Islamophobie ist ein politisches Schlagwort und bezeichnet eine pauschalisierende, feindselige oder von Vorurteilen geprägte Einstellung gegenüber Muslimen. Im Rahmen einer sozialwissenschaftlichen Analyse fand der Begriff in Wilhelm Heitmeyers neueren Studien zu Ideologien der Menschenfeindlichkeit in Deutschland Verwendung.
Etymologie und Verbreitung
Islamophobie ist ein Neologismus, der in Analogie zu Begriffen wie Xenophobie oder Homophobie zu verstehen ist. Er stellt ein Determinativkompositum aus Islam und Phobie mit dem Fugenelement o dar.
Der Begriff lässt sich in gedruckter Form bis zum Jahr 1991 zurückverfolgen. Die erste offizielle Definition des Terminus stammt von 1997, als der britische »Runnymede Trust« in seinem Bericht »Islamophobia: A Challenge for Us All« Islamophobie als »unbegründete Feindschaft gegenüber dem Islam und daher Furcht oder Antipathie gegenüber allen oder den meisten Muslimen« bestimmte.
Eine größere internationale Verbreitung fand der Begriff nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center vom 11. September 2001 und der sich daran anschließenden Welle von Hassverbrechen gegen Muslime.
Definition des Runnymede Trust
Eine islamophobe Einstellung kommt nach einer Definition des britischen »Runnymede Trust« in unterschiedlichen Meinungen zum Ausdruck:
1. Der Islam wird als alleinstehender monolithischer Block angesehen, statisch und für Veränderung unempfänglich.
2. Der Islam wird als gesondert und fremd angesehen, er habe keine gemeinsamen Ziele und Werte mit anderen Kulturen, weder werde er von ihnen beeinflusst noch beeinflusse er sie.
3. Der Islam wird als dem Westen unterlegen angesehen, barbarisch, irrational, primitiv und sexistisch.
4. Der Islam wird als gewalttätig angesehen, aggressiv, bedrohlich, den Terrorismus unterstützend und in einen Kulturkampf verstrickt.
5. Der Islam wird als eine politische Ideologie angesehen, die für politische oder militärische Vorteile genutzt werde.
6. Kritik des Islam »am Westen« wird pauschal abgelehnt.
7. Feindseligkeit dem Islam gegenüber wird benutzt, um diskriminierende Praktiken gegen Muslime und ihrer Ausgrenzung von der gesellschaftlichen Mitte zu rechtfertigen. Feindseligkeit gegenüber Muslimen wird als natürlich und »normal« angesehen.
Definition des Forum Against Islamophobia and Racism
Islamophobie ist die Angst, der Hass oder die Feindseligkeit gegenüber dem Islam und Muslimen. Islamophobie wirkt sich auf alle Lebensbereiche der Muslime aus und kann sich auf verschiede Weise ausdrücken, unter anderem durch
1. Angriffe, Missbrauch und Gewalt gegenüber Muslimen.
2. Anschläge auf Moscheen, islamische Zentren und muslimische Friedhöfe.
3. Diskrimination im Bildungsbereich, im Arbeitsleben, bei der Unterbringung und bei der Versorgung mit Waren und Dienstleistungen.
4. Mangelhafte Versorgung und Mangel an Respekt gegenüber Muslimen in öffentlichen Einrichtungen.
Fragekatalog Heitmeyers zur quantitativen Erfassung von Islamophobie
In seiner Studie »Deutsche Zustände. Folge 4« macht Heitmeyer Islamophobie im Rahmen einer Befragung u.a. an der Zustimmung zu folgenden Aussagen fest:
1. Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.
2. Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.
3. Es sollte besser gar keine Muslime in Deutschland geben.
4. Muslimen sollte jede Form der Religionsausübung in Deutschland untersagt werden.
5. Für mich sind die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen kaum zu unterscheiden.
6. Die Mehrheit der Muslime hält große Distanz zur restlichen Bevölkerung.
7. Viele Muslime in Deutschland wollen lieber unter sich bleiben.
8. Die islamistischen Terroristen finden starken Rückhalt bei den Muslimen.
9. Ich hätte Probleme in eine Gegend zu ziehen, in der viele Moslems leben.
10. Ich werde nur solche Parteien wählen, die gegen den weiteren Zuzug von Moslems sind.
Umgekehrt gilt ihm auch die Ablehnung der folgenden Aussagen als Indiz für eine islamophobe Einstellung:
1. Der Islam hat eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht.
2. Die muslimische Kultur passt durchaus in unsere westliche Welt.
3. Ich würde mein Kind auch in einer Schule anmelden, in der eine moslemische Frau mit Kopftuch unterrichtet.
4. Es ist allein Sache der Muslime, wenn sie über Lautsprecher zum Gebet aufrufen.
Da jedes politische Schlagwort instrumentalisiert werden könne, erklärt Heitmeyer, sei die Unterscheidung zwischen berechtigter Kritik und Vorurteil auch im Fall der Islamophobie notwendig.
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