Südostasiatische Urwälder

Die natürliche Vegetation weiter Teile Südostasiens wie auch des indischen Subkontinents, besteht aus tropischen Urwäldern, namentlich Regenwäldern. Durch den Eingriff des Menschen sind sie in weiten Gebieten, vor allem in Vorder- und Hinterindien, fast verschwunden. In den Regenwaldgebieten ist bei gleichbleibend hoher Temperatur und starken Niederschlägen die vielfältigste Flora der ganzen Welt heimisch. Da das Leben der Tiere von den Pflanzen als Nahrungsquelle abhängt, ermöglichen diese Wälder auch die Entwicklung einer äußerst reichhaltigen Fauna.

Lebensgemeinschaft Regenwald
Die Bäume der südostasiatischen Regenwälder werden größer als ihre Verwandten in den Urwäldern Afrikas und Südamerikas. Ihre Stämme ragen oft mehr als 70 m in die Höhe. Diese mächtigen Bäume verzweigen sich erst ab etwa 45 m über dem Boden und bilden ausladende Kronen mit dicken, ledrigen Blättern. Träufelspitzen an den Blättern ermöglichen ein schnelles Ablaufen des Regenwassers. Das auffallendste Kennzeichen ist ein dicker, durch sog. Brettwurzeln gestützter Stamm: Da sich in der nährstoffreichen, dünnen Humusschicht nur Flachwurzeln verankern können, erhalten diese durch die oft bis 11m hohen Verstrebungen Festigkeit und Widerstandskraft gegen stürmischen Wind und Regen.

In der obersten Zone, den Wipfeln, leben fast ausschließlich Insekten, Vögel und Fledermäuse. Da es in diesem Klima keine deutlichen Jahreszeiten gibt, können die Bäume das ganze Jahr über blühen und Frucht ansetzen und somit der Tierwelt ständig Nahrung bieten. Nashornvögel (Buceros und Aceros) ernähren sich von Früchten und bahnen sich mit ihrem starken, gekrümmten Schnabel einen Weg durch das Blattwerk. Schmetterlinge, Bienen und Wespen saugen Blütennektar. Die früchtefressenden Fledermäuse (Megachiroptera) plündern ganze Bäume. Segler (Hemiprocne und Chaetura) fliegen hoch über den Kronen auf der Jagd nach Insekten, während Adler (Ictinaetus und Spilornis) sowie andere Greifvögel nach kleinen Wirbeltieren ausspähen.

Das Kronendach
Unterhalb der Wipfelzone spannt sich, etwa 45 m über dem Boden, das Dach des Waldes. Hier verflechten sich die Kronen der Urwaldriesen, der Feigenbäume und vieler anderer Arten, die exotische Früchte wie Durian, Mango und Rambutan tragen, zu einem dichten, zusammenhängenden Laubdach.

Dieses Dach ist Lebensraum und Nahrungsquelle verschiedener Tiere. Gibbons (Hylobates) und Siamangs (Symphalangus syndactylus) aus Malaysia und Sumatra schwingen sich auf der Suche nach Früchten, Blättern und Blüten von Ast zu Ast. Die nur auf Sumatra und Borneo vorkommenden Orang-Utans ernähren sich von fleischigen Früchten. Das Riesenhörnchen (Ratufa indica) springt gewandt von Baum zu Baum und holt sich Nüsse, Früchte und Vogeleier. Die insektenfressenden Mennigvögel (Pericrocotus) huschen zwischen den Ästen. Früchtefressende Grünbartvögel (Megalaima) nisten in Baumlöchern. Schmetterlinge, Käfer, Ameisen, Wespen und Bienen bieten den insektenfressenden Fledermäusen Nahrung im Überfluss.

Im mittleren Stockwerk der Regenwälder stehen die an Schatten und hohe Feuchtigkeit angepassten Bäume. Sie werden 30-33 m hoch, Ihre langen, schmalen Kronen sind mit Blüten übersät. Auf den Bäumen leben die verschiedensten epiphytischen Farne, Schlingpflanzen, Kletterpflanzen und Banyan, die Würgefeige, ranken sich um Stämme und Äste.

Viele Tiere des mittleren Stockwerks sind auf die Fortbewegung im Astwerk spezialisiert. Mehrere Arten von Echsen (Draco), Fröschen (Rhacophorus), Hörnchen (Aeromys) und Riesengleitern (Cynocephalus) können Hautsäume ausbreiten und so von Baum zu Baum gleiten.

Der Binturong (Arctitis binturong) hält sich beim Klettern mit den Krallen und seinem Greifschwanz fest, während die Languren (Presbytis) und Nasenaffen (Nasalis larvatus), die hauptsächlich in Sumpfgebieten leben, mit einem langen Schwanz ihre Sprünge zwischen den Ästen steuern. Die bodengebundenen Makaken (Macaca) besitzen kürzere Schwänze. Das windstille, feuchte Klima des mittleren Stockwerks erlaubt es den Insekten, riesige Flügel zu entwickeln, die bei der Suche nach geeigneten Blüten und Früchten vorteilhaft sind. Solche Insekten stellen beliebte und attraktive Objekte in Sammlungen und Museen dar.

Der Unterwuchs
In ursprünglichen Regenwäldern (Primärwäldern) ist der Unterwuchs nur spärlich und besteht größtenteils aus holzigen Pflanzen und jungen Bäumen, die etwa eine Höhe von 5,5 m erreichen. Wo Licht durchdringen kann oder in Sekundärwäldern (so z. B. nach Rodungen), wachsen auch breitblättrige Stauden: Der Unterwuchs wird undurchdringlich. An Fluss- und Seeufern gedeihen Palmen und Mangroven. Hier lebt der nachtaktive Koboldmaki (Tarsius), der Eidechsen, Spinnen und Insekten fängt. Der Leopard (Panthera pardus) lauert auf überhängenden Ästen auf Beute. Vipern, Pythons und Baumschlangen (Boiga), die Kleinsäuger, Reptilien und Vögel fressen, winden sich um dicke Äste. Smaragdracken (Calyptomena), Schamadrosseln (Copsychus) und Fliegenschnäpper (Terpsiphone) flattern durch das Blattwerk. Die bei Weitem zahlreichste Tiergruppe sind aber die Insekten: gut getarnte Stabheuschrecken und Wandelnde Blätter, Grillen, Zikaden, Käfer, Schmetterlinge, Ameisen, Wespen und Bienen. Bisher wurden über 100 000 Arten beschrieben, möglicherweise sind viele noch unentdeckt.
 
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Referat: 1841 - Südostasiatische Urwälder
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