Die Amerikanische Revolution war eine Rebellion und gleichzeitig die Geburt einer neuen Nation. In dieser Revolution verlor England seine Kolonien an der nordamerikanischen Atlantikküste, deren Unabhängigkeit legte den Grundstein für die Vereinigten Staaten von Amerika. Über das Schicksal dieses einen Landes hinaus hatte die Revolution eine allgemeine Bedeutung: Sie bildete den ersten Kampf einer Nation in der Neuzeit für die Rechte des Individuums und für eine demokratische Regierungsform.
Die britischen Kolonien
Der Vertrag von Paris (1763), der einen 70jährigen Kolonialkrieg zwischen England und Frankreich beendete, brachte den Briten einen vollständigen Sieg in Nordamerika. Diese Machtverschiebung verursachte eine grundlegende Änderung der Lage sowohl in England als auch in den 13 Kolonien. Großbritannien wendete riesige Summen für die Sicherung der neuen Gebiete auf, im Mutterland setzte sich die Ansicht durch, die wirtschaftspolitische Behandlung der Kolonien müsste überprüft werden, um ihren ökonomischen Nutzen für das Mutterland zu verbessern und den Beitrag der Kolonien zu ihrer eigenen Verteidigung zu erhöhen.
Um dieses Ziel zu erreichen, wurde 1764 ein Zuckerzoll eingeführt, im folgenden Jahr eine Stempelsteuer (eine Art Umsatzsteuer auf bestimmte Waren). Gleichzeitig wurden die Seegerichte beauftragt, Verstöße gegen die Zollgesetze streng zu ahnden. Die Kolonisten reagierten mit Demonstrationen und Tumulten. Sie beriefen eine Versammlung nach New York, auf der sie ihre Haupteinwände formulierten: Erstens seien die Zollgesetze vom britischen Parlament erlassen worden, in dem die Kolonien nicht vertreten waren, zweitens sollten die Kolonisten wie alle anderen britischen Untertanen auch der Geschworenengerichtsbarkeit unterstellt werden und nicht einer Sondergerichtsbarkeit. Das Stempelgesetz musste 1766 tatsächlich aufgehoben werden, im gleichen Jahr bekräftigte aber das Parlament in Westminster ausdrücklich seine Befugnis, alle Arten von Gesetzen auch für die Kolonien erlassen zu können.
1767 machte das Parlament von dieser sich selbst zuerkannten Befugnis Gebrauch und verabschiedete Gesetze zur Besteuerung von Glas, Blei, Papier und Tee. Die Folge waren allgemeine Unruhen in den Kolonien, die 1770 mit dem »Boston-Massaker« ihren Höhepunkt erreichten. Die meisten Zoll- und Steuergesetze wurden daraufhin rückgängig gemacht. Aber 1773 wurde ein Teegesetz erlassen, das der (englischen) Ostindienkompanie vorteilhafte Handelsbedingungen einräumte. Die Kolonisten protestierten erneut recht drastisch: Bei der »Boston Tea Party« kippten sie eine Ladung Tee in den Hafen. Als Folge wurde die Bostoner Verwaltung unmittelbar der britischen Kontrolle unterstellt.
Der Erste Kontinental Kongress
Daraufhin traten Vertreter der Kolonien (mit Ausnahme Georgias) im Jahr 1774 zum Ersten Kontinentalkongreß in Philadelphia zusammen. In einer Eingabe an die englische Regierung wurde beharrlich betont, dass ohne Vertretung im Parlament keine Besteuerung rechtens sei. Man beschloss, die 13 Kolonien zu einer Art Zollunion zusammenzuschließen, die den Binnenhandel selbständig regeln sollte. Der britische Premierminister Lord North (1732-92) betrachtete dieses Vorhaben als Aufruhr. Beide Seiten bereiteten sich auf einen Krieg vor.
Zum ersten Treffen kam es am 19. April 1775, als die Bürgerwehr von Massachusetts in Lexington und Concord auf britische Truppen feuerte. Ein Versuch der Milizen, die Briten am Ausbau ihrer Verteidigung bei Boston zu hindern, führte am 17. Juni zum Gefecht von Bunker Hill. Der Zweite Kontinentalkongreß beschloss die Aufstellung einer Armee unter dem Oberbefehl von George Washington (1732-99). Nach dem Zusammenbruch der Kolonialverwaltung übernahm der Kongress nach und nach die Regierung.
Am 4. Juli 1776 verabschiedete der Kontinentalkongreß die Unabhängigkeitserklärung, damit war der Bruch mit England offiziell vollzogen. Dieser Akt war wichtig für die Entwicklung des amerikanischen Nationalgefühls, er änderte aber kaum etwas an der unsicheren Lage der ehemaligen Kolonien, deren Küsten, Häfen und Handel von der britischen Flotte blockiert wurden und deren kleine, nur schlecht ausgebildete Streitmacht britischen Berufssoldaten gegenüberstand.
Sieg der Kolonisten
Der Sieg der Amerikaner über die britischen Truppen in Saratoga war für Frankreich das Signal, auf die Seite der Kolonien zu treten. Frankreich entsandte zur Unterstützung der Amerikaner eine Flotte und erklärte 1778 England den Krieg. Nach wechselnden Erfolgen wurde der englische General Charles Cornwallis (1738-1805) mit seiner Armee bei Yorktown eingeschlossen und musste sich am 19. Oktober 1781 ergeben. Dieser Sieg entschied den Krieg. In Paris begannen Friedensverhandlungen, die amerikanische Delegation wurde von Benjamin Franklin (1706-90) und John Adams (1735-1826) geführt. Im Frieden von Versailles (1783) erkannte England die amerikanische Unabhängigkeit an.
Nun musste aus einem losen Staatenbund ein Bundesstaat geschaffen werden. Die endgültige Verfassung, 1787 vom Kongress in Philadelphia verabschiedet, trat 1789 in Kraft. 1791 erschienen die ersten zehn Zusatzartikel der Verfassung zur Wahrung der Rechte der einzelnen (Bill of Rights). George Washington wurde 1789 der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
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