Hildegard von Bingen – Kurze Biografie

Hildegard von Bingen.jpgDie in ihrer Zeit so bewunderte Prophetin, Orakel für Kaiser und Papst, Ratgeberin der Armen und Kranken, visionäre Schriftstellerin, wurde 1098 in Bermersheim bei Alzey im Rheinhessischen als zehntes Kind adeliger Eltern geboren. Als Achtjährige kam sie zur Reklusin (eingemauerte Klausnerin) Jutta, einer geborenen Gräfin Sponheim, auf dem Disibodenberg bei Bingen, die sie nicht nur in der Heiligen Schrift und den Regeln Benedikts unterwies, sondern ihr eine für jene Zeit erstaunlich breite Bildung vermittelte. Als Jutta 1136 starb, wurde Hildegard Äbtissin des Frauenkonvents und blieb es bis zu ihrem Tode 1179. Der Überlieferung nach folgte Hildegard von Bingen drei göttlichen Aufträgen. Vor jedem dieser drei Aufträge soll die schüchterne Nonne eine funktionelle Sprachunfähigkeit befallen haben, die erst wich, wenn sie die Aufgabe ausführte. »Steh auf und schreibe«, so lautete der erste Auftrag, dem sie 1150 bis 1170 mit der Glaubenskunde »Sci vias« (»Wisse die Wege«), der Lebenskunde »Liber vitae meritorum« und dem »Liber divinorum operum«, einer Heilsgeschichte von der Genesis bis zur Apokalypse, nachkam. Ohne visionäre Sicht entstehen in jener Zeit zwei Werke, die ihre religiösen Werke weit überdauert haben: »Physica«, eine Naturkunde, und »Causae et curae«, eine Heilkunde. Dazu kamen 70 Dichtungen und Kompositionen, ein umfangreicher Briefwechsel mit drei Päpsten, zwei Kaisern, mit Theologen und Ärzten und Rezepte für zahlreiche Patienten. Den Befehl »Steh auf und baue« erfüllte sie mit dem Bau des Klosters mit Schreibschule auf dem Rupertsberg bei Bingen und der Besetzung des leeren Klosters Eibingen mit Benediktinerinnen. Dem dritten Auftrag »Steh auf und predige« folgte sie auf vier Predigtreisen nach Bamberg, nach Metz, an die Ruhr und nach Schwaben, wo sie gleich überzeugend zu Gelehrten wie zum Volk sprach.