Vor dem Neolithikum, der Jungsteinzeit, gab es kaum domestizierte Pflanzen oder Tiere. Landwirtschaft, also systematische Bodennutzung und Viehhaltung, entwickelte sich an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Formen (Ackerbau, Viehzucht, gemischte Landwirtschaft). Obwohl die Umstellung vom Sammler- und Jägerleben zur systematischen Nahrungsmittelerzeugung nur langsam vor sich ging, war dieser Vorgang nichts weniger als eine Revolution. Alle Nahrungspflanzen und Tiere, die gegenwärtig von Bedeutung sind, wurden im Neolithikum domestiziert.
Die ersten Bauern und Hirten
Im frühen 8. Jahrtausend v. Chr. wurden zwischen dem 30. und 40. nördlichen Breitengrad in einem Gebiet, das sich von Anatolien bis zum Iran erstreckt, Getreide angebaut und Tiere gezüchtet. Der Mensch dieser Zeit fand Weizen und Gerste auf dem Hochland, an den Hängen grasten? Schafe und Ziegen. Die Vielzahl ökologischer Zonen und natürlicher Hilfsquellen ermöglichte den Jägern, Fischern und Sammlern hier schon vor dem Ende der letzten Eiszeit, etwa um 8000 V. Chr., ein zum Teil sesshaftes Leben.
Anfangs entwickelten sich Landwirtschaft und Viehzucht langsam und eher zufällig. Wildgetreide wurde gesammelt und rings um die Siedlung angebaut. Wahrscheinlich fingen die Jäger junge Tiere und brachten sie heim.
In dieser frühen Stufe ist es schwer, zwischen wilder und domestizierter Flora und Fauna zu unterscheiden. Bei den Tieren entstanden kleinere Arten, allmählich veränderten sich z. B. Größe und Form der Hörner. Die Zahl der Knochen, die man in Zawi Chemi Schanidar im nördlichen Irak ausgegraben hat, lässt vermuten, dass bereits um 8500 v. Chr. auf dem irakischen Hochland Schafe, kurze Zeit später auch Ziegen gehalten wurden.
Getreideanbau lässt sich schwerer belegen, da die Pflanzen nur in Ausnahmefällen überdauert haben. Verkohltes Korn oder Abdrücke in Lehmöfen und Vorratsgruben sind oft die einzigen Hinweise darauf. Es ist jedoch sicher, dass Mutationen und bewusste Selektion zum Anbau ertragreicherer Getreidearten führten. Einige Spuren in neolithischen Fundstätten mögen rein zufällig sein - die Entdeckung von Sicheln muss nicht notwendigerweise einen Anbau voraussetzen. Bei Versuchen in der Jetztzeit in Anatolien wurden Sichelmesser mit Steinklingen verwendet. Es stellte sich heraus, dass eine Familie in drei Wochen genügend Wildgetreide sammeln konnte, um den Bedarf für ein Jahr zu decken.
Frühe neolithische Siedlungen
Die meisten jungsteinzeitlichen Fundstätten liegen in der Nähe von Quellen und waren über Tausende von Jahren hin bewohnt. Riesige Hügel oder »Teils«, aus den Überresten von Lehmziegelhäusern und den Abfällen langbewohnter, aufeinanderfolgender Siedlungen entstanden, bieten der archäologischen Forschung reichhaltiges Material.
Eine der am gründlichsten erforschten Fundstätten ist Teil es-Sultan in Jericho. Während der präkeramischen Jungsteinzeit um 7000 v. Chr. müssen dort etwa 3000 Menschen gewohnt haben. Catal Hüyük in Anatolien, das größte Handelszentrum, von dem man weiß, war um 6000 v. Chr. viermal größer als das präkeramische Jericho und könnte schon bedeutend früher eine ansehnliche Siedlung gewesen sein. Allerdings wurden die ältesten Schichten noch nicht ausgegraben. Catal Hüyük hatte vermutlich ein Vorrecht auf die nahe gelegenen Obsidian-Vorkommen, das Hauptmaterial zur Geräteherstellung, Kupfer und Marmor wurden in den nahen Bergen gewonnen, Muscheln kamen aus dem nahen Meer. Keramik, Weberei und andere handwerkliche Künste waren hochentwickelt. Von der Religion weiß man, dass die Verehrung einer Fruchtbarkeitsgöttin, dargestellt in Tonreliefs, und der Totenkult dominierten.
Die Bevölkerung der Jungsteinzeit vermehrte sich schnell, sie war in ihren Siedlungen leidlich geschützt. Der Ackerbau sorgte für ausreichende Nahrungsmittel. Dank der Bewässerung, die in Jericho eingeführt worden sein könnte, war es möglich, auch das Tiefland Mesopotamiens zu besiedeln.
Eine Siedlung in Hassuna im Norden Mesopotamiens entstand sicher vor 6000 v. Chr. Tausend Jahre später wurde in Eridu im Schwemmland von Euphrat und Tigris der Boden landwirtschaftlich genutzt. Mesopotamien entwickelte sich zum Mittelpunkt der neolithischen Kultur, damit waren auch die Voraussetzungen für die sumerische Hochkultur gegeben.
Die Nahrungsmittelerzeugung weitete sich immer mehr aus, von Anatolien über Griechenland nach Europa. Nachdem man die Wälder im Donaubecken gerodet hatte, konnten auch diese fruchtbaren Böden genutzt werden.
Die Kulturpflanzen
Die materiellen Grundlagen der Zivilisation in Vorderasien und Europa waren der Anbau von Emmer (einer Weizenart) und Gerste, die in gemäßigtem und subtropischem Klima gedeihen, Hirse, Reis und Mais hingegen sind den Tropen besser angepasst. Reis wurde in Indien früher angebaut als in China, wo bis etwa 2000 v. Chr. Hirse dominierte. In Afrika, südlich der Sahara, mag der Anbau essbarer Knollen dem Anbau von Getreide (Hirse und Kaffernhirse) vorausgegangen sein. Zahlreiche Felsmalereien belegen, dass um 3000 v. Chr. Hirten in der ganzen Sahara Weiden für ihre Herden fanden. In Mexiko wurde um 5000 v. Chr. eine primitive Mais Art angebaut. Es gab allerdings vor 1500 v. Chr. in Amerika keine Bevölkerung mit Dauersiedlungen.
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