Alle Vögel legen von festen Kalkschalen umschlossene Eier. Befruchtet werden diese im Körper des Weibchens, solange sie noch unbeschalt sind. Der Samenübertragung geht eine Begattung voraus, die in der Regel durch eine Balz eingeleitet wird.
Das Balzverhalten
Die Vögel bringen ihre Fortpflanzungsbereitschaft vorwiegend durch bestimmte Verhaltensweisen, Rufe und Gesänge zum Ausdruck. Geruchliche Signale spielen bei ihnen, im Gegensatz zu den Säugetieren, keine Rolle. Meist gelingt es nur schwer, Vögel bei der Balz zu beobachten. Wenn sich die Partner, die zusammen ein Revier gegründet haben, schon gut kennen, läuft die Balz oft sehr schnell ab. Dafür sind die begleitenden Gesänge der Vögel um so auffälliger. Sie sollen das Weibchen anlocken und stimulieren und gleichzeitig Rivalen abweisen. Bei Arten, bei denen sich Männchen und Weibchen äußerlich gleichen, erkennen sich die Partner am Gesang, zum Beispiel beim Rotkehlchen (Erithacus rubecula). Verwechslungen zwischen sehr ähnlichen Arten wie Fitis (Phylloscopus trochilus) und Zilpzalp (Phylloscopus collybita) werden durch verschiedenartige Gesänge vermieden. Bei vielen Arten unterscheiden sich aber Männchen und Weibchen ganz deutlich in der Färbung oder Zeichnung des Gefieders.
Die Balz beginnt häufig mit geradezu übertrieben wirkenden Gesten und Stellungen. Besonders die Paradies- und Laubenvögel von Neuguinea tun sich dabei hervor. Die Männchen stellen ihr ohnehin auffallendes Gefieder an gemeinsamen Balzplätzen durch unglaubliche Verrenkungen zur Schau, oder sie errichten geschmückte Lauben, in die sie die Weibchen locken. Einige Laubenvögel bauen Gärten, Türme oder Tunnels und schmücken sie mit bunten Blumen, Steinen oder glänzenden Insektenflügeln, ja sogar mit Früchten, Schneckenhäuschen und Knochen. Je schlichter das Männchen gefärbt ist, desto prachtvoller sind seine Lauben.
Nester und Eier
Sehr unterschiedlich halten es die Vögel mit der Bebrütung ihrer Eier. Viele von ihnen erbauen mehr oder weniger kunstvolle Nester, die sie gut getarnt in Blattwerk, Gebüsch, Höhlen oder Gras einfügen. Die afrikanischen Siedelweber stellen sogar Gemeinschaftsnester her, in denen viele Paare brüten. Andere Arten, wie die Alken, legen dagegen ihre Eier einfach an geeigneten Plätzen auf den Boden und bebrüten sie ohne Nest. Der Kaiserpinguin (Aptenodytes forsten) nimmt sein Ei auf die Füße und wärmt es 64 Tage lang während des antarktischen Winters unter einer Hautfalte am Bauch.
Die Nester können als Kugeln, Beutel, Horste oder Näpfe unterschiedlicher Tiefe ausgeführt sein. Ihre Färbung schützt die Eier meist vor der Entdeckung durch Nesträuber. Dennoch gehen gerade bei Freibrütern viele Gelege vor dem Schlüpfen zugrunde.
Das Ei ist an die Entwicklung des Vogelembryos auf trockenem Land und außerhalb des Muttertieres angepasst. Es stellt ein geschlossenes System dar, welches dem Embryo alle zum Gedeihen notwendigen Stoffe bietet und ihn schützt. Nur die Bebrütungswärme muss von außen zugeführt werden. Selbst die Stoffwechselprodukte des Embryos werden als Harnsäure so lange schadlos gespeichert, bis der Jungvogel schlüpft. Da Harnsäure sehr schwer löslich ist, kommt es nicht zu einer Vermischung der Abfallprodukte mit den Flüssigkeiten im Ei und im Embryo. Die Bildung des Vogeleies ist ein genau gesteuerter Vorgang. Erst nach der Befruchtung wandern normalerweise die Eizellen den Eileiter hinunter. Die zur Befruchtung führende Begattung verläuft bei den Vögeln anders als bei Säugetieren. Mit Ausnahme der Enten besitzen die Vögel keinen Penis. Die Übertragung des Spermas kann daher nur erfolgen, wenn die Kloaken beider Geschlechter eng aneinandergepresst werden. Sekundenschnell spritzt das Männchen den Samen in die weibliche Kloake. Von dort wandert er den Eileiter hinauf und befruchtet die herankommenden Eizellen. Die Eizelle wird dann von Nährdotter umgeben, danach von Eiweiß1 und zuletzt von der Kalkschale, die bei verschiedenen Vögeln noch Farbstoffe erhält. Meist bestehen diese aus zwei Komponenten: bräunlich roten und blaugrünen Farben. Höhlenbrüter können auf Tarnfärbung der Eier verzichten, aber manche Freibrüter, die hohe Gelegeverluste zu kompensieren haben, schützen ihre Eier durch besondere Zeichnungsmuster recht wirkungsvoll. Die Gelege mancher Möwen und Watvögel sind kaum sichtbar, so gut stimmen sie mit dem Untergrund überein. Bunte, porzellanartig wirkende Eier legen die Steißhühner.
Form und Größe der Eier
Die bekannte typische »Eiform« ist zwar am häufigsten, aber auch konische, birnenförmige oder rundliche Eier kommen nicht selten vor. Nahezu runde Eier findet man bei den Greifvögeln. Die Eier vieler auf Klippen brütender Seevögel werden durch ihre konische Form vor zu leichtem Abstürzen bewahrt.
Das größte Ei - 15-20 cm lang und 1,5 kg schwer - legt der afrikanische Strauß (Struthio camelus), das kleinste der Hummelkolibri (Mellisuga helenae): Es ist nur 0,5 Gramm schwer und 1,1 cm lang. Der ausgestorbene Elefantenvogel (Aepyornis maximus) von Madagaskar erreichte mit 12 kg schweren Eiern den Rekord. Beim Schlüpfen muss die schützende Schale von innen gesprengt werden. Ein besonderer Eizahn auf der Schnabeloberseite des schlüpfenden Jungvogels macht dies möglich. Mit seiner Hilfe sägt der Vogel langsam die innere Eihaut auf und kratzt die Schale an, bis er sie auseinanderdrücken kann.
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