Die Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg

Unter dem Begriff Kalter Krieg versteht man gewöhnlich die weltweite Auseinandersetzung zwischen den beiden Staaten, die am Ende des Zweiten Weltkrieges zu den beiden Großmächten schlechthin geworden waren. Diese beiden Mächte, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten, waren ursprünglich keinesfalls gleich stark, die USA besaßen eine erhebliche Überlegenheit an Wirtschaftskapazität, Luftstreitkräften sowie infolge der Tatsache, dass sie vor der UdSSR über Atomwaffen verfügten. Die Sowjetunion hatte jedoch einen wichtigen strategischen Vorteil: Sie konnte Westeuropa mit ihren konventionellen Streitkräften bedrohen. Aufgrund dieser Bedrohung sahen sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, zur Verteidigung Westeuropas beizutragen. Missverständnisse zwischen Ost und West
Die traditionelle Auffassung von den Ursachen des Kalten Krieges geht davon aus, dass Russland unter Stalin zwischen 1945 und 1947 Osteuropa überrannt habe und auch Westeuropa bedrohe. Einige Historiker vertreten demgegenüber eine andere Ansicht: Sie erklären, Russland sei in der Vergangenheit so oft von Westen her angegriffen worden, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg seinen ehemaligen Verbündeten misstraute. Nach dieser Lesart war das Vordringen Stalins in Osteuropa als Akt der Verteidigung anzusehen. Beide Auffassungen sind strittig, aber es scheint klar, dass gegenseitige Missverständnisse zwischen der Sowjetunion und Amerika bei dem Zustandekommen der Teilung Europas eine große Rolle gespielt haben. Sir Winston Churchill (1874-1965), Franklin Delano Roosevelt (1882-1945) und Josif Wissarionowitsch Stalin (1879-1953) trafen sich 1945 in Jalta, die Sowjets misstrauten den Alliierten hinsichtlich der Errichtung einer Zweiten Front. Die Westmächte wiederum argwöhnten in Bezug auf die sowjetischen Absichten im Osten – besonders gegenüber Polen. Es gelang nach einer Reihe weiterer Konferenzen nicht mehr, eine Einigung über Deutschland zu erreichen. Die Teilung wurde unvermeidlich. Die Teilung Deutschlands
Die amerikanischen Streitkräfte hatten zunächst nicht damit gerechnet, lange in Deutschland zu bleiben. Sie erwarteten das gleiche von den Sowjetrussen. Die Siegermächte sollten den Wiederaufbau Deutschlands ursprünglich nur so lange überwachen, bis sie sich über die Gestalt eines geeinten Deutschlands klar geworden waren. Die vier Mächte verwalteten deshalb Berlin durch ihre Außenminister Ernest Bevin (1881-1951), Georges Bidault (1899-1983), Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow (1890-1986) und George Marshall (1880-1959) gemeinsam. Aber das Bild änderte sich, weil Moskau die sowjetische Besatzungszone (SBZ) rasch in den gesamten Ostblock eingliederte. Außerdem befürchteten die Westmächte, dass die sowjetische Reparationspolitik den völligen Zusammenbruch der deutschen Volkswirtschaft zur Folge haben und damit zum wirtschaftlichen Ruin des Westens hätte führen können. Zwischen 1946 und 1948 wurde allen klar, dass der Wiederaufbau Deutschlands eine Voraussetzung für die Erholung ganz Westeuropas war. Zuerst hatten die USA gehofft, Ost- und Westeuropa, bestimmt aber ganz Deutschland, in ein riesiges Wirtschaftshilfeprogramm einbeziehen zu können. Den »Marshallplan« (1947) lehnten die Sowjets ab. Er kam jedoch den westlichen Besatzungszonen Deutschlands zugute. Die Einführung einer eigenen westdeutschen Währung erwies sich als notwendig. Nach der Währungsreform (1948) in Westdeutschland begann die UdSSR mit der Blockade von Berlin. Die Blockade dauerte fast ein Jahr, (1948-49), und markierte einen Wendepunkt in der Geschichte Europas, nämlich die Teilung in Ost- und Westeuropa. Im Februar 1948 hatten die Sowjets durch den kommunistischen Umsturz in der Tschechoslowakei ihre Herrschaft über Osteuropa besiegelt. Die Geburt der NATO
Vor diesem Hintergrund fiel der Entschluss zur Gründung der NATO (North Atlantic Treaty Organization) – eines langfristigen Bündnisses, durch das sich die USA zur Verteidigung Westeuropas verpflichteten. Zu den Gründungsmitgliedern der NATO zählten die USA, Kanada und die meisten Staaten Westeuropas. Griechenland und die Türkei traten 1951, die Bundesrepublik Deutschland 1955 der NATO bei. Inzwischen hatten die westeuropäischen Staaten mit dem Wiederaufbau begonnen und eine gewisse Form der Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen (in der Westeuropäischen Union, noch vor Gründung der NATO) entwickelt. Ebenso bedeutsam war aber die 1948 ins Leben gerufene Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC), die der wirtschaftlichen Entwicklung in Westeuropa (mit amerikanischer Hilfe) dienen sollte. Ab 1949 rückten die westeuropäischen Staaten noch näher zusammen, schließlich bildeten sie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (1. Januar 1958). Im Osten wurde das stalinistische System fast lückenloser Kontrolle nur durch Jugoslawien infrage gestellt, der 1949 gegründete Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (COMECON) betonte die lückenlose Kontrolle und gleichzeitige Zusammenarbeit. Der Kontrast zwischen der Kooperation im Westen und der Diktatur im Osten zementierte die Teilung Europas. Im Jahr 1950 schien der Ausbruch des Koreakrieges die Notwendigkeit der NATO zu bestätigen. Infolgedessen wurde Westdeutschland 1955 zum Beitritt aufgefordert. Dadurch rückte die Wiedervereinigung Deutschlands in weite Ferne, die Teilung Europas war perfekt.
US- und Sowjettruppen trafen am 25. April 1945 bei Torgau an der Elbe zusammen. Aber schon auf vorausgegangenen Konferenzen kündigte gegenseitiges Misstrauen den Kalten Krieg an.
Die Sowjets demontierten die deutsche Industrie so gründlich, dass es zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam, die Reparationslieferungen wurden von den Westmächten gestoppt, obwohl sie die Forderungen Moskaus akzeptiert hatten.

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Info 22.11.2017 17:31
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