Die Kunst in Florenz (1400 bis 1460)

Am Anfang des 15. Jahrhunderts übersteht Florenz mit einigem Glück ebenso kostspielige wie bedrohliche Kriege und schwere innere Unruhen. Beide zusammen belasten die städtischen Finanzen schwer, eine hohe Steuerbelastung und der Ruin oder die Verbannung mehrerer reicher Familien sind die Folge. Der Wohlstand der Stadt geht merklich zurück. Eine andere Konsequenz der inneren und äußeren Bedrohung ist das Erstarken des Patriotismus, eine Rückbesinnung auf die kulturellen Traditionen und auf den (wahrscheinlich) römischen Ursprung der Stadt. Dieser neue Patriotismus zeigt sich vor allem in der öffentlichen und privaten Förderung der Kunst.

Die Kuppel des Domes
Der Bau der Kuppel von Santa Maria de 1 Fiore, des Doms von Florenz (begonnen 1296 von Arnolfo di Cambio), durch Filippo Brunelleschi (1376-1446) ist ein Symbol für den neuen Geist der Stadt. Diese erste große freitragend errichtete Kuppel seit der Antike erschien den Bürgern wie die Erfüllung eines unwirklichen Traumes. Die vier halbrunden Anbauten (Exedren), die einen Teil des Kuppelschubs auffangen, sind von Brunelleschi erfundene, architektonisch selbstständig behandelte Kleinbauten. Auf der Außenschale der 107 m hohen Kuppel laufen von den Ecken acht weiße, stark profilierte Marmorrippen zu einem bündelnden Ring empor, auf dem sich die Laterne erhebt. Kuppel und Laterne verbinden sich so selbstverständlich, dass das völlig Neue dieser für Renaissance und Barock maßgebenden Lösung nicht gleich bewusst wird. Die ästhetisch so vollkommene Kuppelpartie lässt die Schwierigkeiten kaum erahnen, die die Behandlung der gewaltigen Masse bereitet hat. Durch sorgsames Studium der Technik alter Kuppeln gelang die konstruktive Lösung der Zweischalenkuppel ohne Lehrgerüste.

Bewusst verwendete Brunelleschi Material dieser Landschaft (dunkelgraue Steine, Ziegel, weißen Verputz) und passte das Bauwerk so der Umgebung an. Der Skulpturenschmuck des Domes macht ihn geradezu zur Geburtsstätte der monumentalen Plastik der Renaissance.

Die Plastik
Eine vor allem durch das Studium der Antike gewonnene Klarheit der Form kennzeichnet die Plastik des reifen Donatello (1386-1466). Sein »Heiliger Markus« (um 1412) ist die erste kraftvolle Darstellung all'antica (nach antikem Vorbild), die den Adel und die Würde des Menschen im Sinne Ciceros sichtbar macht - eine Darstellung, in der die römische Bildhauerkunst lebendig ist. Auf Markus folgen eine Vielzahl von Heiligen und Propheten, die die öffentlichen Gebäude in Florenz schmücken - erhabene, eindrucksvolle Gestalten in reicher Nuancierung des Charakters.

Donatellos Arbeiten sind nicht nur durch höchstes handwerkliches Können und kostbares Material bestimmt. Er ist der Wegbereiter einer künstlerischen Wandlung, wie sie Leon Battista Alberti (1404-72) in seinem Essay »Über die Malerei« (1435) formuliert: Rückkehr zu den antiken Idealen der Einfachheit und Strenge. Donatellos Zeitgenosse Lorenzo Ghiberti (1378-1455), der weniger kompromisslos war, fand einen Ausgleich zwischen dem gotischen Schönheitsideal und dem neuen Stil. Für die zweite Bronzetüre des Baptisteriums war ein Wettbewerb ausgeschrieben worden, den Ghiberti gewann. Während diese Tür weder in der Komposition noch in den Einzelheiten an die Antike erinnert, lässt die Arbeit an der dritten Tür, die auch Ghiberti übertragen wurde, deutlich das Studium der Antike erkennen. Sie ist sein Meisterwerk und wird nach einem Ausspruch Michelangelos »Die Paradiestür« genannt. Sie besticht durch die Feinheit der Einzelheiten, die Tiefenwirkung verdankt sie der von Brunelleschi neu erarbeiteten Zentralperspektive.

Die Malerei
Einer neuen, wirklichkeitsnahen, realistischen Malerei verhilft Masaccio (1401-28) zum Durchbruch. Seine durch Perspektive und einheitliche Lichtführung gewonnene räumliche Tiefenwirkung und die plastische Gestaltung seiner Menschen begründeten die Malerei der Renaissance. Die Arbeiten Masaccios erkennt man fast sofort an dem perspektivisch klar erschlossenen Raum, an den rhythmisch gruppierten, durch Gebärde und Haltung aufeinander bezogenen Menschen, an der unerbittlichen Aufrichtigkeit, mit der er die Dinge sah. In seinem »Zinsgroschen« schaffen Lichtführung und Perspektive eine überzeugende Raumerfahrung. Wie Brunelleschi kam er aus der toskanischen Schule, beeinflusst von Giotto (um 1266-1337), dessen Tradition er fortsetzt, er verwandelt sie aber in eine realistische und ausdrucksstarke Formensprache. Aus seiner Kunst wie aus der Donatellos sprechen Würde und moralischer Ernst. Die Malerei Masaccios wendet Prinzipien der Kunst der klassischen Antike in einem neuen Geist an.

Einige seiner Nachfolger wie Paolo Uccello (1397-1475) gingen diesen Weg konsequent weiter. Die meisten aber versuchten, seine Entdeckungen mit Elementen einer gotischen Tradition zu verbinden. Fra Angelico (um 1387 bis 1455) wie auch Lorenzo Monaco (gest. 1424) stehen noch deutlich in der spätgotischen Überlieferung. Fra Filippo Lippi (zwischen 1406/09-69) und Domenico Veneziano (um 1410-61) wandeln den neuen Stil weiter zu einem beschreibenden Naturalismus, wirksam werden hierbei sowohl Einflüsse flämischer Kunst wie auch ein genaues Studium der Wirklichkeit. Domenico Venezianos »Maria mit Kind und Heiligen« verbindet zeichnerisches Raffinement und perspektivische Akkuratesse mit einer naturalistischen Weichheit von Licht und Farbe.
 
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Referat: 1506 - Die Kunst in Florenz (1400 bis 1460)
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