Bereits im 14. Jahrhundert gab es die ersten Kanonen, und ungefähr fünfhundert Jahre lang behielt man ihre Konstruktionen im Wesentlichen bei: Die Rohre waren aus Bronze oder aus Eisen gegossen und wurden von der Mündung her mit Schwarzpulver und einem kugelförmigen Geschoss geladen. Ausgelöst durch die Errungenschaften in Technik und Chemie im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte man auch für die Artillerie eine Reihe verschiedener Neuerungen.
1855 konstruierte der Engländer William George Armstrong (1810-1900) eine Kanone für ein dreipfündiges Geschoss, deren inneres Laufrohr mit einem schmiedeeisernen Außenrohr verstärkt war. Der Lauf war mit spiralförmig ausgebildeten Zügen versehen, die das Geschoss zur Erhöhung der Treffgenauigkeit beim Abschuss in Drehung versetzten, und wurde durch einen Verschluss am hinteren Ende geladen (sogenannter Hinterlader). Kanonen dieser Art wurden mit verschiedenen Kalibern hergestellt, sie funktionierten aber nicht immer zufriedenstellend. Wirklichen Erfolg brachten dann erst der Gleitverschluss von Krupp sowie der Schraubverschluss.
1888 wurde das Schwarzpulver, der älteste bekannte Explosivstoff, durch die langsamer abbrennende Schießbaumwolle ersetzt, die außerdem eine größere Treibkraft entwickelte. Auch die Zieleinrichtungen an den Kanonen wurden verbessert.
Bei den Vorderladern wurden die Sprenggranaten durch die heißen Treibgase zur Entzündung gebracht. Die etwa seit 1880 eingesetzten Stahlgranaten besaßen aber einen Weichmetallring, der die Treibgase beim Abschuss hinter der Granate hielt. Deshalb wurden neue Zündeinrichtungen erforderlich: Aufschlagzünder, Uhrwerkzünder oder Zeitzünder mit Zündverzögerung über eine Art Zündschnur.
1886 wurde ein neuer Sprengstoff für Granaten auf der Basis von Pikrinsäure eingeführt. Das mit kleinen Stahlkugeln gefüllte Schrapnell (benannt nach Henry Shrapnel) stammt dagegen bereits aus dem Jahre 1784 und wurde noch bis 1916 verwendet. Mit dem Hinterlader und neuen Sprengstoffen entwickelte sich dann die sogenannte Kartuschenmunition, bei der sich sowohl die Treibladung als auch der Sprengkopf in einer gemeinsamen Metallhülse befinden. Bei Kalibern über 15 cm blieben jedoch Geschoss und Treibladung auch weiterhin getrennt.
Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg
1897 wurde erstmals eine französische Feldkanone mit einer Rohrrücklaufbremse ausgerüstet: einem Kompressionszylinder mit Kolben und Ölfüllung sowie einem Pressluftgefäß. Diese Vorrichtung fing den Rückstoß beim Abschuss auf und trieb den Lauf wieder nach vorn. Ein Feldgeschütz dieser Art mit Kaliber 75 mm wurde noch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Es hatte jedoch eine flache Geschossbahn und war nicht sehr wirksam bei gedeckten Zielen, hier waren die steil schießenden Haubitzen besser geeignet.
Feldgeschütze im Ersten Weltkrieg hatten meist Kaliber um 75 mm, Haubitzen besaßen Kaliber von 42 mm, 105 mm und 155 mm. Gezogen wurden die Geschütze von Pferden, obwohl man auch schon Versuche mit Zugmaschinen anstellte. Besonders schwere Geschütze wurden auf Eisenbahnwaggons montiert, darunter das sogenannte »Paris-Geschütz« mit Kaliber 210 mm, das aus 132 km Entfernung Paris beschoss.
1915/16 wurden erstmals Gasgranaten und Phosphor-Rauchgranaten eingesetzt. Dann wurden das hochexplosive Trinitrotoluol (TNT) und - speziell zum Grabenkrieg - der Mörser entwickelt, eine Art Minihaubitze mit Kalibern zwischen 75 mm und 230 mm.
Geschütze im Zweiten Weltkrieg
Zwischen 1918 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Europa baute man hauptsächlich Leichtgeschütze und Zugmaschinen für die schwereren Geschütze. Großbritannien verwendete eine 25-Pfund-Haubitze (Geschoss etwa 11 kg, Reichweite ungefähr 12 km), in den USA und in Deutschland kamen 105-mm-Haubitzen mit 4,5-kg-Geschossen und Reichweiten von 10 bis 12 km zum Einsatz.
Laufende Verbesserungen ermöglichten die Herstellung immer schwererer Geschosse mit größeren Reichweiten, die Kaliber lagen zwischen 20 mm und 800 mm. Neue Zündkonstruktionen brachten die Geschosse in bestimmten Höhen über dem Ziel zur Explosion. Selbstfahrlafetten wurden eingeführt und Spezialgeschütze zur Panzer- und Flugzeugabwehr entwickelt.
Dann erschien als völlig neue Waffe die erstmals um 1850 versuchsweise eingesetzte Rakete. Die Deutschen benutzten im Zweiten Weltkrieg zur Panzerabwehr die Panzerfaust, die Amerikaner die Bazooka, Großbritannien und die USA entwickelten eine 75-mm-Luftabwehr-Rakete und ein 125-mm-Salvengeschütz, das fast eine Minute lang pro Sekunde 455 kg Sprengstoff abfeuern konnte. Das russische Gegenstück war die Stalinorgel.
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Gegen Kriegsende setzte Deutschland zwei »Vergeltungswaffen« ein, die Flugbombe V1 und die Rakete V2. Die V1 war ein unbemanntes Flugzeug mit intermittierend arbeitendem Strahltriebwerk, das mit einem Sprengsatz von Frankreich und Holland aus gegen London gestartet wurde. Die V2 war eine überschallschnelle Flüssigkeitsrakete, die fast eine Tonne Sprengstoff trug. Sie wurde von Amerikanern und Russen zu den heutigen Fernlenkraketen weiterentwickelt, die, mit festen Treibstoffen ausgerüstet, von unterirdischen Silos oder auch von U-Booten aus gestartet werden können und Atomsprengköpfe tragen.
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