Das Napoleonische Europa

Im Jahr 1800 wurde Napoleon Bonaparte (1769-1821) nach dem Sturz des Direktoriums Erster Konsul von Frankreich. Er ging nun daran, den Frieden in Europa wiederherzustellen. Am 14. Juni 1800 schlug er die österreichische Armee in Italien bei Marengo und schloss mit Österreich den Frieden von Luneville 1801. Auch Russland, unter dem Frankreich freundlichen Zaren Paul I. (1754 bis 1801), stellte die Feindseligkeiten gegen über Napoleon ein. Frieden und neuer Krieg
Obwohl Paul I. kurz darauf ermordet wurde und ihm der frankreichfeindliche Zar Alexander I. (1777-1825) folgte, schloss England im März 1802 mit Frankreich im Vertrag von Amiens Frieden. England verpflichtete sich, alle in Übersee eroberten Gebiete außer Ceylon und Trinidad zurückzugeben, Frankreich versprach dafür Holland und Neapel zu räumen. Napoleon erregte jedoch bald das Misstrauen der Engländer, weil er sich weigerte, Holland zu räumen und seinen Einfluss in Deutschland erweiterte. Als die Engländer erkannten, dass ihnen die französischen Märkte verschlossen blieben und Napoleon anfing, Antwerpen zur Handelsmetropole auszubauen und damit eine Konkurrenz für England zu schaffen, weigerten sie sich, Malta freizugeben. Im Mai 1803 brachen die Feindseligkeiten von neuem aus. In den Jahren relativer Ruhe von 1800 bis 1803 begann Napoleon, Frankreich wiederaufzubauen eine seiner bleibenden Leistungen. 1800 wurde die Bank von Frankreich gegründet und das Steuerwesen zentralisiert, die Gesetze wurden modifiziert und kodifiziert (»Code Napoleon« u. a.). Die höhere Schulbildung wurde vereinheitlicht. In dem Konkordat mit dem Papst verzichtete die Kirche auf ihr eingezogenes Vermögen zugunsten staatlicher Unterstützung. 1802 wurde Bonaparte Erster Konsul auf Lebenszeit. Nach Wiederausbruch der Kämpfe war England Napoleons hartnäckigster und gefährlichster Gegner. Zunächst plante er eine Invasion des Inselreiches, aber die englische Flotte blockierte über zwei Jahre lang die Küsten Frankreichs und Spaniens und vernichtete am 21. Oktober 1805 die französisch-spanische Flotte in der Seeschlacht von Trafalgar. Napoleons Strategie
Am 2. Dezember 1804 hatte sich Napoleon in Paris zum Kaiser der Franzosen gekrönt. Im folgenden Jahr musste er eine erneute Bedrohung durch Österreich und Russland (das sowohl Österreich als auch Preußen gegen Frankreich unterstützte) abwehren, die sich mit Großbritannien und Schweden zur 3. Koalition zusammengeschlossen hatten. In einem Überraschungsfeldzug schlug er am 20. Oktober 1805 die Österreicher bei Ulm, marschierte in Wien ein und besiegte am 26. Dezember die Russen bei Austerlitz. Im Frieden von Preßburg errang Napoleon die Vorherrschaft in Italien. Den größten Teil Deutschlands außerhalb Preußens fasste er im Rheinbund (1806/07) zusammen. Preußen erklärte daraufhin den Krieg, wurde aber am 14. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen. Napoleon besetzte Berlin. Am 14. Juni 1807 besiegte er wiederum die Russen bei Friedland. Im Frieden von Tilsit teilte er sich dann mit Zar Alexander I. die Herrschaft über Europa und schloss eine Allianz gegen England, das als einziger ernst zu nehmender Gegner Übriggeblieben war. Napoleon versuchte jetzt, England durch die Kontinentalsperre – Unterbindung des englischen Handels mit Europa – in die Knie zu zwingen. Aber die Briten fanden trotzdem Wege, ihre Waren auf den Kontinent zu bringen, so dass er genötigt war, die Blockade immer weiter auszudehnen. Inzwischen hatte der Kaiser bei den Völkern Europas weithin an Popularität verloren, weil die Besetzung durch seine Truppeneinheiten immer bedrückender wurde. 1808 zwang Napoleon den spanischen König Karl IV. (1784-1819) und dessen Sohn Ferdinand zum Thronverzicht zugunsten seines Bruders Joseph. Die Spanier erhoben sich daraufhin, England entsandte ein Hilfskorps unter Wellington. In Spanien erlitt Napoleon seine erste Niederlage zu Lande. 1810 verschärfte er die Kontinentalsperre durch die Besetzung Hollands und der deutschen Küste, Europa stürzte in eine Wirtschaftskrise. Alexander I. weigerte sich jedoch, die Kontinentalsperre aufrechtzuerhalten, und gab im Dezember 1810 seine Allianz mit Frankreich auf. Dies war der Anlass für Napoleons Russlandfeldzug der Jahre 1812/13. Der Rückzug aus Moskau
Im Juni 1812 marschierte Napoleon mit etwa 500 000 Mann in Russland ein. Seine Truppen erreichten Moskau, wurden aber durch mangelnden Nachschub zum Rückzug mitten im Winter gezwungen, den nur 10 000 noch verwendungsfähige Soldaten überleben sollten. Im Februar 1813 erklärte Preußen Frankreich den Krieg, der russisch-preußischen Allianz schlossen sich Österreich, England und Schweden an. Die Entscheidungsschlacht fiel bei Leipzig (»Völkerschlacht«, 16. bis 19. Oktober 1813): Napoleon wurde aus Deutschland verdrängt und musste am 11. April 1814 abdanken, nachdem die Verbündeten kurz zuvor Paris eingenommen hatten. Am 1. März 1815 war es ihm gelungen, von der Mittelmeerinsel Elba – seinem Zwangsexil – nach Frankreich zurückzukehren. Seine Herrschaft dauerte nur 100 Tage: Am 18. Juni 1815 unterlag er dem Herzog von Wellington (1769-1852) und Marschall Blücher (1742-1819) in der Schlacht bei Waterloo. Napoleon wurde nun auf die britische Insel Sankt Helena im Südatlantik gebracht, wo er im Jahre 1821 starb.