Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert war Italien führend auf dem Gebiet des Handels und der Finanzen in Europa. In Italien sind in dieser Zeit die meisten Techniken im Geschäfts- und Bankwesen entwickelt worden, die heute noch benutzt werden.
Im 12. Jahrhundert nahmen Banken in Genua Einlagen an, wechselten ausländische Münzen in einheimische Währung und engagierten sich im Gold- und Silberhandel. Später wurden die Florentiner führend auf dem Gebiet der Bankwirtschaft. Die Geschäftsverbindungen Italiens mit dem übrigen Europa machten den bargeldlosen Geldtransfer nötig. Der einfache, aber für den Handel wichtige Wechsel wurde im 14. Jahrhundert entwickelt. Er half, die Umständlichkeit und Risiken des Münztransportes zu umgehen.
Geschäfte mittelalterlicher Banken
Um das kirchliche Verbot zu umgehen, Geld gegen Zinsen zu verleihen, machten die mittelalterlichen Banken vor allem Wechselgeschäfte. Obwohl der Wechsel Merkmale eines Kredits trägt (immerhin wird Geld gestundet und vom Schuldner erst später bezahlt), wurde er nicht als Darlehen betrachtet.
Die Gewinne der Banken ergaben sich aus der Wechselgebühr - die Medicis verlangten im Durchschnitt 15% der Wechselsumme. Das Zinsverbot hat sicherlich die Entwicklung des eigentlichen Bankgeschäftes behindert. Es bestanden allerdings bereits im 14. Jahrhundert nicht nur in Italien, sondern auch in Brügge Depositenbanken, die Nichtzins tragende Konten führten und den Kunden die Möglichkeit gaben, Geld auf Konten anderer Kunden durch einfache Umschreibung zu überweisen.
Seit dem 14. Jahrhundert ließen einige Städte schriftliche Anweisungen für Auszahlungen und Überweisungen zu. Diese Anweisungen brauchten nicht mehr - wie ursprünglich gefordert - von dem Konteninhaber persönlich und mündlich erteilt zu werden: Der Vorläufer des Schecks war geboren.
Im 15. Jahrhundert kam es zu einem Niedergang des privaten Bankgeschäftes in den Niederlanden und in Italien: Der Zusammenbruch zahlreicher florentinischer Banken - zwischen 1330 und 1526 sank ihre Zahl von 80 auf 8 - belegt diese Entwicklung deutlich. Eine Quelle von 1585 besagt, dass im Lauf der Zeit von 103 venezianischen Banken 96 bankrott gemacht haben. Ursache waren meist nicht hinreichend gesicherte Kredite an Kaufleute und an Regierungen. Das Depositengeschäft erholte sich erst im späten 16. Jahrhundert, nicht selten mussten sich Banken städtischer Kontrolle unterziehen. Solche Banken entstanden in Venedig und später in Amsterdam.
Kleine Banken und Geldverleiher
Viel verbreiteter als die wenigen Großbanken - wie die der Medici - waren die kleinen örtlichen Banken. Sie erfüllten dieselbe Funktion wie die großen, nahmen Einlagen an, gaben Darlehen gegen Sicherheiten und wechselten Geld. Vom Wechsel- und Überweisungsgeschäft hielten sie sich jedoch fern. In ganz Europa gab es außerdem noch Geld- und Pfandleiher, die kleine und kurzfristige Darlehen gegen Pfänder vergaben. Auch in einem vorwiegend naturalwirtschaftlich orientierten System wurde Geld für Steuern benötigt, das sich geplagte Steuerschuldner in schweren Zeiten leihen mussten.
Nur wenige Geldverleiher waren Christen. Die meisten waren Juden, für die das Zins- und Wucherverbot nicht galt. Einige Juden, wie die von Florenz, wurden im Jahre 1437 offiziell aufgefordert, lizenzierte Geldverleihstuben zu eröffnen, damit die Seelen der Christen nicht durch Wuchergeschäfte in Gefahr gerieten. Aber der Gewinn aus diesem Geschäft war so hoch, dass Christen diese Gefahr auf sich nahmen und in der Folgezeit heimlich Geld gegen Zinsen verliehen.
Um 1450 eröffneten italienische Kleriker Leihanstalten, »Monti di Pieta«, für die Armen. Der karitative Charakter dieser Geldverleihanstalten geriet aber bei der zunehmenden Inanspruchnahme durch die Reichen und die Regierungen schnell in Vergessenheit.
Das Bankwesen im 16. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert gab es im Bankwesen keine wesentlichen Neuerungen. In anderen Ländern Europas, vor allem in Süddeutschland, begann man die Methoden der Italiener zu übernehmen. London blieb bis ins späte 17. Jahrhundert ein zweitrangiges Finanzzentrum. Das Kreditgeschäft wurde zunehmend beweglicher durch Wechsel-Indossament und -Diskontierung. Die Zinssätze fielen allgemein, einige protestantische Staaten liberalisierten den Geldverleih. Der sich ausweitende Handel in Europa (regelmäßig stattfindende Messen) wurde durch ein Clearing-Verfahren zum Ausgleich von Guthaben und Schulden erleichtert. Dieser Zustand dauerte bis ins späte 16. Jahrhundert an, als die Messen ihre Bedeutung verloren.
Einen kräftigen Aufschwung nahm das Bankwesen in dem Boom in der Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Verschuldung der Staaten wegen der steigenden Kriegskosten ziemlich rasch anwuchs. Die französischen Könige nahmen Geld in Lyon auf, die spanischen und englischen in Antwerpen, dem bedeutendsten Fernhandels- und Finanzzentrum dieser Zeit. Vermögen gingen verloren, als die englischen und spanischen Könige ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten - schon Eduard III. von England hatte zwei Florentiner Banken um 1340 zugrunde gerichtet. Von diesen Staatsbankrotten waren normale Bürger genauso betroffen wie große Banken, z. B. die Fugger in Augsburg.
Kategorie: Renaissance & Reformation Nach oben