Der Mensch zählt, zoologisch gesehen, zu einer Gruppe der Säugetiere, den Herrentieren (Primates). Erste Primaten gab es - wie auch andere Säugetiere - schon zur Zeit der Dinosaurier. Die tierischen Primaten - Halbaffen, Affen und Menschenaffen - sind nur in wärmeren Gebieten vertreten, hauptsächlich in den Tropen. Primaten zeigen in mancher Hinsicht konservative Züge, z. B. haben sie (wie auch der Mensch) einige primitive Skelettmerkmale beibehalten, etwa das Schlüsselbein, das bei den meisten anderen Säugern, wie Pferd oder Katze, zurückgebildet wurde, und die urtümliche Zahl von fünf Zehen an jedem Fuß.
Entwicklungsgeschichtlich haben die Primaten wenige körperliche Veränderungen erfahren. Ihre Spezialisierungen betreffen fast nur das Leben in den Bäumen. Sogar der Mensch zeigt solche Züge. Die ersten Primaten, die in den Baumkronen Schutz suchten, unterschieden sich kaum von ihren insektenfressenden Ahnen auf dem Boden.
Niedere Primaten
Von den Spitzhörnchen (Tupiidae) Südostasiens nimmt man an, dass sie ein frühes Entwicklungsstadium der Primaten, gleichsam lebende Fossilien darstellen. Tatsächlich schlagen einige Zoologen vor, sie entweder getrennt von den eigentlichen Primaten als eigene Gruppe zu betrachten oder mit den Insektenfressern zusammenzufassen. Spitzhörnchen sind lebhafte, eichhörnchenähnliche Tiere mit langem Schwanz, spitzem Gesicht, großen Augen und kleinen Ohrmuscheln. Auf der Suche nach Nahrung, hauptsächlich Insekten, umgreifen sie die Zweige mit ihren bekrallten Fingern und Zehen. Das Greifvermögen ist auch bei den anderen Primaten stark ausgebildet. Sie können sich dadurch besser an Zweigen festhalten als die Tiere, die sich nur mit Krallen an der Rinde festklammern, und sie können Früchte und andere Gegenstände ergreifen.
Die Halbaffen Afrikas und Asiens umfassen eine Vielzahl von Arten, darunter die Lemuren (Lemuridae) Madagaskars. Meist haben sie Hände und Füße mit großen Zehen und opponierbaren Daumen, d. h. der erste Finger bzw. die erste Zehe kann den übrigen Fingern bzw. Zehen gegenübergestellt werden. Dies ermöglicht einen festen Griff, der noch durch die Ausbildung von flachen Nägeln (statt Krallen) verbessert wird. Die Buschbabys und Loris (Familie Lorisidae) sehen durch ihre großen Augen und ihre kurze Schnauze im Gesicht menschenähnlicher aus als ihre nahen Verwandten, obwohl auch sie die hundeartige, nackte Nase der niederen Primaten beibehalten haben. Der Koboldmaki (Familie Tarsiidae) erinnert in vieler Hinsicht an die anderen Halbaffen, gleicht mit seinem Gesicht jedoch noch stärker den höheren Primaten. Seine riesigen Augen sind gerade nach vorn gerichtet, das Gesicht tritt dahinter zurück. Dies ermöglicht dem Tier räumliches Sehen: Für seine Sprünge von Ast zu Ast muss er die Entfernung genau abschätzen. Duftstoffe spielen im Leben der nachtaktiven Halbaffen eine große Rolle. Sie markieren ihre Reviere mit Harn und urinieren in die Hände, um Duftmarken zu legen. Das Gehirn des Koboldmaki ist größer und leistungsfähiger als das seiner Verwandten.
Die nächsten Verwandten des Menschen
Die am höchsten entwickelte Primatengruppe bilden die Anthropoiden (Anthropoidea). Zu ihnen gehören Affen, Menschenaffen und der Mensch. Viele Arten haben eine ausgeprägte Sozialstruktur und leben im Familienverband, wo die Jungtiere lange umsorgt werden. Auch die Verständigung zwischen den Einzeltieren ist hoch entwickelt.
Es gibt zwei Gruppen von Affen, eine Gruppe bewohnt die Neue Welt: Süd- und Mittelamerika, die andere findet man in der Alten Welt, in den Tropen Afrikas und Asiens. Einige Arten kommen in kälteren Gebieten vor, in den Randgebirgen des Himalaja oder in Japan. Die beiden Gruppen unterscheiden sich hauptsächlich durch die Form ihrer Nase: Bei den Affen der Alten Welt, den Schmalnasenaffen, sitzen die Nasenlöcher eng beisammen, während die Breitnasenaffen der Neuen Welt eine abgeplattete Nase mit weit auseinanderstehenden Nasenlöchern haben.
Nur die amerikanischen Affen tragen einen Greifschwanz. Alle Affen sind tagaktiv, mit Ausnahme des Nachtaffen. Beide Affengruppen leben gesellig in Horden mit einer hoch entwickelten Rangordnung. Einige Affen der Alten. Welt, z. B. Paviane, haben sich weitgehend dem Leben auf dem Boden angepasst. Sie sind aber dennoch gute Kletterer und fliehen bei Gefahr auf Bäume oder zwischen Felsen.
Menschenaffen
Menschenaffen unterscheiden sich von den übrigen Affen durch ihre Größe, ihr schweres und leistungsfähiges Gehirn und das Fehlen eines Schwanzes. Die Siamangs und Gibbons Südostasiens, feingliedrige Waldakrobaten, werden als niedere Menschenaffen bezeichnet. Sie schwingen sich mit ihren Armen behände und flink durch die Baumkronen. Die großen Menschenaffen - Orang-Utan, Gorilla und Schimpanse - sind größer und schwerer gebaut. Sie laufen meist auf dem Boden, schlafen jedoch in Baumnestern, ausgenommen die Gorillamännchen.
Stammesgeschichtlich stehen die Menschenaffen dem Menschen am nächsten. Abgesehen vom größeren Gehirn des Menschen führt man die körperlichen Unterschiede zwischen Menschenaffen und Menschen auf Anpassungen an eine unterschiedliche Umwelt zurück: Menschenaffen haben sich auf ein Leben im Wald, Menschen auf ein Leben in der Steppe spezialisiert. Menschenaffen bewegen sich dementsprechend vor allem mit den Vordergliedmaßen von Ast zu Ast schwingend, Menschen gehen aufrecht auf beiden Beinen.
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