in erster Linie der Baumwolle, ferner von Kokosbast und Kapok. Während aus Baumwolle hochwertige Textilien angefertigt werden, dient Kapok als Füllmaterial und Isolierschutz, Kokosbast als Bindegarn für Besen und Säcke.

Pflanzenöle für die menschliche Ernährung Pflanzenöle enthalten mehr Nährwert pro Gewichtseinheit als jedes andere Nahrungsmittel. Sie sind ein Gemisch von Estern aus höheren Fettsäuren mit dem dreiwertigen Alkohol Glycerin.

Die Ölgewinnung aus den Samen und Früchten der Ölpflanzen erfolgt durch Erhitzen und Pressen. Die Früchte werden entkernt, die Samen grob zermahlen und gekocht (um ihren Feuchtigkeitsgehalt zu reduzieren), danach in hydraulischen oder Schraubenpressen zu Brei zerquetscht und ausgepresst. Der ganze Vorgang wird durch Erhitzen (auf 100-130 ?C) intensiviert.

Eine andere Möglichkeit der Ölgewinnung ist die Extraktion mit Tetrachlorkohlenstoff oder Kohlenwasserstoff. Das aus den gekochten Samen ausgefällte Öl und das jeweilige Lösungsmittel werden zuletzt durch Destillation getrennt, wonach weniger als 1 % öl in den Rückständen verbleibt. Pflanzenöle, die sich von den Fetten durch ihren flüssigen Zustand bei Zimmertemperatur unterscheiden, sind vielseitig verwendbar. Bereits im Altertum hatte der im Mittelmeerraum heimische Ölbaron große wirtschaftliche Bedeutung. Bei den Ägyptern wurde Olivenöl als Speiseöl geschätzt und galt in vielen kultischen Handlungen als Symbol der Reinigung und Heilung. Daneben wurde es als Brennstoff in den Lampen und zur Herstellung von Farben und Lacken gebraucht.

Sojabohnenöl
Wichtigste Ölpflanze ist die Sojabohne. Ihr öl wird durch einen chemischen Lösungsprozess gewonnen. Als Speiseöl ist es geruchlos, beinahe farblos und wohlschmeckend sowie frei von gesättigten Fettsäuren.

Um Margarine - eine Emulsion aus Öl, Magermilch, Lecithin, Salz und Konservierungsmitteln - oder Back fett zu liefern, durchläuft Sojabohnenöl einen Hydrierungsprozess, bei dem ungesättigte Fette in gesättigte verwandelt werden (Hartfette).
Industrien verwendete Pflanzenöle

Weitere wichtige pflanzliche Quellen für Speiseöle sind Erdnüsse und Mais, Baumwollsamen, Raps und Sonnenblumen, Kokosnüsse sowie Oliven. Die hauptsächlichen Industrieöle sind Rizinus-, Tung- und Leinöl, die alle einen höheren Anteil freier Fettsäuren und Unreinheiten wie z. B. Harze und Stearine enthalten als essbare öle. Industrieöle dienen zur Herstellung von Seife (wofür sie mit Natriumhydrat und Ätzkali behandelt werden), Detergentien, Plastifiziermitteln, Kosmetikartikeln, Farben und diversen Chemikalien.
 
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