Konrad III. – Ein Schwabe in Geldnot

In der Regierungszeit Konrads III. entwickelte sich die Situation der Zentralgewalt in Deutschland nicht gerade günstig. Jetzt, in der Mitte des 12. Jahrhunderts war es ganz deutlich, dass ein deutscher König, gemessen an der nominellen Ausdehnung seines Reiches, eine viel zu schmale, reale Machtbasis hatte, auch fehlte es ihm jetzt, da die doch stark geschrumpfte Geldwirtschaft besonders in den oberitalienischen Städten wieder florierte, an regelmäßig fließenden Einkünften, an voraus kalkulierbaren Einnahmen in Form von Bargeld, ohne das künftig »kein Staat mehr zu machen war«! Der König in Deutschland konnte zwar, wie das Beispiel Konrads III. zeigt, in gewissem Maße mit den großen Reichsfürsten ›jonglieren‹, den einen, bot sich die Gelegenheit, durch einen anderen ersetzen oder diesen gegen jenen ausspielen oder Heiratspolitik betreiben – auf längere Sicht brachte all dies für die Zentralgewalt wenig, oft aber gar keinen Gewinn. Denn letztlich konnte der Monarch nur den einen Mann durch einen Mann gleichen oder ähnlichen Schlages ersetzen, wobei persönliche Treue und Ergebenheit zum König ein recht unsicherer, das Streben nach Macht und Selbstständigkeit jedoch ein sehr konstanter Faktor in der Rechnung blieb. Dies drückte sich darin aus, dass eigentlich alle Adeligen, begünstigt durch das grundherrschaftliche System und die »deutsche« Ausprägung des Lehnswesens, danach trachteten, ihren Privatbesitz und ihre Lehen zu einem einheitlichen, durch sie allein regierten Territorium zu verschmelzen, bewusstseinsmäßig hatten sie diesen Schritt schon vollzogen, wie das Lehnsgesetz Lothars III. zeigt! Aber weder Heinrich V. noch Lothar III. oder gar Konrad III. hatten diese Entwicklung bremsen oder gar rückläufig machen können: die in der Zeit des Investiturstreites geschaffenen Tatsachen waren zu mächtig. Vielmehr war der Adel im Verein mit der Kirche seit Lothar III. drauf und dran, das von ihnen favorisierte Wahlrecht bei der Königserhebung zu zementieren. Das einzige Mittel der Zentralgewalt, um hier nicht gänzlich unter die Räder zu kommen, war der methodisch betriebene Ausbau zusammenhängender, flächenhafter Königsterritorien, deren Verwaltung nicht mehr lehnsrechtlich erfolgte, sondern durch außerhalb des Lehnssystems stehendes, nichtadeliges Personal ohne Erbansprüche auf das Amt, Ministeriale. Dies ging aber nicht ohne Durchsetzung des Erbmonarchieprinzips, welches allein die nötige Stetigkeit bei dieser mühevollen Kleinarbeit garantieren konnte wie sie durch Jahrhunderte im Frankreich der Kapetinger und Valois (siehe unten) geleistet wurde. Politisches Kräfteverhältnis in Europa
Im 12. Jahrhundert hatten in dieser Beziehung die westeuropäischen Monarchien Deutschland auf dem Weg zu einem modernen Staat bereits überholt. Konrad III. versuchte auch diesen Weg zu gehen und hatte dabei auch einige bescheidene, wenn auch nicht durchschlagende Erfolge, zumal die außenpolitische Lage für das Reich nicht ungünstig war: Byzanz zeigte sich nach wie vor an einer Zusammenarbeit gegen den Normannenstaat in Unteritalien und Sizilien interessiert, was dem deutschen König wenigstens manche Möglichkeit zur Erweiterung seiner Macht in Italien bot, das Reformpapsttum befand sich in doppelter Bedrängnis – im Süden nach wie vor durch die Normannen, in Rom durch die in Italiens Städten grassierende Freiheitsbewegung, die auch auf Rom übergeschwappt war: Der Ruf nach kommunaler (städtischer) Unabhängigkeit war zuerst in den reichen Städten Oberitaliens laut geworden, stadtherrliches Regiment sollte überall dort der Selbstverwaltung der »Bürger« weichen. In Rom richtete sich diese Tendenz nicht minder heftig gegen den Stadtherrn, den Papst: Eugen III. musste aus Rom fliehen und 1146 ein Hilfeersuchen an Konrad III. richten. Die Entwicklung, die sich anzubahnen begann – in der Politik gibt es bekanntlich nichts umsonst und der Papst brauchte jetzt den deutschen König – wurde jedoch schnell abgeblockt und kam nicht zum Austrag. Kapetinger
Ein französisches Königshaus rheinfränkischer Herkunft. 987 lösten sie mit der Wahl Hugo Capets zum König die karolingische Dynastie ab. Die Hauptlinie konnte die Krone bis 1328 behaupten, dann wurden Nebenlinien zu politischen Machtfaktoren: die Häuser Valois, Bourbon, Orleans. Valois
Diese Seitenlinie der Kapetinger wurde nach deren Aussterben im Mannesstamm mit der Grafschaft Valois ausgestattet (heute ein Teil des Departements Oise et Aisne mit dem Hauptort Crepyen-Valois), Philipp VI. wurde 1328 König von Frankreich. Die Valois konnten sich als Könige bis 1498 halten und wurden dann vom Haus Orleans abgelöst. In ihre Regierungszeit fiel der Ausbau der Krondomänen, der Beginn des zentralistischen Staatsaufbaus und der Hundertjährige Krieg (Jeanne d’Arc), in dessen Folge die englischen Könige vom Festland verdrängt wurden.

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Info 22.11.2017 17:35
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