Ostasien von 1919 bis 1945

Die Geschichte Ostasiens von 1919 bis 1945 wird von zwei Themen beherrscht: dem Aufstieg des chinesischen Nationalismus in den zwanziger Jahren und der Ausbreitung des japanischen Imperialismus nach 1931. Beide Entwicklungen wurden von der Präsenz der Weltmächte in diesem Gebiet beeinflusst. Der chinesische Nationalismus litt unter den divergierenden Interessen der beiden großen politischen Parteien, der Kuomintang (KMT) und der Kommunistischen Partei Chinas (KPC).

Der chinesische Nationalismus
Das Jahr 1919 bildet einen Einschnitt in der chinesischen Geschichte. Demonstrationen gegen den Beschluss der Pariser Friedenskonferenz, Japan die Verwaltung der ehemaligen deutschen Schutzgebiete in China zu übertragen, lösten eine noch nicht dagewesene nationale Bewegung aus. Unter Ausnutzung der Revolutionsstimmung organisierte Sun Yat-sen (1866-1925) seine Nationalpartei neu als disziplinierte KMT. Mit ihrer sozialistischen Ideologie und einer unter dem Befehl von Tschiang Kai-schek stehenden Armee erhielt die KMT Hilfe von den Komintern und arbeitete zunächst mit der 1921 gegründeten KPC zusammen. Beide Parteien wollten die Teilung Chinas und seine Ausbeutung durch fremde Mächte beenden.

Auch die Konferenz von Washington (1921/22) erreichte nur einen teilweisen Rückzug der Japaner. Allgemeine Unzufriedenheit und Arbeiterunruhen, besonders in den Vertragshäfen, gipfelten 1925/26 in Streiks und einem Boykott des Außenhandels in Hongkong. Vor diesem Hintergrund begann Tschiang Kai-schek eine nach Nordchina gerichtete Offensive, um China unter der in Kanton gebildeten Nationalregierung zu einen. 1927 kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit den Kommunisten innerhalb der KMT. Durch »Säuberungen« auf Kosten der Linken und Kommunisten in seinem Einflussgebiet gelang es ihm, die KMT zu straffen. Er bildete eine eigene Regierung in Nanking und brachte 1928 Peking und einen großen Teil Chinas unter seine Kontrolle.

Um 1930 gerieten der chinesische Nationalismus und der japanische Imperialismus auf Kollisionskurs. China machte seine Souveränitätsrechte in der Mandschurei geltend, wo Japan seit 1905 weitreichende Privilegien besaß. Die Mandschurei bildete nicht nur einen Puffer gegenüber der UdSSR, sondern war auch wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung. Dort lebten über eine Million Japaner.

Japanischer Imperialismus
Japan war in den zwanziger Jahren durch einen paternalistischen Kapitalismus gekennzeichnet. Die Zusammenarbeit mit den Großmächten war begrenzt. In den dreißiger Jahren förderten Ultranationalismus und Militarismus den Gedanken, ein autonomes Wirtschaftsimperium zu schaffen, als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise, die die Spannungen auch in der japanischen Gesellschaft verschärft hatte. Als das Vertrauen in die Politiker schwand, gewannen die Militärs in der Umgebung des Kaisers Hirohito immer größeren Einfluss. Japanische Offiziere benutzten 1931 den Mukden-Zwischenfall, um eine Situation zu schaffen, die 1932 zur Errichtung des japanischen Marionettenstaates Mandschukuo führte.

Das japanische Vorgehen brachte 1936 in China einen Waffenstillstand zwischen KMT und KPC zustande. Tschiang hatte die Kommunisten aus ihren Versorgungsgebieten im Süden vertrieben und sie 1934 gezwungen, den »Langen Marsch« anzutreten. Aber jetzt suchte der Kommunistenführer Mao Tse-tung (1893 bis 1976) auf Drängen der UdSSR, eine gemeinsame Front aller Chinesen gegen Japan zustande zu bringen, Tschiang musste mit ihm gemeinsame Sache machen. Als 1937 schwere Kämpfe ausbrachen, wurde die KMT von überlegenen japanischen Kräften nach Tschungking im Südwesten zurückgedrängt. Auf den Fall von Nanking im Dezember folgte die japanische Militärherrschaft in den besetzten Gebieten Chinas und die Bildung einer Marionettenregierung in Nanking (1940).

Das japanische Imperium im II. Weltkrieg
Um sich Zugang zu den Rohstoffen Südostasiens zu verschaffen und Tschiang von westlicher Hilfe abzuschneiden, drangen japanische Truppen 1940 in Indochina ein, auf dem Festland rückten sie 1941 weiter nach Süden vor. Amerika, England und Holland reagierten darauf im Juli 1941 mit einem Embargo fast aller Exporte nach Japan, die Versorgung mit Öl sank um 90%. Mit Deutschland und Italien verbündet und in der Erwartung, dass Großbritannien und China nicht mehr lange würden weiterkämpfen können, versuchte Japan die amerikanische Einmischung dadurch auszuschalten, dass es am 7. Dezember 1941 einen großen Teil der amerikanischen Pazifikflotte in Pearl Harbor versenkte.

Bis zum August 1942 hatte Japan ein gewaltiges Territorium unter seine Herrschaft gebracht. Erst ab 1944 gelang es den USA, durch amphibische Operationen auf den Philippinen und den Gilbertinseln Stützpunkte zu errichten, von denen aus das japanische Mutterland aus der Luft angegriffen werden konnte. Im Jahr 1945 kam es nach Atomangriffen auf Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9. August) zur bedingungslosen Kapitulation Japans (2. September).

Nach der Niederlage Japans war China zwischen einer durch den Krieg geschwächten Nationalregierung und den Kommunisten geteilt, letztere hatten an Einfluss gewonnen, Japan wurde unter amerikanischer Besetzung in einen demokratischen Staat umgebildet. Die alten Kolonialmächte in Ost- und Südostasien gewannen ihr altes Ansehen nicht mehr zurück.


Kommunisten wurden am 12. April 1927 in Schanghai niedergemetzelt, als nationalchinesische Truppen, Polizei und Geheimagenten Streikposten entwaffneten und die Gewerkschaften auflösten. Der Machtkampf zwischen linkem und rechtem Flügel der Kuomintang dehnte sich weiter aus und führte auch andernorts zu Massakern unter Sozialrevolutionären und Kommunisten.
 
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