Gott will es: Zweiter Kreuzzug

Am Ende des Jahres 1144 eroberten die Mohammedaner Edessa und gefährdeten somit das ganze Ergebnis des Ersten Kreuzzuges, deshalb brach in Europa eine ungeheure Kreuzzugsbegeisterung aus, die das Getriebe der ›normalen‹ Politik nahezu zum Stillstand brachte. In Flandern und im Rheinland kam es zu Judenpogromen, die Bernhard von Clairvaux, welcher überall zum Kreuzzug rief, trotz energischer Verbote nicht verhindern konnte. Nach längerem, durch die nach wie vor recht diffusen Verhältnisse im Reich sehr wohl begründetem Zögern gab auch Konrad III. das Kreuzzugsversprechen, mit ihm auch viele deutsche Fürsten. Für das Jahr 1147 wurde ein allgemeiner Gottesfriede proklamiert, während dem alle Fehden zu ruhen hatten. Für das junge, in seinem Fortbestand noch keineswegs gesicherte Königtum der Staufer bestand eine der wenigen positiven Auswirkungen dieser europäischen Kreuzfahrt darin, dass unter diesen speziellen Voraussetzungen ohne Schwierigkeiten Konrads III. Sohn Heinrich als Nachfolger auf dem Thron bestimmt und so der Ansatz zu einer Dynastiebildung ermöglicht wurde. »Taufe oder Tod« – Ziele und Folgen des Wendenkreuzzugs
Eine Anzahl von Fürsten des deutschen Nordostens erreichte jedoch besonders auf Fürsprache Bernhards von Clairvaux, dass sie statt ins Heilige Land einen Kreuzzug vor ihrer Haustür gegen die heidnischen Wenden jenseits der Elbe machen durften. Seit den Tagen Papst Urbans II. gab es in der spanischen Reconquista dafür Präzedenzfälle, doch billigte Papst Eugen III. diesen Plan nur mit Bedenken, die in gewisser Hinsicht auch Bernhard teilte. Beide nämlich quälte die Sorge, dass aus der Missionsfahrt, die der Papst wollte, ein reiner Eroberungszug der Fürsten unter missionarischem Deckmantel werden könne, wie es sich zeigte, bestanden diese Befürchtungen keineswegs zu Unrecht. Eugen wie Bernhard hatten das Ziel, die Wenden zum christlichen Glauben zu bekehren, würden die heidnischen Slawen freiwillig Christen, könnten sie auch selbstständig bleiben, wenn nicht, so würden sie der christlichen deutschen Herrschaft unterworfen, um so ihr Heidentum zu beenden. Die Zielsetzungen insbesondere der fürstlichen Wendenkreuzfahrer sahen da anders aus. Für sie ging es um das seit dem großen Slawenaufstand von 983 wieder unabhängige heidnische Slawengebiet zwischen dem deutschen Reich und dem christlichen Polen. Dieses Gebiet hatte in etwa die Form eines unregelmäßigen Fünfecks mit folgenden Grenzen bzw. Grenzpunkten: Im Norden die Ostseeküste zwischen Kieler Förde und der Halbinsel Usedom in der Odermündung, im Süden etwa die Linie Magdeburg-Berlin-Zusammenfluss von Oder und Warthe, im Osten in etwa die Oder zwischen Stettin und der Warthemündung oderaufwärts sowie im Westen die Linie von Kiel senkrecht nach Süden bis an die Elbe auf der Höhe des heutigen Lüchow-Dannenberg, von dort elbeaufwärts bis zur Havelmündung und von da wieder ziemlich gerade dem Elblauf folgend nach Süden bis zur Saalemündung südlich von Magdeburg. Mit anderen Worten – dieses Areal umfasste so ziemlich die Nordhälfte der ehemaligen DDR, nämlich Mecklenburg, die Uckermark und die Altmark sowie Brandenburg mit Ausnahme der Gebiete um die Lübecker Bucht und des Stettiner Umlandes. Damals im 12. Jahrhundert wurde dieses Gebiet von den großen Stammesverbänden der Abodriten (oder Obodriten) im Norden und der Wilzen oder Liutizen im Süden beherrscht. Die Hauptstoßrichtungen des Kreuzzuges wiesen also logischerweise von Ostwestfalen und Holstein aus – beides zum Herzogtum Sachsen gehörig – zur Mecklenburger Seenplatte mit Zentrum Schwerin bzw. auf die Havelseen um das heutige Berlin, damals Nordmark, später Mark Brandenburg genannt. (In den Markgrafschaften Lausitz und Meißen zwischen der Linie Magdeburg-Oder im Norden und dem Erzgebirge bzw. dem Lausitzer Bergland umfasste das Reich Mitte des 12. Jahrhunderts bereits Siedlungsgebiete der ehemals slawischen Lausitzer, Milzener und Dalaminzier.)

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Info 26.09.2017 - 00:21
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