Die Hauskatze gehört zur Familie der katzenartigen Raubtiere (Felidae), deren Urahnen vor 40-50 Millionen Jahren lebten. Die Meinungen über ihre direkten Vorfahren sind unterschiedlich. Sie wird sowohl als domestizierte Form der afrikanischen Falbkatze als auch als Kreuzung zwischen dieser und der europäischen Wildkatze angesehen. Ihre Domestikation, die ca. 2000 v. Chr. in Mesopotamien und Ägypten begann und länger als bei allen anderen Haustieren dauerte, erfolgte ursprünglich nicht aus nützlichen Erwägungen, sondern aus religiösen und kultischen Gründen. Im alten Ägypten genoss die Katze neben der religiösen Verehrung auch große Achtung als Haustier. Sie wurde zum Apportieren abgerichtet, in der Flugwildjagd eingesetzt, auch als nützlicher Vertilger von Mäusen und Ratten geschätzt. Nach ihrem Tod erhielt sie ein feierliches Begräbnis und wurde in der Regel einbalsamiert. Als Zeichen der Trauer rasierten sich alle Familienmitglieder die Augenbrauen ab. Seit jenen Tagen haben sich viele abergläubische Legenden und seltsame Ansichten über die Katze entwickelt. Die Chinesen, deren Gott des Ackerbaus als Katze dargestellt wurde, glaubten, dass Katzen nach ihrem zehnten Lebensjahr reden und sich ab einem bestimmten Alter in andere Geschöpfe verwandeln könnten. In Peru und Irland sowie in der nordischen Mythologie sind Gottheiten in Katzengestalt bekannt. In Europa wurden im Mittelalter vor allem schwarze Katzen mit scheußlicher Grausamkeit verfolgt, weil sie als Verkörperung von Teufeln und Hexen galten. Andererseits schrieb man ihnen magische Kräfte zu und betrachtete sie in vielen Teilen der Welt als Glücksbringer.
Eigenschaften der Hauskatze
Die Hauskatzen sind schlanke, kletter- und springfreudige Tiere mit rundem Kopf, kurzen Kiefern und einziehbaren Krallen. Die Schlüsselbeine fehlen. Das Gebiss mit 30 Zähnen ist in besonderem Maße auf Fleischnahrung spezialisiert. Die kleinen Schneidezähne dienen zum Abknabbern kleiner Fleischstücke, das Abbeißen größerer Teile geschieht mit den Backenzähnen. Der lange, säbelförmige Eckzahn wird zum Fassen und Töten benützt. Beutetiere sind hauptsächlich Kerbtiere und Mäuse, selten Ratten und Vögel. Im Gegensatz zu den Hundeartigen sind Katzen keine »Hetzer«, sondern sie lauern der Beute auf, schleichen sich leise an und springen aus kurzer Entfernung auf die Beute zu, die sie mit Krallen und Zähnen packen. Größere Tiere werden dabei durch einen Nackenbiss getötet. Eine besondere Rolle beim Beutefang spielen der ausgezeichnete Gesichts- und Gehörsinn. Sie ermöglichen es der Katze, geringste Geräuschquellen zu orten und auch bei Dunkelheit Gegenstände wahrzunehmen. Sehr gut ausgebildet sind außerdem Gleichgewichts- und Tastsinn.
Die Hauskatzen besitzen wie alle Kleinkatzen einen verknöcherten Zungenbeinapparat, weshalb sie nicht wie die Großkatzen brüllen, aber beim Ein- und Ausschnaufen schnurren können. Sie werden mit 5-9 Monaten geschlechtsreif und paaren sich im Frühjahr und Sommer. Nach einer Tragzeit von 63 bis 65 Tagen werfen sie 5-6 Junge, die in den ersten 9 Tagen blind sind.
Katzenzucht und Katzenrassen
Neben unseren gewöhnlichen Stadt- und Dorfkatzen gibt es zahlreiche Hauskatzenrassen, die sogenannten Edelkatzen, deren Merkmale genau festgelegt sind und die ebenso sorgsam gezüchtet werden wie Rassehunde. Viele Länder haben dabei ihre besonderen Rassen, nicht alle sind international anerkannt. Für die Festlegung und Vereinheitlichung der einzelnen Standards ist in Europa vor allem die Federation Internationale Feline d'Europe (FIFE) zuständig. Sie ist die Dachorganisation der verschiedenen nationalen Zuchtverbände und umfasst außer England die meisten westeuropäischen Länder.
Bei den Edelkatzen unterscheidet man zwischen Kurzhaar-Rassen, Langhaar-Rassen und »haarlosen« Katzen, die von der FIFE nicht anerkannt sind und zu denen die inzwischen ausgestorbene Mexikanische Nacktkatze sowie die Sphinx gehören. Bei den Kurzhaar-Rassen, die in Europa bis zum Ende des 16. Jahrhunderts vermutlich als einzige Rassen bekannt waren, haben sich zwei Erscheinungsformen herausgebildet: auf der einen Seite der schwere, massige Typ, zu dem die Europäische oder. Amerikanische Kurzhaarkatze ebenso zählt wie der Kartäuser (British Blue) und die schwanzlose Manx-Katze. Im Gegensatz dazu stehen die eleganten, schlanken »Exoten« wie z. B. die Burma-Katze, Abessinier, Russian Blue, Havana, Ebony, Orientalisch Kurzhaar, Cornish-, Devon- und German Rex, die Japanische Stummelschwanzkatze und insbesondere die sehr beliebten Siam-Katzen. Die Langhaar-Rassen, die sich erst im späten 19. Jahrhundert durchzusetzen begannen, stammen ursprünglich aus der Türkei und aus Persien. Mit Ausnahme der türkischen Angora-Katze mit dem keilförmigen Kopf und einigen anderen Arten (Türkische Katze, Maine-Coon) werden heute alle Schaukatzen der Langhaargruppe unter dem Begriff Perserkatzen zusammengefasst. Es sind kräftige, gedrungene Tiere mit relativ kurzen Beinen, breitem Kopf, kurzer Nase und kleinen, weit auseinandergesetzten Ohren. Der Schwanz sollte kurz und buschig sein, das Fell seidig, dicht und so lang wie möglich. Neben dem Perser mit dem Pekinesengesicht (Pekeface) kennt man bislang mindestens 30 verschiedene Variationen von Farbe und Zeichnung. Außerdem werden dieser Gruppe die Birma-Katze, die Somali-Katze, die Balinesen und die Colourpoint oder Khmer zugeordnet, wobei letztere eine Kreuzung zwischen Perser und Siamesen darstellt.
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