Dem nördlichen und südlichen Polargebiet ist ein Merkmal gemeinsam: die lebensfeindliche Kälte. Andererseits bieten diese Gebiete den wenigen Organismen, die sich dort durchsetzen konnten, recht unterschiedliche Lebensbedingungen, denn die Arktis besteht im Wesentlichen aus zugefrorenen Meeren, die Antarktis aus einem Kontinent (Antarktika), den ein Eispanzer bedeckt. Bevor er durch die Kontinentaldrift zum Südpol verlagert wurde, war dieser antarktische Kontinent ein Teil von Gondwanaland, der großen südlichen Landmasse.
Das Polarklima
Die Kälte der polaren Regionen ist zurückzuführen auf die Stellung der Erdachse zur Sonne. Während zwischen den Wendekreisen das ganze Jahr hindurch die Sonnenstrahlen fast senkrecht auftreffen, wird mit größerer Entfernung vom Äquator der Strahleneinfall immer schräger. Die Erdoberfläche erhält daher in hohen geografischen Breiten viel weniger Wärme als in Äquatornähe. An den Polen steht die Sonne zwar während des ganzen Sommerhalbjahres über dem Horizont, aber sie erreicht nur geringe Höhen, so dass die Sonnenstrahlen die Erdoberfläche kaum noch erwärmen. Im Winterhalbjahr ist es Nacht. Unablässig geht dann Wärme durch Abstrahlung verloren und wird nicht ergänzt. So sinkt die Temperatur in den kältesten Gebieten der Antarktis bis auf unter - 50 °C. Eis und Schnee schmelzen niemals ab. Sie reflektieren auch noch die wenige Sonnenwärme in den Hellphasen, so dass sie verloren geht. Die unterschiedlichen Bedingungen in beiden Polarregionen haben zu einer verschiedenartigen Fauna geführt.
Am Nordpolarmeer schirmt das Eis als extrem schlechter Wärmeleiter die große Kälte vom Wasser ab. So hält es regelmäßig eine Temperatur von knapp + 4 °C, die durchaus noch Leben und biologische Vorgänge erlaubt. Das Wasser ist zudem reich an Nährstoffen, so dass viele Fische darin leben. Am nördlichen Eismeer kommt daher eines der größten fleischfressenden Säugetiere, der Eisbär (Thalarctos maritimus), vor. Eine lange Nahrungskette - von winzigen Meeresalgen über Planktonkrebschen zu kleinen, größeren und großen Fischen und von diesen zu Robben - sichert sein Dasein. Die Antarktis ist dagegen nur am Rande belebt und im kontinentalen Bereich sehr arm an Leben. Lediglich Insekten kommen dort auf frei gewehten Felspartien vor. Man hat bisher 63 Arten gefunden, darunter eine flugunfähige Mücke.
Großtiere im Gebiet des Nordpolarmeeres
Der Eisbär ist dem Leben im Polarmeer hervorragend angepasst. Sein dichtes Fell schützt ihn sogar beim Schwimmen vor dem kalten Wasser. Er ist ein Einzelgänger, der am liebsten Ringelrobben (Pusa hispida) erbeutet, aber auch allen anderen Robben und Fischen nachstellt. Wenn eine Robbe in ihrem Atemloch auftaucht, versucht er, sie mit einem einzigen gezielten Schlag auf den Kopf zu töten. Die Eisbärin bringt im März oder April meist zwei Junge zur Welt.
Bei Beuteresten finden sich oft auch Eisfüchse (Alopex lagopus) ein. Neben zahlreichen Robben lebt am Rande des Eises auch das Walross (Odobenus rosmarus), eine begehrte Jagdbeute der Eskimos. Die größten Tiere der Polargewässer aber sind die Wale. Der Blauwal (Balaenoptera musculus) wird über 30 m lang und bis 135 t schwer und ist das größte Tier der Erde. Er ernährt sich von kleinen Krebsen (Krill), die er mit Hilfe seiner Barten aus dem Wasser seiht. Die meisten Wale sind durch übermäßige Fangquoten heute fast ausgerottet. Besonders merkwürdig ist der Narwal (Monodon monoceros), wegen seines Stoßzahnes auch als »Einhorn der See« bezeichnet. Er frisst Tintenfische und benutzt sein einziges »Horn« offenbar nur zu Rivalenkämpfen.
Auf den Kontinenten reicht das Eis vielfach bis zur Tundra. In dieser wachsen bereits kurze Kräuter und Zwergsträucher, doch das Klima ist immer noch sehr hart und raun. Der Boden bleibt monatelang gefroren und taut auch im Sommer nur an der Oberfläche auf. In diesem unwirtlichen Lebensraum mit seinem kurzen Polarsommer brüten zahllose Wasservögel an den Schmelzwassertümpeln und Pfützen und wandern im Herbst nach Süden zurück. Nur fünf oder sechs der gut hundert Arten bleiben im Winter in der Tundra. Auch die Rentiere müssen dort in Schnee und Eis überdauern. Sie weiden in großen Herden und ziehen weite Strecken auf der Suche nach Einständen und Winterquartieren.
Robben und Pinguine der Antarktis
Rund 90% allen Eises liegt auf dem antarktischen Kontinent. Leben kann sich nur am Rande des gigantischen Eisschildes halten. Dort aber, wo Wasser und Land zusammentreffen und sich die geschlossene Eisdecke aufzulösen beginnt, befinden sich die produktivsten Fischgründe der Erde. Hier ist auch die Heimat mehrerer Robbenarten. Nicht alle sind Fischfresser wie die häufigen Weddellrobben (Leptonychotes weddelli). Der Seeleopard (Hydrurga leptonyx) fängt vor allem Pinguine, der Krabbenesser (Lobodon carcinophagus) ernährt sich, wie die Wale, vom Krill. Seine Zähne sind zurückgebildet, das Maul trägt einen Filterapparat, mit dem er die kleinen Krebse aus dem Wasser siebt.
Von den Pinguinen kommt der Adeliepinguin (Pygoscelis adeliae) am häufigsten vor. Der Kaiserpinguin. (Aptenodytes forsten) wird mit einem Meter Höhe am größten. Den Eiern der Pinguine und anderer Seevögel stellen die Skuas (Catharacta skua), große Raubmöwen, nach. Sie sind in der Antarktis und in der Arktis vertreten, während es den weißen Gerfalken nur in der Arktis gibt.
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