Schnabeltiere und Beuteltiere

Schnabeltiere (Monotremata) und Beuteltiere (Marsupialia) sind die zwei primitivsten Säugetiergruppen. Die Abstammung der Schnabel oder Kloakentiere von den Reptilien ist unter anderem aus ihrem Skelett ersichtlich und daraus, dass Ausscheidungs- und Geschlechtswege in einer gemeinsamen Öffnung nach außen münden. Diese Öffnung, Kloake genannt, gab der Tiergruppe ihren Namen. Höher entwickelte Säuger haben getrennte Ausfuhrgänge für Darm, Harn- und Geschlechtswege.

Kloakentiere: Eierlegende Säugetiere
Die drei heute noch lebenden Arten, das Schnabeltier (Ornithorhynchus) und die Schnabeligel Australiens und Neuguineas (Tachyglossus und Zaglossus), legen wie Reptilien Eier mit einer ledrigen Hülle. Die Schnabeligel tragen ihre geschlüpften. Jungen zeitweise in einem Beutel. Die Jungen saugen Milch aus umgewandelten Schweißdrüsen, die sich jedoch weder in einem Kanal vereinen, noch in einer Zitze münden. Obwohl die Kloakentiere zur Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur einen Pelz tragen, ist die zentralnervöse Temperaturregulation noch unvollkommen. Ihre Körpertemperatur liegt niedriger und schwankt mehr als bei höheren Säugetieren.

Die Kloakentiere sind an ihre Lebensräume sehr gut angepasst: Das Schnabeltier trägt Schwimmhäute zum Tauchen, einen Entenschnabel zum Herausseihen von Kleinlebewesen aus dem Wasser und einen Haarpelz. Der Schnabeligel gräbt mit langen Krallen und einer spitzen Nase Ameisen aus ihren Nestern. Beiden fehlen Zähne, das Schnabeltier kann jedoch die Schalen von Weichtieren mit einer Hornleiste am Schnabelrand aufbrechen.

Kennzeichen der Beuteltiere
Obwohl die meisten Menschen bei diesen Tieren zuerst an den Beutel denken, ist das wesentliche Merkmal nicht das Vorhandensein einer Tasche, sondern das Fehlen der Plazenta, eines inneren Organs zur Ernährung der ungeborenen Jungen (Embryonen) in der Mutter (vielen amerikanischen Opossumarten fehlt der Beutel). Der Beuteltierembryo ernährt sich in seinen ersten Tagen von Dotter und Absonderungen aus der Gebärmutter (Uterus), in einigen Fällen bildet sich eine primitive Plazenta aus. Das Jungtier muss dann, als unfertiger Fötus, in den Beutel der Mutter kriechen, wo es während der restlichen Entwicklung gesäugt wird. Sowohl Mutter als auch Fötus sind dafür besonders eingerichtet. So entwickeln sich die Vorderbeine des Fötus lange vor den Hinterbeinen und ermöglichen das Klettern von der Vagina in den Beutel, die Zitzen der Mutter sind nicht nur zum Saugen da, sondern stellen lange, muskulöse Organe dar, die den Jungen die Milch einspritzen.

Beuteltiere leben heute nur noch in Amerika, Asien und Australien. In Südamerika werden sie hauptsächlich durch die Opossums und die Opossummäuse der Anden vertreten. Die Tiergruppe gliedert sich in zwei Untergruppen, die Polyprotodonten und Diprotodonten. Bei ersteren (»viele Vorderzähne«) sitzen mehr als drei Schneidezähne in jedem Kiefer, Diprotodonten (»zwei Vorderzähne«) sind höher spezialisiert und rupfen Gras mit nur zwei vorstehenden Zähnen im Unterkiefer.

Die südamerikanischen Beuteltiere, mit der einzigen Ausnahme der Opossummäuse, gehören alle zur Gruppe der Polyprotodonten. Ihnen fehlt ein typisches Kennzeichen, das außer den Bandikuts (Nasenbeutler) allen Diprotodonten eigen ist: zwei zum Kämmen ihrer Haare verschmolzene Zehen.

Australasiatische Beuteltiere
Noch bevor sich die Säugetiere voll entwickelt hatten, riss die zeitweilige Landverbindung zwischen Australien und dem großen eurasiatischen Nachbarkontinent ab. Daher kam es dort nicht zur Entwicklung höherer Säugetiere. Die australasiatischen Beuteltiere, die sich 130 Millionen Jahre lang ohne deren Konkurrenz entwickeln konnten, zeigen eine größere Formenvielfalt als ihre südamerikanischen Verwandten. Sie werden nach der Art ihrer Nahrung (Alles-, Insekten-, Fleisch- und Pflanzenfresser) in vier Gruppen eingeteilt.

Die amerikanischen Opossums (Familie Didelphidae), die im allgemeinen keinen Beutel haben, und die Bandikuts sind Insekten- oder Allesfresser. Bandikuts bilden eine eigene Familie und haben, wie die Wombats, nach hinten geöffnete Beutel, so dass die Jungen vor eindringender Erde geschützt sind.

Fleischfressende Beuteltiere sind in Australien zahlreich. Obgleich ziemlich klein, zeigen sie doch Parallelen zu Katzen und Wölfen. Zu den insektenfressenden Beuteltieren zählen der Beutelmull, einige Beutelmäuse (die dort die Umweltnische der Spitzmäuse besetzt haben) und die Opossummäuse.

Die am höchsten spezialisierten Beuteltiere sind die australischen Diprotodonten. Ihre oberen Schneidezähne (vor allem die in der Mitte stehenden) sind groß und kräftig, von den unteren Schneidezähnen sind nur die mittleren vorhanden, sehr groß, meißelförmig und waagrecht nach vorne gerichtet. Damit essen sie das harte Gras der australischen Steppen. In diese Verwandtschaft gehören drei Gattungen »fliegender« Säugetiere, darunter das Beutelflughörnchen (Petaurus). Der Wombat und der berühmte Koala ähneln in Größe und Lebensweise den Nagetieren, z. B. Murmeltieren.

Kängurus vertreten in Australien die großen pflanzenfressenden Huftiere, doch bieten sich sonst wenig Vergleichsmöglichkeiten mit Plazentatieren. Nur Kängurus haben die seltsamen, kräftigen Hinterbeine und den muskulösen Schwanz ausgebildet, die der Gruppe ihren Namen verliehen haben: Macropodidae, d. h. »Großfüße«. Riesenkängurus können acht Meter weite Sprünge machen.
 
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