Streit um die Nachfolge Lothars III.

Die Situation nach dem Tode Lothars ähnelt in verblüffender Weise der nach dem Tode Heinrichs V.: Wieder stand Erbfolge- gegen Wahlprinzip, denn dass Lothar seinen Schwiegersohn, den Baiernherzog, zu seinem Nachfolger designiert hatte, daran kann es keinen Zweifel geben! Doch hatte Heinrich ein großes Handicap – er war sehr reich und sehr mächtig, seine Besitzungen und Herrschaftsgebiete erstreckten sich fast von der Ostsee bis vor die Tore Roms, dazu war er ein machtbewusster, stolzer Mann, von dem man erwartete, dass er kompromisslos die Interessen der Zentralgewalt gegenüber Reichsfürsten und Kurie durchsetzen würde. Logischerweise hatte er dann auch die gleiche Koalition gegen sich wie einst Herzog Friedrich von Schwaben als Thronkandidat und Saliererbe: die Reformkirche und die Mehrheit der Fürsten. Dabei handelte die Kurie äußerst prompt, kaum nämlich war Lothar tot, da erschien bereits ein päpstlicher Legat in Deutschland mit dem unmissverständlichen Auftrag, für die Wahl des vom Papst favorisierten Kandidaten zu sorgen. Dieser aber war niemand anderes als der frühere Gegenkönig Lothars, Konrad von Staufen, der Bruder des Schwabenherzogs! Die Zusammenarbeit der Gegner Heinrichs des Stolzen in Deutschland klappte reibungslos und vor allem schnell. In Stellvertretung des verstorbenen Mainzer Erzbischofs berief der Erzbischof von Trier, hinter dem Papst und Staufer standen, noch vor dem vereinbarten Termin die Anhänger seines Kandidaten nach Koblenz, wo am 7. März 1138 die Wahl Konrads zum deutschen König als fait accompli einer staunenden und teilweise erbitterten Öffentlichkeit präsentiert wurde! Bereits sechs Tage darauf fand in Aachen die Krönung statt – der Gegner sollte keine Atempause bekommen! Freie Wahl bringt Konrad von Schwaben die Königskrone
Was aber zunächst als etwas dreiste, reine Überrumpelungstaktik ausgesehen hatte, entpuppte sich sehr schnell als kalkulierter Schachzug, denn es zeigte sich, dass der Weife Heinrich unter den wahlberechtigten Fürsten praktisch keine Anhänger, wohl aber sehr viele Gegner, ja Feinde hatte. Deshalb fand auch Konrad, der ja nur von einer Minderheit gewählt worden war, rasch allgemeine Anerkennung. Heinrich erkannte, dass seine Thronansprüche nicht durchsetzbar waren, und gab die Reichsinsignien heraus. Als man von ihm aber auch noch die Abgabe eines seiner beiden Herzogtümer verlangte, da nach altem Brauch – den man urplötzlich wieder befolgen zu müssen glaubte – kein Fürst deren zwei besitzen dürfe, weigerte er sich und versagte König Konrad III. die Anerkennung. Darauf entzog ihm ein Reichstagsbeschluss beide Herzogtümer und ächtete ihn. Ein großes Revirement (Umgestaltung der politischen Landkarte) brachte nun den Askaniern das Herzogtum Sachsen, den Babenbergern das Herzogtum Baiern ein. Vom Standpunkt der Staatsräson konnte Konrad III. nicht anders handeln, da er sonst neben dem reichbegüterten Welfen als König mit vergleichbar ›bescheidenem‹ Hausgut nur eine Schattenrolle hätte spielen können. Der Preis für diese Schachzüge war nun eine Neuauflage der erbitterten Fehde zwischen Staufern und Welfen, die militärisch nahezu im ganzen Reich ausgefochten wurde. Dabei wurde offenbar, dass die Welfen in Sachsen wie auch in Baiern als Herzogsgeschlecht tief verwurzelt waren und breite Unterstützung fanden: Keiner der neuen Herzöge, weder der Askanier noch der Babenberger, konnten sich hier durchsetzen, auch der plötzliche Tod Heinrichs des Stolzen änderte daran nichts. 1140 griff Konrad III. persönlich in diese Großfehde ein. Als er das welfische Weinsberg belagerte und ein Entsatzheer unter Heinrichs jüngerem Bruder Welf VI., Markgraf von Tuscien, vertrieben hatte, trug sich dann dort die bekannte Begebenheit mit den »Weibern von Weinsberg« zu: Der König hatte den in der Festung befindlichen Frauen gestattet, bei der Übergabe so viel mit sich zu nehmen wie sie auf dem Rücken tragen könnten. Darauf trugen die wackeren Damen statt ihrer Habe ihre Männer aus der Festung, deren Kopf eigentlich der Reichsacht verfallen war. Als darauf der Herzog von Schwaben meinte, dass man ein königliches Versprechen nicht so spitzfindig auslegen könne, meinte Konrad, dass es eben an einem Königswort nichts zu deuteln gebe und ließ die Frauen gewähren. Die ganze Begebenheit passt gut zu dem, was wir über Konrads Persönlichkeit wissen! Nach dem Urteil von Zeitgenossen war er ein gutaussehender Mann mit gewinnenden, galanten Umgangsformen, immer gut aufgelegt hatte er auch gern fröhliche Menschen um sich und war von großer körperlicher Leistungsfähigkeit. In seiner Umgebung wurde er mit dem trojanischen Helden Hektor und dem schönen Prinzen Paris verglichen. Nachdem die Kämpfe noch das ganze Jahr 1141 über angedauert hatten, brachte 1142 einen gewissen Ausgleich zwischen den Parteien, wie im europäischen Adel allgemein üblich, war eine dynastische Heirat das gewählte Mittel. Die Witwe Heinrichs des Stolzen und Mutter Heinrichs des Löwen wurde mit dem Markgrafen von Österreich, dem Babenberger Heinrich mit dem Beinamen Jasomirgott verheiratet, der seinerseits als neuer Baiernherzog das Erbe seines kinderlos verstorbenen Bruders antrat. Doch kittete diese Ehe das Verhältnis der verfeindeten Fürstengeschlechter nicht auf Dauer, da Welf VI. Heinrich Jasomirgott als Herzog von Baiern nicht anerkannte, obwohl der Askanier Albrecht auf Sachsen verzichtete, dessen rechtmäßiger Herzog jetzt Heinrich der Löwe wurde. So dauerte im Süden die Fehde zwischen Welfen und Babenbergern weiter an, wobei normannisches Geld aus Sizilien in die welfische Kriegskasse floss, Roger II. von Sizilien hatte nämlich allen Grund, die Wirren in Deutschland am Leben und den deutschen König aus Italien somit herauszuhalten. Dort nämlich waren die Wirkungen Lothars III. zweitem Romzug längst verpufft und Roger war wieder Herr Unteritaliens. Dabei war ihm Innozenz II. in die Hände gefallen, dem er für die Freilassung die Bestätigung des normannischen Besitzes und des von Anaklet verliehenen Königstitels abpresste.