Der Königsumritt Konrads II. – Text der Zeit

Nachdem der König Konrad sein königliches Gefolge um sich gesammelt hatte, kam er zuerst durch das Gebiet der Ripuarier bis an den Ort, der die Pfalz Aachen genannt wird, wo von den alten Königen und vorzüglich von Karl ein Königstuhl errichtet ist, der für den Erzstuhl des ganzen Reiches gilt. Dort sitzend, ordnete er die Angelegenheiten des Reiches in ausgezeichneter Weise, berief Fürsten und Volk zu öffentlicher Verhandlung und waltete trefflich nach göttlichem und menschlichem Recht. Sein Ruf wuchs durch seine vorzüglichen Eigenschaften. Als Verkünder des Friedens wurde er heute noch mehr als gestern geehrt, war allen noch teurer wegen seiner Güte und seines Wohlwollens, wurde geehrt wegen seines Wirkens als königlicher Richter. Obwohl er die Wissenschaften nicht beherrschte, unterwies er doch ungemein verständig die Geistlichkeit sowohl öffentlich in liebenswürdiger und freundlicher Weise, wie auch im geheimen mit gebührender Strenge. Die Ritter aber gewann er dadurch, dass er die ihren Vätern verliehenen Lehen nicht von ihnen zurückverlangte. Man würde mir vielleicht gar nicht glauben, wenn ich berichtete, wie freigebig er war, wie freundlich, wie standhaft, wie unerschrocken, gegen alle Guten gütig, streng gegen alle Bösen, gegen die Untertanen wohlwollend, hart gegen die Feinde und energisch durchgreifend. Für das Wohl des Reiches war er unermüdlich tätig, und in kürzester Zeit gelang ihm so viel, dass niemand zweifelte, seit Karls (des Großen) Zeiten habe kein Würdigerer als er auf dem Thron gesessen. Daraus entstand auch das Sprichwort: »An Konrads Sattel hängen Karls Steigbügel.« Unter solchen Umständen verbreitete sich der Name und der Ruhm des Königs über die Grenzen der Völker, er drang bis über die Fluten der Meere, überall erzählte man sich von seiner Kraft und Tüchtigkeit. Nach seiner Rückkehr aus Ripuarien ging der König nach Sachsen, wo er die ungemein strengen Gesetze des Volkes nach ihrem Wunsch durch königlichen Machtanspruch bestätigte. Dann empfing er von den benachbarten Barbaren Tribut und forderte jede dem Fiskus schuldige Abgabe. Von da aus zog er durch Baiern und Ostfranken nach Alemannien. Durch diesen Umritt schützte er die einzelnen Teile des Reiches, fasste sie zu einer Einheit zusammen und festigte den Landfrieden durch königlichen Schutz.
Aus: Wiponis gesta Chuonradi II imperatoris (Leben Konrads II. von Wipo).

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Info 26.09.2017 - 21:52
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