Baupläne der Tiere

Alle Tiere, von der mikroskopisch kleinen, einzelligen Amöbe bis zum Afrikanischen Elefanten, zeigen die gleichen grundlegenden Lebensäußerungen. Sie nehmen Nahrung und Sauerstoff auf, scheiden Abfallprodukte aus, pflanzen sich fort, bewegen sich, nehmen Reize der Umgebung wahr und reagieren darauf. Bei der Amöbe erfüllt alle diese Aufgaben die eine Zelle, mehrzellige Tiere besitzen dafür eigene Gewebe und Organe.

Die Zellschichten
Im Lauf der stammesgeschichtlichen Entwicklung (Evolution) wurden die Baupläne der Lebewesen immer komplizierter. Einen großen Fortschritt gegenüber den Einzellern bedeutete die Entstehung der Hohltiere (Polypen und Quallen). Diese Vielzeller haben einen schlauchförmigen Körper, der aus zwei Zellschichten besteht, dem Ektoderm als äußere Abgrenzung gegen die Umgebung und dem Entoderm, das den Körperhohlraum umschließt. Richtige Organe wurden erst gebildet, als im Lauf der Evolution eine dritte, zwischen Ektoderm und Entoderm liegende Zellschicht hinzukam, das Mesoderm. Die einfachsten Tiere mit diesen drei Zellschichten sind die Plattwürmer. Zu ihnen zählt der Strudelwurm, das erste Tier in der langen Entwicklungsgeschichte, das einen erkennbaren »Kopf« mit Ansammlungen von Nervenzellen (Ganglien) und einfachen Augen besitzt.

Der dreischichtige Körperplan barg viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung in sich, bei allen Tiergruppen, von den Würmern bis zu den Säugern, findet man diese Anordnung. Während der Keimesentwicklung bilden sich aus den drei Schichten bestimmte Organe: Aus dem Entoderm entstehen der Darm und die Verdauungsdrüsen. Vom Mesoderm aus werden die Muskeln, Geschlechts- und Ausscheidungsorgane gebildet. Vom Ektoderm leiten sich die Nervenzellen ab.

Der Darm enthält außer Entodermgewebe auch Muskelgewebe, das vom Mesoderm gebildet wird und für den Nahrungstransport vom Mund zum After sorgt. Beim Strudelwurm wird dieser Transport durch Kontraktionswellen entlang des gesamten Körpers erreicht. Ein Fortschreiten der Evolution war erst möglich, nachdem ein mit Flüssigkeit angefüllter Hohlraum, das Zölom, erfunden worden war, durch welches der Darm vollständig vom übrigen Körper getrennt wird.

Die einfachsten Tiere mit einem Zölom sind die Ringelwürmer. Zu ihnen gehört der Regenwurm. In einem Querschnitt durch den Körper dieser Tiere ist das Zölom leicht zu sehen. Bei höheren Lebewesen ist es schwieriger zu erkennen, da es bei ihnen von Drüsen und Organen ausgefüllt wird.

Die Segmentierung des Körpers
Das Auffallendste am Bauplan der Ringelwürmer ist ihre Unterteilung in Abschnitte (Segmente). Eine genauere Untersuchung zeigt, dass diese sich im Wesentlichen gleichen, mit Ausnahme der Segmente des Vorderendes, in denen sich eine Ansammlung von Nervenzellen findet, und des Hinterendes. Dank ihrer Segmentierung können sich die Ringelwürmer leichter fortbewegen. Bei anderen Wirbellosen sind die einzelnen Segmente verschieden gestaltet und übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Dies gilt für die Gliederfüßer, besonders für die Insekten. Die Segmente sind bei diesen Tieren mit Ausstülpungen versehen, die sich zu Beinen und Mundwerkzeugen umgestaltet haben. Die Geschlechtsorgane, das Herz, das Blut durch den Körper treibt, und andere Organe erstrecken sich über mehrere Segmente. Insekten haben einen deutlich ausgeprägten Kopf mit einem einfachen Gehirn und meist großen Komplexaugen.

Äußere und innere Skelette
Kleine Tiere mit weichem Körper, wie die Würmer, brauchen kaum besondere Stützen, sie besitzen kein Skelett. Bei Gliederfüßern hat sich ein Außenskelett entwickelt, das zwei Hauptaufgaben erfüllt: Es bildet Ansatzstellen für die Muskeln und schützt die Tiere. Aber ein solches Skelett bringt auch Probleme für die Tiere. In ihrem Panzer können sie nicht wachsen. Dies ist nur nach der Häutung möglich, solange die neue Haut weich ist.

Mit der Entwicklung eines inneren Skelettes machte die Evolution wiederum einen gewaltigen Schritt vorwärts. Dieses Innenskelett besteht bei den einfach gebauten Chordatieren aus einem Rückenstab, der Chorda, bei den Wirbeltieren tritt anstelle der Chorda die Wirbelsäule. Der Körper einfacher Chordatiere ist gleich dem der Ringelwürmer in gut erkennbare Segmente unterteilt. Jedes Segment enthält Muskelabschnitte (die Myomeren), die an der Chorda angreifen und durch Kontraktion das Schwimmen bewirken. Die Segmentierung zeigt sich bei den Wirbeltieren in der Gliederung der Wirbelsäule, der Muskulatur und der aus dem Rückenmark austretenden Nervenstränge. Besonders deutlich ist sie bei den Fischen zu sehen.

Gleich allen Wirbeltieren ist der Fischkörper in Kopf, Rumpf und Schwanz unterteilt. Fische besitzen ein Blutgefäßsystem mit einem gekammerten Herzen, Arterien, Kapillaren und Venen. Den zur Atmung notwendigen Sauerstoff entziehen die Fische dem umgebenden Wasser mit Hilfe von Kiemen.

Weitere erhebliche Änderungen des Bauplanes brachte die Eroberung des Festlandes durch die Wirbeltiere mit sich. Zunächst entwickelten sich Lungen und vier gut ausgebildete Gliedmaßen mit je einem fünfzehigen Fuß, die den Körper vom Boden abstützen. Weitere Veränderungen des Bauplanes sind durch die verschiedenen Lebensweisen bedingt, so die Bildung der Flügel bei den Vögeln oder der Plazenta bei den Säugetieren.
 
Kategorie: Das Tierreich Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 1686 - Baupläne der Tiere
Baupläne | Tiere | Tierreich
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF