Zwei Drittel der 7,7 Millionen Quadratkilometer Australiens sind semiarid (»halbtrocken«). Es fallen weniger als 500 mm Niederschlag pro Jahr, die Tageshöchsttemperaturen erreichen mehr als 30 °C. Ein trockenheißer Wind dörrt das Land aus. Diese Gebiete sind nur von einem lockeren Bestand robuster Gräser bedeckt. Hier leben z. B. Kängurus, Koalas, Emus sowie Kakadus und Wellensittiche.
Die Grundforderung für das Überleben im trockenen Herzen Australiens, wo die auszehrenden Winde, aus Südosten und Westen beständig wehen, ist sparsamer Umgang mit Wasser. Die Winde haben nämlich ihre Feuchtigkeit bereits über den kalten Meeresströmungen im Westen oder am Gebirgsrand im Südosten abgegeben. So weit sie noch etwas Regen ins Landesinnere tragen können, reicht das Grasland, dann geht dieses über in Wüstengebiete, die nur noch ganz unregelmäßig und zu unterschiedlichen Jahreszeiten Regen erhalten. Tiere und Pflanzen nutzen diesen sobald er fällt, und richten z. B. ihre Fortpflanzungszeit nach ihm. So kann sich das widerstandsfähige Stachelgras (Triodia) ganz plötzlich in ein gelbes Blütenmeer verwandeln, wenn es Regen gegeben hat. Auch die »Mulla-Mulla« (Trichinium manglesii) springt über der roten Halbwüste mit rosaroten Blüten auf, die in ihrem aromatischen Duft aber noch von den wundervollen Blüten der Eukalyptusbäume (z. B. Eucalyptus camaldulensis) übertroffen werden. Zahlreiche Pflanzen haben Einrichtungen, die das wertvolle Wasser zurückhalten und die Verdunstung herabsetzen. Bei den Akazien sind die Blätter auf einen dünnen Stängel reduziert, bei den Kasuarinen (Casuarina decaisneana) sind sie zu langen, dünnen »Nadeln« umgewandelt, die in Quasten herabhängen. Dicke Wachsüberzüge schützen viele Gräser. Der mit Salz überzogene Salzbusch (Atriplex) erträgt sogar stark salzhaltiges Wasser.
Die einzigartigen Beuteltiere Australiens
In Australien hat sich eine Tiergruppe erhalten - die Beuteltiere -, die sonst fast überall den modernen Säugetieren weichen musste. Dies wurde durch die schon vor langer Zeit erfolgte Trennung des heutigen Kontinentes von anderen Erdteilen möglich. Ursprünglich zählte Australien zum Urkontinent Gondwanaland, zu dem auch Afrika, Südamerika, Madagaskar und Indien gehörten. Als diese zusammenhängende Landmasse im Erdmittelalter (Mesozoikum) auseinanderbrach, begann die Isolierung Australiens, der die Beuteltiere ihre Entfaltung und Fortdauer verdanken. Die Jungen der Beuteltiere werden als unfertige Embryonen geboren und entwickeln sich in einer Hautfalte (Beutel) der Mutter weiter. Ein typischer Vertreter dieser Tiergruppe ist der Koala. Sein Name bedeutet (in einer Eingeborenensprache) »Tier, das nicht trinkt«. Der Koala lebt von Blättern bestimmter Eukalyptusarten, die ihm nicht nur Flüssigkeit, sondern auch die notwendigen Nährstoffe bieten. Die für andere Tiere unverdaulichen Stoffe der Eukalyptusblätter werden durch Bakterien in seinen langen Blinddärmen aufgeschlossen. Das Jungtier muss sich mit den Bakterien infizieren, damit es diese Nahrung verwerten kann.
Auch die Kängurus können trockenes, nährstoffarmes Gras gut ausnützen, darin sind sie den eingeführten Schafen weit überlegen. Gegen Hitze und Trockenheit schützen den Wombat seine oft mehr als drei Meter langen unterirdischen Gänge. Kleinere Beuteltiere, wie die Beutelmäuse, kommen nur bei Nacht an die Oberfläche. Besonders merkwürdig ist das Schnabeltier, das wie ein Vogel Eier legt, die Jungen aber säugt. Es zählt zusammen mit den Schnabeligeln zu den Kloakentieren, die es nur in der australischen Fauna gibt.
Vögel, Reptilien und Insekten
Viel auffallender als die Bodentiere sind im australischen Busch die Vögel. In farbenprächtigen und lärmenden Scharen durchstreifen Kakadus und Sittiche die lichten Wälder und die Grassteppen. Manchmal versammeln sie sich in unzähligen Mengen an den wenigen Wasserstellen, um zu trinken. Stets sind sie auf der Suche nach Wasser. Die Regenfälle sind ihre Anzeiger für den Beginn des Brutgeschäftes, denn die »Jahreszeiten« treten zu schwach und zu unregelmäßig in Erscheinung, um ein sicheres Startzeichen für die Brutzeit zu geben.
Besonders typische Arten sind der »Lachende Hans«, ein großer Vertreter der Eisvogelgruppe, und der Emu, der größte Vogel Australiens, der sehr an den Strauß erinnert, mit diesem aber nicht näher verwandt ist. Seine Nahrung besteht aus Sämereien und Grastrieben. Wie so manches australische Tier führt auch das merkwürdige Tallegallahuhn (Leipoa ocellata) ein ungewöhnliches Leben. Es legt seine Eier in einem großen Erd- und Laubhaufen ab, die durch Fäulnis entstehende Wärme brütet die Gelege aus. Das Huhn reguliert durch Luftschächte und zusätzliche Laubschichten die Wärme im Laubhaufen sehr genau. Eines Tages schlüpfen dann die fertigen Hühnchen aus dem Erdhaufen, voll befiedert, voll flugfähig und von den Eltern unabhängig.
Auch zahlreiche Arten von Eidechsen und Schlangen gibt es in den Wüstensteppen. Gefürchtet ist die Todesotter. Selbst Frösche leben in den Trockengebieten. Eine Art (Cyclorana platycephalus) füllt sich bei Regen den Körper so stark wie möglich mit Wasser und gräbt sich, wenn die Trockenperiode einsetzt, in Schlamm ein. Dort kann der Frosch lange Zeit überdauern. Nach den Regenfällen wimmelt es im Grasland von Termiten, Bienen, Gottesanbeterinnen, Heuschrecken und Schmetterlingen, einer reichen Nahrung, besonders für Vögel.
Der Dingo, einer der wenigen echten Säugetiere Australiens, wurde wahrscheinlich von den Ureinwanderern vor 30 000 Jahren mitgebracht. Er zählt zu den Haushunden.
Kategorie: Tiergeografie Nach oben