Seen und Flüsse

Nur eine verschwindend geringe Menge des Wassers auf der Erde füllt Flüsse und Seen. In ständigem Kreislauf strömt es mit den Flüssen ins Meer, verdunstet und kehrt als Regen zurück. Kein Lebewesen kommt ganz ohne Wasser aus, viele Organismen leben darin. Nicht nur das Meer, auch die Binnengewässer spielen im Naturhaushalt eine überragende Rolle.

Die Gliederung der Flüsse
Viele Flüsse beginnen als Wildbäche hoch oben im Gebirge. In Wasserfällen mit hoher Strömungsgeschwindigkeit stürzen sie zu Tal. Dabei reichert sich das kalte, saubere Wasser bis zur Sättigung mit Sauerstoff an, enthält aber kaum Nährstoffe. In der obersten Region des Flusses gibt es daher wenige Organismen. Nur einige Insekten und die Groppe (Cottus gobio), ein anspruchsloser, aber sauerstoffbedürftiger Fisch, leben hier. Doch schon die flussabwärts anschließende Forellenregion zeigt reichere Besiedlung. Das Flussbett ist kiesiger, die Strömung nicht mehr so reißend. Einige Fischarten ziehen zum Laichen flussaufwärts in diese Region, z. B. die Lachse.

Noch weiter flussabwärts findet man wiederum veränderte Lebensbedingungen. Zwar lässt die Strömung kein kräftiges Wachstum von Wasserpflanzen zu, aber in ruhigeren Kolken findet bereits eine Vielzahl von Kleintieren Nahrung, die ihrerseits von zahlreichen Fischen gefressen werden. Das ist die Äschenregion, in der die Äsche (Thymallus, thymallus) zur typischen Fischart wird. Krebse, Würmer, Insekten und deren Larven sind hier in vielen Arten vertreten. In Massen können sie den Boden aber erst dort besiedeln, wo sich feiner Schlamm im Fluss ablagert und das Wasser warm und nährstoffreich wird. Diese Regionen liegen am weitesten flussabwärts, wo der Bach längst zum breiten Fluss oder Strom geworden ist. Die Barbe (Barbus barbus) und der hochrückige Brachsen (Abramis brama) kennzeichnen dort die Fischfauna. Am Ufer oder in Flachwasserzonen kommt es zu reicher Entfaltung von Wasserpflanzen, die tagsüber zu Sauerstoffübersättigung, nachts aber mitunter zu deutlicher Zehrung führen können. Je nach Wasserführung und Gefälle ist die Strömung im Unterlauf höher oder geringer, bis sie nach dem Eintritt ins Meer allmählich zum Stillstand kommt. Die Lebensbedingungen in einem Flusslauf verändern sich also in charakteristischer Weise. Seine Bewohner richten sich danach und beziehen die ihnen zusagenden Plätze.

Das Leben in Seen und Teichen
Im Vergleich zum Fluss ist das Wasser in Seen und Teichen ruhig, auch wenn temperatur- und windbedingte Strömungen in größeren Seen stärkere Durchmischungen verursachen können. Selbst ein Teich wird hin und wieder von einem Sturm aufgewühlt; dann gelangen die im Bodenschlamm oder Tiefenwasser angesammelten Nährstoffe in die durchlichtete, oberflächennahe Wasserschicht. Diese Schicht ist bei tieferen Gewässern im Sommer und im Winter vom Tiefenwasser durch eine sogenannte Sprungschicht getrennt, in der die Temperatur rasch absinkt oder auf 4°C (im Winter) zunimmt. Im Frühjahr und Herbst, wenn die gesamte Wassermenge diese Temperatur erreicht hat, vollzieht sich eine gründliche Durchmischung. Dabei dringt wieder der für die Abbauvorgänge notwendige Sauerstoff in die Tiefe. Die Produktionsleistungen der Seen hängen stark von diesen Mischungsvorgängen ab. Denn in der oberen Schicht erzeugen unzählige Algen die organische Grundsubstanz, von der die Schwebefauna (Zooplankton), Kleintiere und Fische leben.

Nur im seichten Wasser können größere Pflanzen wurzeln und ihr Blattwerk dem Licht aussetzen. Die Algen des Planktons sind auf ihre Schwebeeinrichtungen angewiesen. Erhalten sie nicht ausreichend Licht, sinken sie zu Boden und sterben ab. Im Uferbereich sind die Verhältnisse von Licht und Nahrungsangebot ideal, das Pflanzenleben kann sich hier besonders reich entfalten. Eine Vielzahl von Arten besiedelt diese Grenzzone: In Ufernähe gedeihen Seggen und Röhrichte, es folgen Pfeilkräuter, Seerosen und andere Wasserpflanzen, im tieferen Wasser schließlich untergetaucht lebende Pflanzen. Manche, wie die gelben Teichrosen und der Wasserhahnenfuß, bilden dünne oder fein verzweigte »Wasserblätter« und außerdem großflächigere »Luftblätter« aus, die sich über der Wasseroberfläche ausbreiten. Ungezählte Kleintiere leben an den Wasserpflanzen. Auch die Fische der unteren Flussregionen laichen hier. Sie alle benötigen Sauerstoff. Doch dieser wird mit zunehmender Verschmutzung der stehenden Gewässer rasch so knapp, dass alles Leben darin zugrunde gehen muss. Sogar in großen Seen reicht die Selbstreinigungskraft oft kaum mehr aus.

Amphibien, Vögel und Säugetiere
Die Einteilung der Gewässer in Fischregionen wurde an mitteleuropäischen Flüssen aufgestellt. Grundsätzlich gilt sie aber für alle Flüsse der Welt, denn die Anpassungserscheinungen sind überall ähnlich. Das trifft auch für die übrige Tierwelt der Gewässer zu: Frösche, Kröten. Molche und Salamander sind an Kleingewässern häufig, wo es wenig Fische gibt. Fischfressende Vögel kommen zahlreich nur dort vor, wo sie genügend Beute finden. Auch der Fischotter braucht gesunde, fischreiche Bäche und Flüsse, während pflanzenfressende Nagetiere - Bisamratte, Nutria und Biber - die Pflanzenreichen Uferzonen bevorzugen. Schwimmhäute zwischen den Zehen erleichtern ihnen, wie vielen Vögeln, die Fortbewegung im Wasser. Von den ans Wasser gebundenen Tiergruppen vermochten nur die Stachelhäuter nicht, ins Süßwasser vorzudringen.
 
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