Es gibt mehr als 200 verschiedene Huftiere. Am bekanntesten sind Pferd und Rind, deren vom Menschen gezüchtete Rassen die Artenzahl aller übrigen Huftiere übertrifft. Huftiere (Ungulata) fressen Pflanzen. Sie zerkauen die widerstandsfähigen Pflanzenteile mit spezialisierten Mahlzähnen, die Schmelzfalten tragen. Frühe Vorläufer der Huftiere verlagerten ihr Gewicht ganz auf die Zehenspitzen und traten nicht mehr mit der Fußsohle auf. Im Verlauf der Entwicklung verschmolzen ihre Zehennägel zu großen Hufen. Die Fußknochen richteten sich auf. Damit erhöhte sich die Länge des Beins um die Länge des Fußes, bei manchen Arten sogar noch um die Länge der Zehen. Diese Umwandlung ermöglichte weitere Schritte und eine schnellere Fortbewegung.
Paarzeher und Unpaarzeher
Die Huftiere gehören zu zwei großen Ordnungen: den Paarzehern (Artiodactyla) mit zwei oder vier Zehen an jedem Fuß und den Unpaarzehern (Perissodactyla) mit variabler, jedoch meist ungerader Zehenzahl. Es gibt schätzungsweise 190 Arten Paarzeher und 15 Arten Unpaarzeher. Eine den Huftieren nahestehende Gruppe bilden die Subungulaten (Subungulata). Es handelt sich bei ihnen um einen frühtertiären Stamm, dessen heute lebende Abkömmlinge so verschiedenartige Tiere wie Elefanten, Schliefer und Seekühe sind.
Pflanzenfresser
Die Geschichte der Huftiere beginnt zu Anfang des Känozoikums (vor ungefähr 60 Millionen Jahren). Im Eozän, 20 Millionen Jahre später, gab es große, schwere Pflanzenfresserformen, von denen sich viele im Miozän zu schnellfüßigen Grasfressern weiterentwickelten. Schon an der Wurzel des Huftierstammbaumes ist eine Aufspaltung in drei Äste: Paarzeher, Unpaarzeher und Subungulaten, erkennbar. Zwar scheinen Rinder (Paarzeher) und Pferde (Unpaarzeher) miteinander nah verwandt, doch blicken die beiden Gruppen auf eine lange, getrennte Entwicklungsgeschichte zurück.
Die Paarzeher erwiesen sich als die lebenstüchtigere Gruppe: Fast alle mittelgroßen und großen Pflanzenfresser gehören zu ihnen. Zu den primitiveren Paarzehern zählen Schweine, einschließlich der südamerikanischen Pekaris, mit vier gut ausgebildeten Zehen an jedem Fuß. Als Allesfresser haben sie, verglichen mit anderen Huftieren, weniger spezialisierte Zähne: Die vier vorderen Backenzähne sind scharf, die drei hinteren stumpfhöckerig. Nilpferde leben tagsüber im Wasser und kommen nachts zum Fressen an Land, wo sie in einigen Gebieten Felder verwüsten. Kamele, die ausgezeichnet dem Wüstenleben angepasst sind, haben wie ihre südamerikanischen Verwandten, - Lama, Alpaka, Vikunja und Guanako - nur zwei Zehen an jedem Fuß. Alle tragen auch im Oberkiefer Zähne.
Dagegen fehlen den wiederkäuenden Paarzehern obere Schneidezähne, diese werden von einer Hornleiste ersetzt, welche beim Ergreifen der großen Futtermengen als Widerlager dient. Sie umfassen ein Grasbüschel mit der Zunge und schneiden es mit der nach vorne stehenden Zahnreihe im Unterkiefer ab. Die Nahrung wird im Pansen gespeichert, später erneut hochgewürgt und gründlich wiedergekäut, ehe sie ein zweites Mal verschluckt und in den übrigen Magenabteilungen verdaut wird. Ein Vorteil des Wiederkäuens besteht darin, dass die Tiere rasch äsen und später in Ruhe kauen und verdauen können. Zu den Wiederkäuern zählen Hirsche, Giraffen, Antilopen, Rinder, Schafe und Ziegen.
Von der einstmals zahlreichen Gruppe der Unpaarzeher leben heute nur mehr Pferde, Nashörner und Tapire. Die Seltenheit dieser Tiere ist weitgehend auf Verfolgung durch den Menschen zurückzuführen: Wildpferde und -esel sowie die drei asiatischen Nashornarten (Indisches Panzernashorn, Java- und Sumatranashorn) sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Nur Böhm- und Steppenzebras sind in einigen Teilen Afrikas noch häufig. Unpaarzeher sind keine Wiederkäuer und tragen keine Hörner. Das »Horn« des Nashorns besteht aus verklebten Haaren. Nashörner haben an jedem Fuß drei Zehen, Tapire vier an den Vorder- und drei an den Hinterfüßen, während Pferde (einschließlich der Esel, Halbesel und Zebras) nur noch auf der Spitze der Mittelzehe laufen. Die Beinarchitektur ist also von derjenigen der Paarzeher verschieden.
Elefanten, Schliefer und Seekühe
Die Subungulaten sind am artenärmsten. Der Afrikanische und Indische Elefant sind die einzigen Nachfahren einer Ordnung riesenhafter Tiere, die einst den größten Teil der Erde bewohnten. Nicht nur durch ihre Größe unterscheiden sie sich von allen anderen Landsäugern, sondern auch durch den Rüssel und die ungewöhnlichen Zähne (zwei Stoßzähne im Oberkiefer und nur vier Backenzähne insgesamt). Elefanten legen auf der Suche nach Äsung große Tagesstrecken zurück.
Die Schliefer Afrikas und des Nahen Ostens, kleine, plump aussehende und doch flinke Wesen, sind mit den Elefanten anscheinend nah verwandt. Sie leben gesellig in bewaldeten oder felsigen Gebieten. Alle Schliefer haben hufähnliche Nägel an den vier Zehen des Vorderfußes und eine große Kralle an der innersten der drei Zehen des Hinterfußes.
Fossilien beweisen, dass die frühen Verwandten der Seekühe denen der Elefanten glichen. Heute sind Seekühe jedoch reine Wassertiere und leben in tropischen Flüssen und Küstengewässern, wo sie sich von Wasserpflanzen ernähren. Die großen, trägen Tiere schwimmen mit ihrer Schwanzflosse. Die Vordergliedmaßen sind in Paddel umgewandelt und tragen bei einigen Arten kleine, abgeplattete Nägel, die Hintergliedmaßen fehlen.
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