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Die Indochina-Kriege

Von 1940/41 bis 1945 hatte Japan das ehemalige Französisch-Indochina besetzt. Zwischen der Niederlage Japans 1945 und dem Wiedereinrücken der Franzosen vergingen nur wenige Wochen. Sie genügten aber dem kommunistischen Vietmin, um im September 1945 in Hanoi die Republik Vietnam zu proklamieren. Im März 1946, während der Konferenz in Fontainebleau, wurde deutlich, dass Frankreich seine Kolonialherrschaft wieder aufzurichten beabsichtigte. Französische »Ultras« drängten zur militärischen Lösung. Daraufhin begann der 1. Indochinakrieg (1946-54). Die Genfer Indochina-Konferenz
Trotz großzügiger finanzieller Hilfe seitens der USA vermochten die Franzosen den vom kommunistischen China und der UdSSR unterstützten Vietmin nicht zu schlagen. Eine zunehmende Kriegsmüdigkeit in Frankreich führte zu neuer Verhandlungsbereitschaft, die Genfer Indochina-Konferenz, die vom 26. April bis zum 21. Juli 1954 tagte, stand jedoch ganz im Schatten des Vietmin-Sieges von Dien Bien Phu. Auf dieser Konferenz erhielten Kambodscha. Laos und Vietnam die Unabhängigkeit, Vietnam sollte bis zu Neuwahlen – 1956 – vorübergehend geteilt werden. Nach der Genfer Konferenz konzentrierte sich das kommunistische Nord-Vietnam unter dem Präsidenten Ho Tschi Minh (1890-1969) auf den Wiederaufbau nach sozialistischem Muster. Die süd-vietnamesische Schwesterorganisation des Vietmin, der Vietcong, betätigte sich daraufhin ausschließlich politisch. 1955 hatte jedoch Ngo Dinh Diem (1901-63) in Saigon die Regierung eines unabhängigen Süd-Vietnams soweit etabliert, dass er die Beschlüsse von Genf einschließlich der geplanten Neuwahlen für ganz Vietnam ablehnen konnte. Seit 1956 fühlte sich die Diem-Regierung stark genug, den Kampf gegen kommunistische Partisanen aufzunehmen. Seit 1957 unterstützten sie dabei amerikanische Spezialeinheiten. Als der kommunistische Parteiapparat im Süden 1959 nahezu zerstört war, gab die Zentrale in Hanoi den Befehl zum offenen Kampf. Im Herbst 1961 entsandte US-Präsident John F. Kennedy (1917-63) »Militärberater« in großer Zahl nach Süd-Vietnam. Als die Partisanentätigkeit trotzdem weiter zunahm, gab Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson (1908-73) am 8. 2. 1965 den Befehl zur Bombardierung Nord-Vietnams. Die Bodenkämpfe im Süden gingen trotzdem weiter, die USA mussten ihren Verbündeten Süd-Vietnam in immer stärkerem Maße unterstützen. Der Abzug der amerikanischen Truppen
Im Januar 1968 setzte in Süd-Vietnam die kommunistische Tet-Offensive ein, an der reguläre Truppenverbände aus Nord-Vietnam beteiligt waren. Die Offensive konnte zum Stillstand gebracht werden, doch der amerikanische Kampfwille war geschwächt. Am 31. März 1968 befahl Präsident Johnson die Einstellung der Bombenangriffe. Der neue Präsident Richard Nixon (1913-94) glaubte, eine »Vietnamisierung« des Konfliktes könne zu einer Lösung für Vietnam führen. Er unterstützte Süd-Vietnam weiter zur See und in der Luft, zog aber allmählich die amerikanischen Bodenstreitkräfte ab. Im Mai 1968 begannen in Paris erste Verhandlungen zwischen Amerikanern und Vertretern Nord-Vietnams, doch bis zum Frühjahr 1972 kam kein Waffenstillstand zustande. Im März 1972 setzte vielmehr eine neue kommunistische Offensive ein, die Amerikaner bombardierten seit Dezember wieder Hanoi. Aus dieser Patt-Situation heraus kam es am 27. Januar 1973 endlich zu Waffenstillstandsverhandlungen in Paris. Da in diesem Abkommen aber nicht der Abzug der Truppen Nord-Vietnams festgelegt wurde, flammten die Kämpfe sofort wieder auf. Beide Seiten versuchten, sich eine vorteilhafte Ausgangsposition für eine spätere Vietnam-Regelung zu verschaffen, doch der Vietcong siegte bereits endgültig am 30. April 1975. Laos und Kambodscha
Die laotischen Nationalisten spalteten sich 1949 in einen prokommunistischen (Pathet Lao) und einen antikommunistischen Flügel. Frankreich erklärte zwar Laos 1953 unter dem Neutralisten Prinz Suvanna Phuma (1901-84) zum unabhängigen Staat, doch schon 1960 brach der offene Bürgerkrieg aus. Die Regierungsseite wurde dabei von den Amerikanern und die Pathet Lao vom Vietmin unterstützt. Die Genfer Laos-Konferenz (1961/62) unterbrach die Kämpfe nur vorübergehend. Nach 1964 bombardierten die Amerikaner zunehmend Pathet-Lao-Stellungen, die als Schutz für die kommunistischen Versorgungswege nach Süd-Vietnam fungierten. Der Waffenstillstand für Laos kam am 22. Februar 1973. Seit dem Sommer 1975 wird das Land von der Pathet Lao beherrscht. Auch Kambodscha wurde 1953 unabhängig. Mehrere Jahre lang konnte es unter seinem Herrscher, dem Prinzen Norodom Sihanouk (geb. 1922), im Indochina-Konflikt eine neutrale Rolle spielen. Im Zuge der Eskalation des Vietnam-Krieges wurde Kambodscha aber Hauptversorgungsbasis für die Kommunisten, in seinen Grenzregionen wurde gekämpft. Am 18. März 1970 zwang ein Rechtsputsch des Marschalls Lon Nol (1913-85) den Prinzen Sihanouk, nach Peking ins Exil zu gehen. In Kambodscha kam es zum Bürgerkrieg. Amerikaner und Süd-Vietnamesen griffen nun kommunistische Stellungen in Kambodscha an, während sich der exilierte Sihanouk mit dem linken Flügel Kambodschas, der Roten Khmer, verbündete. Im August 1973 stellten die Amerikaner die Bombardierungen ein, die Hauptstadt Phnompenh wurde am 18. April 1975 von der Roten Khmer besetzt.

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