Ursachen des Zweiten Weltkriegs

In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen kamen in Deutschland und Italien faschistische Diktatoren an die Macht. Ihre nationalistische und expansionistische Politik untergrub in zunehmendem Maße die Glaubwürdigkeit diplomatischer Verhandlungen.

Der Aufstieg der Diktatoren
Der Versailler Vertrag hatte mit überhöhten Reparationsforderungen und willkürlichen Gebietsabtrennungen bei den Besiegten, aber auch in Italien Bitterkeit hinterlassen. Dies begünstigte die Machtergreifung Hitlers.

Italien war durch den Frieden von Versailles enttäuscht worden, in der Folge gewann Mussolini einen großen Anteil seiner Anhängerschaft durch seinen militanten Nationalismus, der in der Nachkriegszeit zu Spannungen führen musste. Hitler fand in Deutschland Unterstützung für seinen extremen Nationalismus, mit dem er die Strafbestimmungen von Versailles beseitigen und alle Deutschsprechenden in Mitteleuropa territorial einen wollte.

Der Isolationismus der USA hatte zur Folge, dass Frankreich und England als die beiden stärksten europäischen Mächte die Friedensinitiative ergreifen mussten. Beide wünschten keinen neuen Krieg. Sie waren überzeugt, dass der Erste Weltkrieg durch die Unfähigkeit des diplomatischen Systems entstanden war, mit internationalen Krisen fertig zu werden. Deshalb glaubten sie, mit den Diktatoren verhandeln zu müssen.

Während der zwanziger Jahre vertraute man auf den Völkerbund und die Abrüstungspolitik, die jedoch am gegenseitigen Misstrauen der Großmächte scheiterte. Anfang der dreißiger Jahre wurde zunehmend klarer, dass der Völkerbund als Garant des Friedens versagen würde. Der Einmarsch Japans in die Mandschurei, die abessinische Krise (1935/36) und der Spanische Bürgerkrieg waren deutliche Anzeichen dafür, dass der Völkerbund unfähig war, Aggressionen zu unterbinden.

Beschwichtigungspolitik
Während der dreißiger Jahre glaubten die Staatsmänner in Frankreich und Großbritannien, dass es Hitler lediglich darauf ankomme, Deutschlands legitime Forderung nach einer Revision des Versailler Vertrages zu erfüllen. Trotz der Wiederbesetzung des Rheinlandes 1936 und praktisch der Kontrolle über Österreich war man besonders in England der Meinung, ein Krieg lasse sich durch Konzessionen vermeiden. Die Bemühungen von Stanley Baldwin (1867-1947) und Arthur Neville Chamberlain (1869-1940), mit Deutschland zu verhandeln, fanden die Unterstützung großer Teile der Bevölkerung, die ein Anwachsen der Rüstungsausgaben in einer Zeit wirtschaftlicher Depression ablehnten. Die politische Linke in Großbritannien war überzeugt, dass man zur Verringerung des Kriegsrisikos an der Abrüstungspolitik festhalten müsse. Chamberlain verhandelte aus einer Position der Schwäche, zur gleichen Zeit rüstete Deutschland aber auf. Auch Frankreichs Position war schwach, politischer Hader im Innern verhinderte eine feste Außenpolitik.

Die Verluste des Ersten Weltkriegs veranlassten die französische Regierung, eine defensive Politik zu betreiben, das kam im Ausbau der Maginot-Linie zum Ausdruck.

Obwohl Hitlers Ziele letzten Endes nicht mit Sicherheit definiert werden können, so nutzte er zweifellos die Schwäche der Westmächte aus, um den Versailler Vertrag außer Kraft zu setzen und Aktionen im Osten vorzubereiten. Auf die Wiederbesetzung des Rheinlands folgten der Anschluss Österreichs sowie die Forderung an die Tschechoslowakei das, von Deutschen besiedelte Sudetenland abzutreten. 1938 wurde ein Abkommen erreicht, durch das die Tschechoslowakei praktisch aufgeteilt wurde - und das trotz der Zusage Deutschlands, die von anderen Völkerschaften besiedelten Gebiete dieses Landes nicht zu besetzen. Chamberlains Nachgeben wurde in Westeuropa als ein Triumph gefeiert, weil er angeblich den Krieg verhütet hatte. Aber der Einmarsch in Prag (März 1939) zerstörte diese Illusion, auf der die Beschwichtigungspolitik beruhte - nämlich, dass Hitlers Forderungen begrenzt und erfüllt worden seien.

Der Einfluss anderer Mächte
Der Widerstand der Westmächte gegen Hitler wurde durch das Misstrauen gegenüber der Sowjetunion eingeschränkt. Moskau wiederum fürchtete seit Mitte der dreißiger Jahre eine gegen die UdSSR gerichtete Allianz der westeuropäischen Staaten, besorgt betrachtete man dort die wachsende Bedrohung durch das erstarkende Deutsche Reich. Die UdSSR versuchte deshalb, die Westmächte zu einer antifaschistischen Allianz zu bewegen, scheiterte aber an dem Misstrauen, das dort in weiten Kreisen gegenüber der Sowjetunion bestand. Die Handlungsweise Englands und Frankreichs gegenüber der Tschechoslowakei veranlasste dann die UdSSR, im August 1939 einen Nichtangriffspakt mit Deutschland abzuschließen.

In Fernost wurde der ohnehin fragwürdige Friede durch den Einmarsch der Japaner in die Mandschurei (1931/32) und den Japanisch-Chinesischen Krieg zusätzlich belastet.

Die von England 1939 an Polen und Rumänien gegebenen Garantien zum Schutz des territorialen Besitzes waren ein letzter Versuch, Hitler zum Nachgeben zu zwingen. Aber er hatte sich bereits mit Moskau über die Aufteilung Polens unter dem Vorwand der Annektierung des Polnischen Korridors geeinigt. Hitler erwartete wohl, dass England und Frankreich erneut einlenken würden. Diesmal verlangten beide Länder ultimativ den Rückzug der deutschen Truppen. Als das britische Ultimatum am 3. 9. 1939 ablief, erklären England und Frankreich Deutschland den Krieg.


Josuke Matsuoka (1880-1946) [links auf dem Bild], japanischer Außenminister von 1940 bis 1941, schloss den Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien ab. Japan war bereits 1936 dem Antikominternpakt beigetreten. Während der dreißiger Jahre verfolgte Japan eine aggressive Außenpolitik: 1931 besetzte es die Mandschurei und erhöhte dadurch die Spannungen im Fernen Osten, wo der Völkerbund praktisch machtlos war. Im Jahr 1937 begann Japan den Krieg mit China und eroberte weite Gebiete des chinesischen Festlands. Es gelang weder Europa noch Amerika, den Konflikt zu lösen. Dadurch wurde Japan nur noch zu weiteren Akten der Aggression und Expansion ermutigt.
 
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