Das Britische Commonwealth

Das Commonwealth of Nations ist eine lockere Vereinigung von Nationen. Es umfasst Großbritannien und (1976) 35 weitere souveräne Staaten, die früher einmal Kolonien oder abhängige Gebiete innerhalb des Britischen Empire waren. Die Ursprünge dieser Vereinigung gehen auf die Beziehungen Englands zu seinen von Europäern besiedelten Kolonien zurück. Für diese wurde während des 19. Jahrhunderts ein System entwickelt, das den Kolonien stufenweise die Unabhängigkeit geben sollte. Die Macht der Krone vertraten der Generalgouverneur und sein Rat, letzterer konnte beratende oder exekutive Befugnisse haben. Später sollte eine gesetzgebende Versammlung hinzutreten, die die verfassungsmäßige Ordnung weiterentwickeln sollte. Der nächste Schritt sollte darin bestehen, dass der Exekutivrat – oder Ministerrat – der Versammlung gegenüber verantwortlich und mit Hilfe des Rats und der Versammlung eine interne Selbstregierung geschaffen wurde, die für alle Angelegenheiten (mit Ausnahme der Außenpolitik und bestimmter Sondergebiete) zuständig war, schließlich sollte die völlige Unabhängigkeit erreicht werden. Der erste bedeutsame Schritt auf dem Weg vom Empire zum Commonwealth war ein Bericht, den Lord John George Durham (1792-1840) im Jahr 1839 nach Unruhen in Kanada abgefasst hatte, er hatte die Gegensätze zwischen Exekutive und Legislative für den Aufstand in den kanadischen Provinzen verantwortlich gemacht: Das Problem sei dadurch zu lösen, dass die stärkste Gruppe der Abgeordnetenversammlung die Minister stelle. Von der Kolonie zum Dominion
Die Befugnisse solcher Regierungen waren begrenzt: Die britische Regierung behielt sich die auswärtigen Beziehungen, die Verteilung unbesiedelten Staatslandes und Novellen zur Verfassung vor. Diese Beschränkungen wurden allmählich abgebaut, doch blieb die Außenpolitik bis ins 20. Jahrhundert Sache der britischen Regierung. Die sich selbst verwaltenden Kolonien – Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika und Neufundland – hießen inzwischen Dominions. Der genaue Status der Dominions blieb in der Schwebe, bis ein Komitee unter Lord Arthur James Balfour (1848-1930) 1926 einen Bericht erarbeitete, in dem es hieß: »Sie (die Dominions) sind autonome Gemeinschaften innerhalb des Britischen Empire, im Status einander gleich … doch miteinander verbunden durch eine gemeinsame Treuepflicht gegenüber der Krone und frei miteinander verbunden als Mitglieder des Britischen Commonwealth«. In denjenigen Kolonien, die nicht hauptsächlich von Europäern besiedelt waren, ging diese Entwicklung langsamer vor sich. In den dreißiger Jahren ging man davon aus, dass die Kolonialherrschaft in Afrika und Asien noch lange dauern würde. Der Zweite Weltkrieg förderte jedoch nationalistische Bewegungen, besonders in Indien, das bereits eine gewisse internationale Anerkennung als Staat erworben hatte. Dort hatte sich Gandhi als Vorkämpfer für die Unabhängigkeit durch seinen gewaltlosen Widerstand einen Namen gemacht. 1947/48 wurden Indien, Pakistan und Ceylon selbstständig. Nkrumahs »Unabhängigkeit jetzt«
Das Konzept schrittweisen Vorgehens wurde zunichte, als Malaya und die Goldküste 1957 unabhängig wurden. An der Goldküste hatte der Nationalistenführer Kwame Nkrumah (1909-1972 ab 1951 Ministerpräsident der Kolonie Goldküste) jede Einschränkung seiner Machtbefugnisse abgelehnt, er propagierte den Kampf gegen die Kräfte des Imperialismus und machte das Schlagwort »Unabhängigkeit jetzt« populär. Als die Goldküste unabhängig wurde, schloss sich ihr Britisch-Togo bei Gründung des neuen Staates Ghana (1957) an. Im Jahr 1960 wurde Ghana Republik, Nkrumah ihr Präsident. Der britische Premierminister Harold Macmillan (1894-1986) hielt 1960 eine Rede unter dem Motto »Der Wind hat sich gedreht«, aus der die neue Einstellung der britischen Regierung zu Afrika hervorging. Die im Anschluss daran unabhängig werdenden Länder beschlossen, im Commonwealth zu verbleiben, obwohl ihnen die ethnischen und historischen Voraussetzungen der älteren Mitgliedsstaaten fehlten. Sie waren überzeugt, dass ihnen die Mitgliedschaft wirtschaftliche und diplomatische Vorteile bringen und ihren internationalen Einfluss vergrößern würde. Aber sie fühlten sich nicht so wie die älteren Mitglieder der Monarchie verpflichtet. 1949 konnte Indien als erster Staat auch als Republik im Commonwealth bleiben, obwohl es in der britischen Krone nur das Symbol für die lockere Assoziierung der Mitgliedsstaaten sah. Alle Mitglieder des Commonwealth nehmen regelmäßig an Konsultationen teil, bei denen eine Vielzahl von Problemen auf Regierungsebene behandelt wird. Periodisch treffen sich auch die Regierungschefs. Die Lockerung alter Bande
Die Bindungen innerhalb des Commonwealth sind heute nicht mehr so stark wie früher, seit sich der Kreis der Mitgliedsstaaten erweitert hat. Enttäuschung über das Commonwealth machte sich in den sechziger und siebziger Jahren breit – besonders in Großbritannien. Das moderne Commonwealth hat jedoch seine Funktion als ein flexibles System der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Staaten beibehalten, die sich in ungewöhnlich offener, freundschaftlicher und gelöster Weise untereinander aussprechen können. Das Commonwealth symbolisiert das Streben der Kolonialvölker nach Unabhängigkeit und sichert für die Zukunft die verfassungsmäßige Weiterentwicklung der Mitgliedsländer.
Das Wesen der Kolonialherrschaft war von Land zu Land verschieden, aber in jeder Kolonie waren dieselben Stufen bis zur Erreichung der Unabhängigkeit vorgezeichnet. Als Modell diente dabei der Weg, den die alten, europäisch besiedelten Kolonien bis zum Dominionstatus gegangen waren. Aber in der Schlussphase der Entkolonisierung waren die einzelnen Stufen nicht mehr so deutlich voneinander zu unterscheiden wie früher.