Salische Königtum – Preis der Kirchenreform

Der Preis war hoch, den das salische Königtum für die Unterstützung der Kirchenreform zahlte. Den Stuhl Petri besetzten bald machtbewusste Päpste, die sich wenig darum kümmerten, dass sie die Handlungsfähigkeit und das Ansehen ihres Amtes dem Salier Heinrich III. verdankten, der das Papsttum von dem übermäßigen Einfluss des stadtrömischen Adels befreit hatte. Befreiung der Kirche wurde nun als Loslösung von jeder weltlichen Gewalt aufgefasst, also auch der kaiserlichen. Schon zu Lebzeiten des Kaisers diskutierten Anhänger der Kirchenreform, wer mehr zu dem ewigen Heil der Gläubigen beitrage, der König oder das Priestertum. »Es ist ein Unterschied zwischen der Weihe, die Ihr, o Herr, empfangen und der unsrigen«, musste sich Heinrich III. vorhalten lassen. »Die priesterliche Weihe ist lebensspendend, die kaiserliche lebensvernichtend, und je größer der Vorzug des Lebens vor dem Tod ist, um so höher sind wir erhaben über Euch.« Bischof Wazo von Lüttich, von dem diese Zeilen stammen, tadelte die Absetzung des Erzbischofs von Ravenna durch Heinrich III., obwohl dessen Amtsführung schlecht war. Dies zu entscheiden, sei allein Sache des Papstes. »Ihm sind wir Gehorsam schuldig«, schrieb der Kirchenfürst dem Kaiser, »Euch, o Herr, nur Treue. Euch haben wir über das Weltliche Rechenschaft abzulegen, ihm über das Geistliche.« Die Kirchenreformer fühlten sich also schon zu Lebzeiten des Königs stark genug, die religiöse Rechtfertigung des Herrschertums infrage zu stellen. Gegen Ende seiner Regierung hatte Heinrich III. mehrere Verschwörungen zu überwinden, die jedoch auf wunderbare Weise scheiterten, noch ehe sie zur Ausführung gelangten. Ein Mordanschlag wurde rechtzeitig aufgedeckt, Verschwörer starben plötzlich oder retteten sich todkrank in ein Kloster, um sich durch eifrige Geständnisse von Gewissensnot zu befreien. An den Verschwörungen waren die Fürsten von Baiern, Kärnten und Sachsen beteiligt. Die Fürsten fühlten sich von Heinrich III. schlecht behandelt und daher auch zu nichts verpflichtet, als die kaiserliche Familie in Not geriet und das Herrscheramt geschwächt wurde. Dies trat ein, als der Kaiser kurz vor seinem 39. Geburtstag plötzlich starb (5. Oktober 1056) und das Reich einem sechsjährigen Knaben, seinem Sohn Heinrich IV., hinterließ. Dem Tod des Kaisers soll ein Jagdessen vorausgegangen sein, krönender Abschluss einer fröhlichen Treibjagd durch die Harzwälder bei Bodfeld, an der auch der jagdfreudige Papst Victor II. teilnahm. Der Genuss einer verdorbenen Hirschleber soll dem Kaiser zum Verhängnis geworden sein. Er wurde an der Seite des Vaters in Speyer bestattet, sein Herz ruht in Goslar. Mit Heinrich III. erreichte das Kaisertum den Gipfel der Macht. Es gilt dies nicht nur im Sinn äußerer Machtentfaltung. Der Erwerb von Ländern und Königreichen, die Herrschaft über Menschen und Einrichtungen, etwa die Kirche, waren für den christlichen Herrscher nie Selbstzweck oder alleinige Richtschnur, an der er selbst seinen Erfolg bemaß: Mit der Königs- und Kaiserwürde verband sich die Verpflichtung, irdische Ziele in Einklang zu bringen mit der göttlichen Weltordnung. Diesen religiös-geistlichen Sinn des Kaisertums brachte Heinrich III. zur vollen Entfaltung, indem er seine Herrschaft ganz in den Dienst der Erneuerung der Kirche stellte, über das Maß der politischen Vernunft hinaus, was seinem Rang in der Geschichte jedoch keinen Abbruch tut. Stichworte zur frühen Salierzeit
Fortführung der ottonischen Reichspolitik: Stärkung des Königtums gegenüber Fürsten und Bischöfen durch Unterstützung der kleinen Vasallen und Ministerialen, Niederwerfung einer Fürstenopposition unter Ernst von Schwaben, Machtkonzentration unter Heinrich III. durch Übernahme dreier Herzogtümer durch den König, Unterstützung der Missionstätigkeit Adalberts von Hamburg-Bremen im Norden, Schwächung der königlichen Machtstellung in Sachsen und Aufstand in Lothringen gegen Heinrich III.
Expansion und Grenzsicherung: Siegreicher Feldzug Konrads II. gegen Polen, Vereinigung des Königreiches Burgund (Arelat) mit dem Deutschen Reich, Verhinderung einer böhmischen Monarchie, der Böhmenherzog nimmt sein Land zu Lehen, Unterwerfung Ungarns, Feldzug gegen Dänemark und England.
Italien- und Reichspolitik: Festigung der kaiserlichen Macht in Italien (1027 Kaiserkrönung Konrads II.), im Süden gegenüber Normannen nominale, in Nord- und Mittelitalien reale Herrschaft, städtische Aufstandsbewegungen in der Lombardei erfordern zweiten Italienzug Konrads, 1037 Hoftag in Pavia (Lehnsgesetz: Erblichkeit der kleinen Lehen in Italien), Konrad II. steht der Kirchenreform fern, Heinrich III. dagegen fördert sie, Synoden von Sutri und Rom mit Absetzung dreier Päpste, Beherrschung der Kirche und des Papsttums durch den Kaiser, Kritik an der Herrschaftsauffassung Heinrichs III. aus den Reihen der Kirchenreformer.