Die frei lebenden Strudelwürmer (Turbellaria) bilden zusammen mit den parasitischen Saug- und Bandwürmern (Trematoda bzw. Cestoda) den Stamm der Plattwürmer (Plathelminthes). Die Plattwürmer stellen die einfachsten Formen der Bilateria dar, jener Tiere also, deren Körper durch eine Symmetrieebene in zwei spiegelbildliche Hälften geteilt werden kann.
Strudelwürmer
Die frei lebenden Turbellarien sind einfach gebaute Tiere von flacher, bandförmiger Gestalt, ohne After, Blutgefäße und Atmungsorgane. Bei ihnen ist, wie bei allen Plattwürmern, der Raum zwischen Ekto- und Entoderm von einem massigen zelligen Bindegewebe, dem Mesenchym, ausgefüllt. Im Gegensatz zur Mesogloea der Hohltiere wird dieses Mesenchym bereits in der Entwicklung als zelliges Gewebe von einem besonderen, Mesoderm genannten Zellbereich gebildet. Aus diesem entstehen auch die Muskeln, die als Hautmuskelschlauch das Mesenchym und die Fortpflanzungsorgane umgeben.
Die meisten Strudelwürmer leben im Wasser, sie kriechen oder bewegen sich mit Hilfe der Wimpern (Zilien), die die ganze Körperoberfläche bedecken. Turbellarien sind Räuber. Sie Stulpen ihren muskelkräftigen Pharynx (Schlund), der den in der vorderen Körperhälfte liegenden Mitteldarm mit dem dahinter liegenden Mund verbindet, aus und pressen ihn auf das Beutetier, zerkleinern es mit der Pharynxspritze und saugen die Nahrungspartikeln in den Darm. Unverdauliche Reste würgen sie durch den Mund aus.
Das Nervensystem konzentriert sich im Vorderende des Strudelwurms zu einem Gehirn, das die beiden primitiven Augen mit Nerven versorgt. Die meisten Arten meiden das Licht und spüren ihre Beute vor allem mit Zellen auf, die auf chemische Reize ansprechen.
Saugwürmer
Für den Menschen gefährlich werden vor allem die ento- oder innenparasitischen Trematoden wie z. B. die Schistosoma-Arten, getrenntgeschlechtliche Blutparasiten, die die in den Tropen gefürchtete Bilharziose hervorrufen, oder Fasciola hepatica, der Große Leberegel, der in den Gallengängen vieler Haustiere und auch des Menschen schmarotzt. In Anpassung an die parasitische Lebensweise verfügen die Entoparasiten über Organe, mit denen sie sich im Wirt festheften können, und haben andere Organe weitgehend zurückgebildet (Bewegungs-, Verdauungs- und Sinnesorgane). Kennzeichnend für viele, meist zwittrige Innenparasiten ist ferner die starke Ausbildung der Geschlechtsorgane und die große Zahl von Eiern und Nachkommen. Die Nachkommenzahl wird oft noch dadurch erhöht, dass eine oder mehrere sich ungeschlechtlich oder - wie bei Fasciola - parthenogenetisch fortpflanzende Generationen mit der zweigeschlechtlichen (sexuellen) Generation in regelmäßigem Wechsel stehen. Bei vielen entoparasitischen Plattwürmern ist dieser Generationswechsel mit einem Wirtswechsel verbunden: Die ungeschlechtlichen oder parthenogenetischen Generationen leben in einer anderen Tierart, dem Zwischenwirt, als die geschlechtliche Generation, die im Endwirt schmarotzt.
Bandwürmer
Die Rückbildung der Organe ist bei den ohne Ausnahme entoparasitischen Bandwürmern am weitesten fortgeschritten. Ihrem bandförmigen, meist aus vielen Abschnitten (Proglottiden) bestehenden Körper, der mit den Haken und Saugnäpfen des Kopfes in der Darmwand des Endwirts verankert ist, fehlt selbst ein Darm: Die Tiere nehmen die vom Wirt vorverdaute Nahrung, in der sie schwimmen, mit der ganzen Körperoberfläche auf. Die vom Kopf aus nachwachsenden Proglottiden enthalten vor allem Geschlechtsorgane, in den jüngsten, kopfnächsten sind zuerst die Hoden funktionsfähig, in den mittleren sind die Eier gereift. Die endständigen, größten Proglottiden sind angefüllt mit bis zu 80 000 befruchteten Eiern. Mit dem Kot des Endwirts werden täglich mehrere dieser reifen Proglottiden ausgeschieden, die dann in einen Zwischenwirt gelangen müssen. Beim Schweine- bzw. Rinderbandwurm des Endwirts Mensch ist dies das Schwein bzw. Rind. Der Fischbandwurm des Menschen hat außer Barsch oder Hecht noch einen Wasserfloh als (ersten) Zwischenwirt. Im Darm des Zwischenwirts lösen sich die Proglottiden auf, und aus den Eiern schlüpfen Hakenlarven, die die Darmwand durchbohren und sich in den Muskeln als Finnen, Blasen mit noch eingestülptem Kopf, einnisten.
Verzehrt der Mensch finniges Fleisch, so gelangt diese Blase in seinen Darm, wo sie aufgelöst wird. Der Kopf (Skolex) hat sich mittlerweile ausgestülpt, heftet sich an der Darmwand fest und beginnt mit der Bildung von Proglottiden. Da sich die Larvenstadien dieser Bandwurmarten nicht vermehren, liegt hier kein Generationswechsel vor. Wirklich gefährlich ist der Hundebandwurm (Echinococcus). Endwirt dieser weniggliedrigen Bandwürmer ist der Hund, der Mensch, Schafe oder Mäuse sind Zwischenwirte. Die Hakenlarven nisten sich in Muskeln, Leber, Lunge oder Gehirn des Zwischenwirts ein, wo sie zu Finnenblasen heranwachsen, die ungeschlechtlich Tochterblasen abschnüren (Generationswechsel). Je nach Art des befallenen Organs sind schwerste Störungen oder der Tod des Zwischenwirts die Folge. Operative Entfernung solcher oft faustgroßer Finnenkolonien misslingt fast immer, da einzelne Tochterblasen bei der Operation frei werden, sich krebsartig über den Wirtskörper verbreiten und an anderen Organen zu neuen Finnen heranwachsen. Äußerste Sauberkeit im Umgang mit Hunden ist das beste Mittel gegen Echinococcus.
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