Als Väter des Automobils gelten heute Carl Friedrich Benz (1844-1929) und Gottlieb Daimler (1834-1900). Unabhängig voneinander bauten sie 1885/86 die ersten beiden Fahrzeuge mit Benzinmotor. Fahrzeuge mit andersartigem Eigenantrieb hatte es jedoch schon viel früher gegeben. Als eines der ersten Fahrzeuge dieser Art stellte 1770 Joseph Cugnot (1725-1804) seinen Dampfwagen, der Geschwindigkeiten bis zu 5 km/h erreichte, der Pariser Öffentlichkeit vor.
Das erste Automobil
Aus Frankreich stammende Berichte über Leuchtgas-Verbrennungsmotoren regten den deutschen Kaufmann Nikolaus August Otto (1832-91) zu einer neuartigen Motorenkonstruktion an. Grundidee war, eine eigene »Gasanstalt« zu bauen, um die Motoren von öffentlichen Gaswerken unabhängig zu machen und ihren Einsatz auch in ländlichen Gegenden zu ermöglichen. Im Jahre 1876 konstruierte er den ersten Viertakt-Verbrennungsmotor. Das ihm erteilte Patent wurde jedoch nach langwierigen Prozessen 1880 aufgehoben, und viele Fabriken wandten sich daraufhin dem Motorenbau zu. Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach (1846-1929) entwickelten den stationären Ottomotor zu einer schnell laufenden Maschine weiter und bauten ihn in eine Pferdekutsche ein. Gleichzeitig und unabhängig davon erprobte Benz ein dreirädriges Benzinfahrzeug, bei dem er erstmals die elektrische Zündung verwendete. Aufgrund seiner ersten Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim und zurück gilt das Jahr 1886 als Geburtsjahr der Verkehrsmotorisierung.
Die ersten Autoproduzenten
Der Victoria-Wagen, von Benz nach dem Vorbild der Pferdekutschen gebaut, war das erste Fahrzeug, das in Serie hergestellt wurde. 1894 wurden 67 Wagen gebaut, gegen Ende 1899 waren bereits über 2000 Fahrzeuge verkauft. Das Werk war zu jener Zeit die größte Automobilfabrik der Welt.
Daimler vergab eine Baulizenz für seinen Motor an die französische Firma Panhard < Levassor - sie konstruierte 1891 einen Wagen mit Frontmotor und Heckantrieb, der bereits die wesentlichen Merkmale heutiger Fahrzeugkonstruktionen aufwies. Mit derartigen Fahrzeugen fanden drei Jahre später die ersten Straßenrennen in Frankreich statt. Der Durchbruch zur endgültigen Automobilform gelang Maybach 1901 mit dem ersten Mercedes-Wagen. In Nordamerika führte Henry Ford (1863-1947) die Fließbandtechnik im Automobilbau ein, das Modell T, das 1908 auf den Markt kam, erreichte eine Stückzahl von 15 Millionen. In England entstand 1904 der erste Rolls-Royce.
Das Automobil vereint eine Vielzahl technischer Errungenschaften, die den Fahrzeugbau überhaupt erst möglich machten: den Luftreifen, von W. Thomson 1845 erfunden, aber in Vergessenheit geraten und 1888 von John Boyd Dunlop (1840-1921) erneut entwickelt, die elektrische Abreißzündung von Otto, die 1887 von der Firma Bosch weiterentwickelt wurde, und den um 1890 von Maybach eingeführten Sprühvergaser.
Das erschwingliche Auto
Während das Automobil in den ersten Jahren als reines Luxusfahrzeug angesehen wurde oder als Sportgerät diente, wurden nach dem Ersten Weltkrieg bald Ansätze zur Popularisierung erkennbar. Viele kleinere Werke entstanden und brachten interessante und teilweise eigenwillige Konstruktionen heraus. Die wirtschaftliche Lage jener Jahre zwang jedoch viele Hersteller zum Bankrott, und nur billigere und einfachere Fahrzeuge setzten sich durch. Die große Wende im Automobilbau kündigte sich in den Jahren 1924/25 an: Autos wurden nach amerikanischen Fertigungsmethoden hergestellt, deutsche Werke übernahmen teilweise fremde Konstruktionen. Bekannt geworden ist unter anderem der »Laubfrosch«, ein von Opel in Lizenz der Firma Citroen gebautes 12-kW-Fahrzeug (16 PS).
Gegen 1930 fasste die amerikanische Autoindustrie in Deutschland Fuß: General Motors übernahm die Opel-Werke, und Ford eröffnete eine eigene Produktionsstätte in Köln. Um konkurrenzfähig zu bleiben, schlossen sich Audi, Horch und Wanderer zur »Autounion« zusammen, Daimler-Benz, Maybach, Adler und DKW waren weitere namhafte Firmen jener Zeit. Während Daimler-Benz sich zwischen 1933 und 1939 hauptsächlich dem Bau großer und berühmt gewordener Rennwagen zuwandte, stellten DKW, Autounion und Opel wirtschaftliche Fahrzeuge für jedermann her - bekannte Beispiele sind der Opel Olympia und der Opel P4.
Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde in Wolfsburg das staatliche Volkswagenwerk gegründet. Ein Jahr nach seiner Eröffnung, im Jahre 1938, kam der erste Volkswagen auf den Markt - der einzige Autotyp, der vier Jahrzehnte lang ohne wesentliche äußere Änderungen hergestellt wurde. Seit 1977 wird der »Käfer« in Mexiko gebaut.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen auf dem Weltmarkt einige bahnbrechende Konstruktionen. Aus England kam der breitspurige Morris Minor und der Jaguar XK 120, ein Sportwagen mit 193 km/h Spitzengeschwindigkeit. 1955 überraschte Citroen mit dem DS 19, einer Konstruktion mit hydropneumatischer Federung. Vier Jahre später wurde der Morris Mini-Minor eingeführt, der sich bald großer Beliebtheit erfreute, ebenso wie der französische Renault R5 und der deutsche VW Golf. Eine technische Neuerung stellte auch der NSU Ro 80 dar: Als Antriebsmaschine wurde erstmals der von Felix Wankel (geb. 1902) konstruierte Rotationskolbenmotor verwendet.
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