Es hat ziemlich lange gedauert, bis man die verschiedenen Arten von Nebeln zu verstehen begann. Beispielsweise sehen der Omega-Nebel im Schützen und der Crab-Nebel im Stier zunächst so aus, als ob sie ungefähr gleichartig wären. In Wirklichkeit stellen sie einander völlig entgegengesetzte Stachen der Sternentwicklung dar: In dem diffusen Omega-Nebel werden aus interstellarer Materie neue Sterne erzeugt, der Crab-Nebel bildet den Überrest einer Supernova-Explosion mit einem Pulsar - einem zusammengebrochenen dichten Stern - in der Mitte.
Nebel als Vorstufen von Sternen
Der junge Stern T Tauri, der unregelmäßig veränderlich ist und noch die Kontraktion vor dem Eintritt in die Hauptreihe durchmacht, hängt mit einem interessanten Nebel zusammen, welchen J. R. Hind, ein englischer Liebhaberastronom, 1852 zufällig bei der Suche nach Planetoiden entdeckte. Neun Jahre später war der Nebel verschwunden. Er tauchte zwar endlich wieder auf, wurde aber nie mehr so auffällig, wie Hind ihn gesehen hatte. T Tauri ist nicht heiß genug, um diesen Nebel (offizielle Bezeichnung: NGC 1554) zum Selbstleuchten anzuregen. Der Stern ist aber eine Infrarotquelle und sicher aus dem Material des Nebels entstanden. Andere mit veränderlichen Nebeln zusammenhängende junge Sterne sind R Monocerotis und R Coronae Australis.
Es handelt sich also um Nebel, die mit der Geburt von Sternen zu tun haben. Das gleiche gilt für so bekannte galaktische Gasnebel wie M 42 im Orion. In ihm verbirgt sich eine als Becklins Objekt bezeichnete Infrarotquelle. Ob es dabei um einen sehr jungen Stern geht oder um einen millionenfach stärker als die Sonne strahlenden Riesenstern, lässt sich nicht feststellen, da nur die Infrarotstrahlung die vorgelagerten Nebelmassen durchdringt. Auf jeden Fall laufen dort Prozesse der Sternentstehung ab.
A. Blaauw und W. W. Morgan haben einen jungen O-Stern, AE Aurigae, untersucht, der die hohe Eigengeschwindigkeit von 130 km/ Sek. besitzt. Er ist sehr hell und erscheint nur wegen seiner großen Entfernung schwach. Vor etwa 2,5 Millionen Jahren müsste er sich in der Gegend des Orion-Nebels befunden haben. In die entgegengesetzte Richtung lauft μ Columbae, ebenfalls ein O-Stern, der anscheinend gleichzeitig mit AE Aurigae von seiner Geburtsstätte fortgeschleudert worden ist.
Planetarische Nebel
Andere Nebel stellen spätere Entwicklungsstufen eines Sterns dar. Das gilt besonders für die sogenannten planetarischen Nebel - einst so benannt, weil sie in kleineren Fernrohren wie kleine, schwach leuchtende Scheiben aussehen, die an Planeten erinnern. Tatsächlich bestehen sie aus Gas wie die diffusen galaktischen Nebel, sind aber weder richtige Nebel noch gar Planeten. Ihr bekanntester Vertreter ist der Ringnebel M 57 in der Leier, der bereits 1779 entdeckt wurde. Er besteht aus einem von einer unglaublich dünnen sphärischen Gashülle umgebenen Zentralstern. Da an seinen Rändern mehr leuchtende Nebelmaterie zu sehen ist als in den mittleren Gebieten, erscheint diese Gashülle wie ein Ring. Der Durchmesser von M 57 beträgt fast 1 Lichtjahr. Trotzdem enthält er erstaunlich wenig Substanz, weil die mittlere Dichte millionenfach geringer ist als die unserer Atmosphäre in Meereshöhe. Es gibt auch größere planetarische Nebel, z. B. NGC 7293 im Wassermann, doppelt so groß wie M 57. Andere dieser Objekte sind unsymmetrisch, etwa der Eulen-Nebel M 97 im Großen Bären und der Hantel-Nebel M27 im Füchschen (Vulpecula).
Alle planetarischen Nebel befinden sich im Zustand der Expansion und können kaum älter als einige Zehntausend Jahre sein. Man schätzt, dass das Material der Gashülle, wenn diese - was sehr wahrscheinlich ist - von einem alten Stern ausgestoßen wird, nicht länger als 100 000 Jahre weiterleuchten kann. Es gibt eine Theorie, nach der ein planetarischer Nebel dadurch entsteht, dass ein Roter Riese seine äußeren Schichten explosionsartig abstößt. Die Zentralsterne in den planetarischen Nebeln wären demzufolge die Kerne früherer Riesensterne. Sie haben sehr hohe Oberflächentemperaturen von etwa 50 000° C und sind, nachdem sie den größten Teil ihrer nuklearen Energieerzeugung bereits hinter sich haben, auf dem Weg des Übergangs in Weiße Zwerge. Diese »Auspuff « Theorie passt gut zu der vorgeschlagenen Entwicklungsfolge. Das heißt aber nicht, dass jeder normale Stern auf einer späten Stufe seines Lebens ein planetarischer Nebel wird.
Supernova und Pulsare
Schließlich kennt man noch Nebel, die Endprodukte der Entwicklung von Sternen darstellen. Der Crab-Nebel ist hierfür das bekannteste Beispiel, es finden sich zwar noch andere Nebel dieser Art, doch sind sie fast alle viel älter und haben daher keine so stark ausgeprägten Züge. Auch scheint der Crab-Nebel, mit einem ungewöhnlichen Pulsar in seinem Zentrum, eine gewisse Ausnahme zu sein. Bei dem Schleier-Nebel im Schwan verlaufen die Bogenstrukturen des leuchtenden Materials sehr glatt, alles spricht dafür, dass wir es dort mit den Resten einer Supernova-Explosion zu tun haben, die sich in vorgeschichtlicher Zeit ereignete. Gegenwärtig beträgt die Expansionsgeschwindigkeit 120 km/Sek. - So lassen sich am Anfang wie auch am Ende des Lebensweges mancher Sterne interessante Nebel beobachten.
Jedenfalls lässt sich die Entwicklung von Sternen in ihrem vollen Umfang - mit Einschluss von Vorstufen und plötzlichen Änderungen - heute nicht mehr verstehen, wenn man unsere ständig wachsenden Kenntnisse über die verschiedenen Nebel dabei unberücksichtigt lässt.
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