Konrads II. zweiter Italienzug

Über zehn Jahre vergingen, eine für damalige Verhältnisse lange Zeit, ehe der Kaiser ein zweites Mal in Italien eingreifen musste. Inzwischen hatten die sozialen Kämpfe, vor allem in den Städten der Lombardei, ein Ausmaß angenommen, dass selbst Aribert, der kriegerische Erzbischof von Mailand, den Volkszorn bitter zu spüren bekam. In Turin, Cremona, Brescia und Mailand kam es zur Rebellion der kleinen Lehnsnehmer, zu »Valvassorenaufständen«. Da diese sozialen Gegensätze auf engstem Raum, innerhalb der Stadtmauern, ausgetragen wurden, waren die Kämpfe besonders hart und blutig. Die streitenden Parteien riefen schließlich den Kaiser an, der sich für die »Valvassoren« und gegen die Stadtherren, also auch gegen Aribert, seinen treuesten Anhänger in Oberitalien, entschied. Das entsprach Konrads Generallinie, denn wie in Deutschland suchte er auch hier sich einen Anhang im niederen Adel zu schaffen, womit er natürlich die weltlichen und geistlichen Fürsten gegen sich aufbrachte. Deren Herrschaft hing ja u. a. davon ab, dass sie ihren Lehnsleuten, den Rittern, das geliehene Land in besonderen Fällen entziehen konnten. Der Kaiser erklärte deshalb im Mai 1037 die Lehen der »Valvassoren« gesetzlich zu erblichem Besitz. Dieses neue Lehnsgesetz (Constitutio de feudis) verursachte erbitterten Widerstand: Aribert von Mailand widersetzte sich dem Urteilsspruch und wurde gefangen gesetzt. Als seine Wächter den in Aquileja Inhaftierten eines Morgens aus dem Bett holen wollten, steckte unter der Decke nicht Aribert, sondern dessen Fluchthelfer, ein Mönch. Nach dieser wunderbaren Rettung, einem Werk des Stadtpatrons Ambrosius, wie es nun hieß, schlug die Stimmung in Mailand um. Als »Freiheitsheld« konnte der zurückgekehrte Aribert nun den Widerstand gegen die Deutschen organisieren, die Mailand, eine der größten und am besten befestigten Städte des Abendlandes, ohne Erfolg belagerten. Der Erzbischof soll damals die Bewaffnung aller Stände, der Armen und der Reichen, eingeleitet haben. Feldzeichen dieses Volksheeres, das den deutschen Königen das Fürchten lehren sollte, war der »Carrocio«, ein Fahnenwagen, an dessen Mastbaum ein heiliges Kreuz als Symbol des Freiheitskampfes gegen die Deutschen schwebte. Aus eigener Machtvollkommenheit und ohne rechtliches Verfahren setzte nun der Kaiser Aribert ab, ernannte einen Nachfolger und legte drei weitere Bischöfe in Ketten, ein als Skandal betrachteter Übergriff auf die Eigenständigkeit der Kirche. Dem willfähigen Papst blieb nichts übrig, als die Urteile nachträglich zu billigen. In die Geschichte ist Konrad II. als »vollsaftiger Laie mit schwertkundiger Faust« eingegangen, wie der Historiker Hampe sehr pathetisch formuliert, als rücksichtsloser ›Tatmensch‹, der mit der Kirche umsprang, als sei sie nur der Handlanger der königlichen Gewalt. Doch erst die folgende Generation, die in einem ganz andersartigen religiösen Klima aufwuchs, sah in dieser Beherrschung der Kirche durch weltliche Gewalten eine Gefahr, ja einen Frevel. Konrad II. starb kaum fünfzigjährig am 4. Juni 1039 in Utrecht. Seine sterblichen Reste ruhen in Speyer, sein Herz in Utrecht. Über den Leichenzug, der über Köln, Mainz und Worms nach Speyer führte, berichtet Wipo, des Kaisers Sohn Heinrich III. habe selbst an allen Kirchenportalen und zuletzt auch bei der Beisetzung in demutvoller Ehrerbietung des Vaters Leib auf seine Schultern gehoben.