Die Wasserversorgung ist schon seit Urzeiten eines der vordringlichsten Probleme des Menschen. Die naheliegendste Möglichkeit, nämlich Wasser mit Hilfe von Dämmen in gewünschte Bahnen zu leiten, wurde schon vor 5000 Jahren erkannt und genutzt. Dämme dienen dazu, Wasser abzuhalten (etwa bei Überflutungen) oder andererseits Wasser zu stauen und zu speichern. Mit Hilfe von Dämmen können Flüsse umgeleitet werden, oder Flusswasser kann in Kanäle geführt werden zur künstlichen Bewässerung von landwirtschaftlichen Anbaugebieten. In jüngerer Zeit werden Dämme zur Wasserkraftnutzung durch Elektrizitätswerke und gegen die Versandung von Schifffahrtswegen gebaut.
Im, 19. Jahrhundert entwickelten englische Ingenieure eine Methode, Flusswasser mit Hilfe von im Fluss errichteten Buhnen (Querdämme) in Bewässerungskanäle abzuleiten. Dieses Verfahren wurde besonders im Pandschab (Nordindien) zur Urbarmachung trockener Gebiete angewandt. Ähnliche Bauwerke konstruierten französische Ingenieure in Ägypten: Hier sorgte ein Damm dafür, dass aufgestautes Wasser in Bewässerungskanäle floss. Bei Hochwasserperioden konnte das überschüssige Wasser über die Dammkrone abfließen.
In neuerer Zeit entstehen durch Dammbauten Stauseen riesigen Ausmaßes. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der 380 m lange und 221 m hohe Hoover-Staudamm am Colorado River (USA), der 1936 vollendet wurde. Der Stausee mit einer Länge von 180 km fasst rd. 38 Milliarden Kubikmeter Wasser, das Elektrizitätswerk des Hoover-Staudamms erzeugt eine Leistung bis zu 1340 Megawatt.
Dammbautechnik
Dämme können nach zwei Grundbauformen eingeteilt werden: Es gibt Erddämme und Betondämme, die, je nach Anforderung, mit oder ohne Stahlbewehrung gebaut werden. Die größten Dämme der Welt sind Erddämme, wie der 310 m lange Nurek-Damm in Russland und der 234 m lange Oroville-Damm in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie werden aus Erde und Felsgestein gebaut: Der Kern des Dammes wird aus Erdreich errichtet, die Oberfläche wird mit Steinen befestigt, wobei Filterschichten zwischen den Lagen eine Vermischung des Materials verhindern. Große Erddämme können überall dort - vor allem auch kostensparend - gebaut werden, wo das notwendige Material vorkommt und genügend Raum zur Verfügung steht. Erddämme passen sich dem Untergrund auf natürliche Weise an, da sie Setzungen des Grundes ausgleichen und nicht über starke Talwände abgestützt werden müssen. An der Dammsohle verhindert ein lehm- oder betongefüllter Graben das Durchsickern von Wasser. Dränageröhren unter der Dammsohle sammeln das Sickerwasser und führen es in den Flusslauf zurück.
Eine Mischform dieser beiden Grundbauarten sind Steindämme, die aus natürlichem Gestein aufgerichtet und auf der Wasserseite mit einer wasserdichten Zement-Bitumen-Schicht geschützt werden. Auch diese Bauausführungen lassen in begrenztem Umfang Setzungen des Grundes zu und erlauben den Bau steilerer Dammwände.
Bei Betondämmen kennt man verschiedene Unterformen. Die einfachste Art ist der Gewichtsdamm, der durch sein hohes Eigengewicht den Wasserdruckkräften widersteht. Um das entsprechende Eigengewicht zu erreichen, sind große Materialmengen erforderlich, durch zusätzliche Stützkonstruktionen jedoch kann Baumaterial gespart werden.
Andere Betondämme nutzen ihre Konstruktion dazu aus, den Wasserkräften zu widerstehen: Der Bogendamm wirkt wie ein auf der Seite liegender Brückenbogen, seine Form bewirkt, dass der nur wenig zugfeste Beton ständig unter Druckbelastung steht. Kuppeldämme haben eine zusätzliche Wölbung in senkrechter Richtung, diese Dämme können, vergleichbar mit einer Eierschale, allseitigem Druck standhalten und lassen relativ dünnwandige Baukonstruktionen zu.
Dammfundamente
Natürliche Gesteinsfugen unter einem Betondamm werden mit Beton ausgefüllt und abgedichtet. Ein System von Dränageröhren sorgt dafür, dass sich kein Sickerwasser unter dem Damm sammeln kann. Um jedoch die Dammfundamente überhaupt bauen zu können, müssen als erstes Ableitungskanäle durch die Felswände des Tales gebohrt werden. Hilfsdämme leiten das Wasser in diese Ableitungskanäle und legen das Talbett bis zur Beendigung des Dammbaus trocken.
Jede Dammkonstruktion muss über Einrichtungen verfügen, die überschüssiges Wasser in Zeiten starken Wasseranfalls abfließen lassen. Dafür gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten: Überlauföffnungen unterhalb der Dammkrone, Überlaufröhren, die im Stausee senkrecht nach oben bis zur maximal zulässigen Wasserhöhe führen, und Überlaufkanäle, die das überschüssige Wasser um den Damm herum durch die Talwände leiten.
Staudämme
Die größten Staudämme sind - geordnet nach der Menge des aufgestauten Wassers - der Owen-Falls-Damm in Uganda (ein Gewichtsdamm am Victoria-Nil aus dem Jahre 1954, der 205 Milliarden Kubikmeter Wasser aufstaut), der Bratsk-Damm in Russland im Tal des Angara (Mittelsibirien), der 1964 fertiggestellt wurde und etwa 269 Milliarden Kubikmeter staut, und schließlich der Assuanstaudamm am Nil in Ägypten, der im Jahre 1970 vollendet wurde und etwa 165 Milliarden Kubikmeter Wasser staut, das Assuan-Kraftwerk kann pro Jahr rd. 2,1 Milliarden Kilowattstunden Strom liefern.
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