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Konrad II. – Kurze Biografie

Konrad II.Mit Konrad wurde ein »krasser Außenseiter« zum deutschen König gewählt. Den Anspruch auf den Thron hatte er allein verwandtschaftlichen Beziehungen zum ausgestorbenen ottonischen Herrscherhaus zu verdanken. Um 990 geboren, besaß Konrad nicht einmal den Grafentitel, das Familienvermögen war durch unglückliche Erbgänge zusammengeschrumpft, der Bischof von Worms gewährte dem früh Verwaisten Lebensunterhalt, eine gelehrte Ausbildung hielt man für einen so unbedeutenden Edelmann nicht für notwendig. Mit dem zähen Machtwillen des Aufsteigers verstand es der Herrscher, diese Schwächen seiner Herkunft auszugleichen. Die Heirat mit der Herzogswitwe Gisela von Schwaben verschaffte ihm Prestige und politischen Einfluss. Wenn ihm als ›Laien‹ der Sinn für das traditionelle geistlich-religiöse Selbstverständnis der deutschen Könige gänzlich fehlte, so war sein Blick um so mehr für die praktischen Notwendigkeiten der Politik geschärft. Von großer Vitalität und starkem Willen, setzte er seine Ziele notfalls mit äußerster Rücksichtslosigkeit durch. Wie das tragische Schicksal seines Stiefsohnes Ernst von Schwaben, der sich gegen ihn empört hatte, zeigt, machte diese Unerbittlichkeit auch vor der eigenen Familie nicht halt. Durch seine Herkunft hat sich der König zeitlebens Verständnis für die Nöte des Volkes bewahrt. Als bei seinem Krönungszug einfache Bittsteller zurückgedrängt wurden, herrschte er die umstehenden Fürsten an: »Gerechtigkeit für jeden, ohne Rücksicht und Verzug!« Solche Haltung und seine draufgängerische Tapferkeit in den Schlachten, aber auch seine imponierende Gestalt haben Konrad große Volkstümlichkeit gesichert. Noch nicht fünfzigjährig, ist der König 1039 einem schweren Gichtleiden erlegen. Er wurde im Dom zu Speyer beigesetzt, den er als Grabstätte für seine Familie hatte erbauen lassen.

emu