Zu den Hauptaufgaben der Kriegsflotten gehören der Schutz von Schifffahrtswegen, die Unterstützung militärischer Operationen auf dem Festland und die Verhinderung feindlicher Landungsmanöver.
Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die mit großkalibrigen Geschützen bestückten und stark gepanzerten Schlachtschiffe die wichtigsten Schiffe einer Flotte. Ihre Grundmerkmale waren dieselben wie die der »Dreadnought«, die bereits 1906 im Einsatz war. Auch die kleineren Schiffseinheiten wie Kreuzer, Zerstörer und Unterseeboote wurden während einer Periode von fast drei Jahrzehnten in ihrer Konzeption kaum verändert.
Flugzeugträger
Der Zweite Weltkrieg jedoch revolutionierte die Kriegsflotten. Flugzeugträger mit Torpedoflugzeugen und Sturzkampfbombern waren in der Lage, bis zu 500 km weit entfernte feindliche Ziele anzugreifen, während die Geschütze eines Schlachtschiffes eine Reichweite von höchstens 32 km hatten. Zwar wurden bereits im Jahre 1912 Schiffe zum ersten Mal zu Flugzeugträgern umgebaut, doch setzte sich dieses Waffensystem erst nach 1939 durch, nachdem sich gezeigt hatte, dass seine Beweglichkeit und Kampfkraft allen anderen Einheiten klar überlegen war.
Bis zum heutigen Tag gelten große Flugzeugträger als die kampfkräftigsten Überwasserschiffe. Durchschnittlich können sie 80 Flugzeuge (Bomber und Jäger) aufnehmen.
Normalerweise brauchen moderne Flugzeuge eine längere Rollstrecke, als sie ein Flugzeugträger bieten kann. Beim Start werden die Maschinen deshalb mit mächtigen Dampfkatapulten beschleunigt und nach dem Landen von Stahlseilen aufgefangen, die in einen Haken am Flugzeugheck eingreifen. Diese Vorrichtungen machen es möglich, dass das relativ kurze Flugdeck eines Flugzeugträgers für Start und Landung ausreicht.
Die Entwicklung von senkrecht oder auf kurzen Rollbahnen startenden Flugzeugen (VTOL, STOL) hat zum Mehrzweckträger geführt. Zu seinen Hauptaufgaben gehört der Schutz des Luftraums für eine Flotteneinheit oder für Hubschrauber, die zur U-Boot-Bekämpfung eingesetzt werden. Vor allem die Hubschrauber sind für die U-Boot-Abwehr besonders gut geeignet, da sie neben den Instrumenten zur Zielerkennung auch Abwehrwaffen tragen können.
Luftangriffe stellen die größte Gefahr für Überwasserschiffe dar. Moderne Flotten sind deshalb, neben Boden-Boden-Raketen zur Bekämpfung von Landzielen, mit einem riesigen Arsenal von Boden-Luft-Raketen und Lenkgeschossen ausgerüstet. Diese Waffen sind schwer und nehmen viel Platz ein, die mit ihnen bestückten Zerstörer haben deshalb heute die Größe der leichten Kreuzer des Zweiten Weltkriegs erreicht.
U-Boote
Seit der Entwicklung des Kernantriebs haben sich die Unterseeboote grundlegend verändert. Die Boote des Zweiten Weltkriegs hatten für Unterwasserfahrten einen elektrischen Antrieb, der begrenzte Reichweiten zuließ. Die Batterien mussten zwischenzeitlich bei Überwasserfahrten durch Dieselaggregate aufgeladen werden. Der Kernantrieb benötigt im Gegensatz zum Dieselmotor keinen Luftsauerstoff und erlaubt daher praktisch unbegrenzte Entfernungen, ohne dass das Boot zwischendurch auftauchen muss. Daneben gestattet er wesentlich höhere Unterwassergeschwindigkeiten. Zu diesen taktischen Vorteilen kam schließlich noch die Bewaffnung mit Lenkgeschossen, deren Atomsprengköpfe die U-Boote zur tödlichsten Waffe der Kriegsgeschichte werden ließen. Polaris-Raketen z. B., und die aus ihnen weiterentwickelten Poseidon- und Trident-Raketen werden unter Wasser abgeschossen. So kann das U-Boot seinen Standort bis zum Abschuss geheim halten, es ist nahezu unmöglich, mehrere feindliche U-Boote gleichzeitig aufzuspüren und zu bekämpfen. Auch die Abwehr bereits abgefeuerter Lenkgeschosse durch Abwehrraketen ist sehr schwierig geworden, denn moderne Lenkraketen besitzen bis zu 14 voneinander unabhängige zielsuchende Gefechtsköpfe. Zusammen mit den Flugzeugträgern stellen die modernen U-Boote das Rückgrat heutiger Kriegsflotten dar.
In den letzten Jahrzehnten wurden rasch operierende, kleine Einheiten entwickelt, die durch Bestückung mit leichten Boden-Boden-Raketen sehr schlagkräftig sind. Durch ihre Wendigkeit bilden sie schwer zu erfassende Ziele, außerdem sind sie äußerst wirkungsvoll beim Schutz von Küstengewässern, ihre leichte Bauart lässt eine billige Massenproduktion zu. Der Erfolg, den ein sowjetischer Raketenträger in ägyptischen Diensten 1967 gegen einen israelischen Zerstörer erzielte, beschleunigte auch die Bestückung größerer Schiffe mit Waffen dieser Art. Zu den wirkungsvollsten Abwehrwaffen gegen Unterschall-Lenkraketen gehören allerdings bis heute noch Maschinenkanonen mit hoher Schussfolge.
Antrieb für Überwasserschiffe
Einige Überwasserschiffe sind bereits mit Atomantrieb ausgerüstet worden. Wegen der extrem hohen Kosten und des großen Platzbedarfs von Reaktoren werden jedoch die meisten modernen Schiffe mit den leichteren Gasturbinen, häufig kombiniert mit Dieselmotoren und Dampfturbinen, betrieben. Trotz moderner Unterseeboote und der schlagkräftigen Unterstützung durch Luftstreitkräfte bleiben die Überwasserschiffe die wichtigsten Einheiten der Flotten. Ihre Wirkung wird maßgeblich unterstützt durch elektronische Abwehrsysteme und computergesteuerte Raketen und Lenkwaffen.
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