Die Wale bilden eine Gruppe von Meeresbewohnern, zu der neben dem mächtigen Blauwal und anderen Riesen auch kleinere Arten wie Tümmler und Delfine zählen. Alle diese Säugetiere werden in der Ordnung Cetacea zusammengefasst. Die Wale sind die größten Tiere, die diese Erde jemals bevölkert haben. Sie gehören auch zu den intelligentesten Tieren.
Seit der Mensch zur See fährt, übt er eine schonungslose Jagd auf Wale aus. Heute sind viele Arten durch die modernen Fangmethoden in ihrer Existenz bedroht.
Die Abstammung der Wale
Die Wale stammen wie die Raubtiere von Säugetiervorfahren ab, die in der Kreidezeit (vor über 65 Millionen Jahren) häufig waren. Während sich die meisten Raubtiere auf dem Land entwickelten, passten sich die Ahnen der Wale einer völlig aquatischen Lebensweise an. Im Laufe ihrer Entwicklung bildeten sie eine quergestellte Schwanzflosse zur Fortbewegung aus. Die Hintergliedmaßen verschwanden, die Vordergliedmaßen wurden zu Steuerrudern.
Die Wale gliedern sich in zwei Hauptgruppen: die Bartenwale, deren verhältnismäßig wenige Arten eine Länge von 6-30 m und ein Gewicht von mehr als 100 t erreichen können, und die Zahnwale, die bei weitem zahlreicher und gewöhnlich kleiner sind. Die Bartenwale tragen statt Zähnen dreieckige Hornplatten am Gaumen. Mit diesen Barten (»Fischbein«) seihen sie Krill - kleinste Krebschen - und ähnliche Organismen aus dem Meerwasser. Krill bildet die einzige Nahrung der Grönlandwale. Die meisten Zahnwale ernähren sich fast ausschließlich von Fischen und Tintenfischen. Ihr Maul ist mit vielen einfach geformten Zähnen besetzt.
Wale verbringen als einzige Säugetiere ihr ganzes Leben im Wasser. Im Gegensatz zu den Robben gehen sie nicht einmal zur Aufzucht der Jungen an Land. Doch müssen auch sie in regelmäßigen Zeitabständen auftauchen, um Sauerstoff aus der Luft aufzunehmen und Kohlendioxid abzugeben. Beim Tauchen werden die an der Oberseite des Kopfes liegenden Nasenlöcher verschlossen.
Leben und Entwicklung der Wale
Alle Wale können die Luft lange anhalten, einige Arten bis zu zwei Stunden. Dringt jedoch Wasser in die Lungen ein, so ertrinkt der Wal ebenso wie jedes Luft atmende Säugetier. Die für die Anwesenheit von Walen kennzeichnende Fontäne wird kurz vor dem Auftauchen ausgeblasen, sie besteht aus einer Mischung von kondensiertem Atemdampf und Wasser.
Verschiedene physiologische Anpassungen ermöglichen es den Walen, bis in Tiefen von 1500 Metern zu tauchen. Vor dem Tauchen wird die Luft in den Lungen vollkommen ausgetauscht. Dazu atmet das Tier mehrere Male kurz nacheinander. Während des Tauchvorganges verlangsamt sich der Herzschlag, Blut fließt von den Muskeln ins Gehirn. Die Gehirnzentren zur Kontrolle der Atmung reagieren, im Gegensatz zu denen des Menschen, kaum auf den steigenden Kohlendioxidgehalt des Blutes. Daher ist der Wal nicht, wie der Mensch, gezwungen, bei erhöhter Kohlendioxidkonzentration Luft zu holen.
Wale können so gewaltige Ausmaße erreichen, weil ihr Körper vom Wasser getragen wird. Der Blauwal (Balaenoptera musculus) ist mit einer Größe von bis zu 34 m (bei den Weibchen) das mächtigste Tier, das jemals lebte.
Wale zeigen kaum mehr Reste einer Behaarung. Die isolierende Wirkung der Haare wird durch eine dicke Fettschicht (Blubber) unter der Haut ersetzt. Das Isoliervermögen dieser Schicht ist so gut, dass die bei der Verwesung eines toten Wales frei werdende Wärme ausreichen kann, sein Fleisch zu verkohlen.
Walen fehlt ein Geruchssinn. Ihr Gesichtssinn ist nicht gut ausgeprägt. Deswegen müssen sie sich weitgehend auf Tastsinn und Gehör verlassen. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Tiere ein breites Spektrum an Tönen erzeugen, die teilweise der gegenseitigen Verständigung dienen. Manche Fachleute glauben, diese Laute könnten eine primitive Sprache beinhalten. Die Laute ermöglichen sowohl das Auffinden der Beute als auch die Orientierung - einige Wale stranden vielleicht nur deshalb, weil Sandstrände das Echo nicht zurückwerfen. Wale und Delfine leben in allen Weltmeeren, einige Delfinarten sogar in Flüssen und Süßwasserseen. Viele Wale, besonders aus Gewässern kühlerer Breiten, ziehen zur Aufzucht ihrer Jungen in wärmeres Wasser. Einer der bekanntesten ist der Grauwal, der sich jedes Jahr auf die Wanderung entlang der Westküste Nordamerikas zu den Lagunen und Flussmündungen Niederkaliforniens begibt. Junge Wale sind fast ein Drittel so groß wie das Muttertier. Sie kommen mit dem Schwanz voran zur Welt, so wird ein Ertrinken während der Geburt verhindert. Das Weibchen führt das Junge an die Wasseroberfläche, wo es Luft holt, und säugt es mit Zitzen, die in Falten beiderseits der Geschlechtsöffnung liegen. Das Muttertier schwimmt an der Seite des Jungen und spritzt ihm die Milch ein, so dass es gleichzeitig atmen und trinken kann.
Gefährdete Arten
Am stärksten von der Ausrottung durch den Menschen bedroht sind die Walarten der offenen Meere, deren Fleisch zur Ölgewinnung verwendet wird. Zu ihnen gehören hauptsächlich Pottwal (Physeter catodon), Blauwal (Balaenoptera musculus), Buckelwal (Megapteranovae angliae) und Finnwal (Balaenoptera physalus). Würde der Walfang nur im Hinblick auf ein natürliches Gleichgewicht in den Ozeanen betrieben und hielten sich alle Nationen an eine solche Regelung, so böten die Wale dem Menschen einen ständigen Nahrungsvorrat.
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