Der Aufstieg des Faschismus

Der Faschismus entwickelte sich zwischen den beiden Weltkriegen, er wurde in vielen europäischen Ländern, besonders in Italien und Deutschland, zur dominierenden ideologischen und politischen Kraft. Mit seinem ausgeprägten Nationalismus, der oft soziale und kollektivistische Untertöne aufwies, fand er in Ländern, die von einem völligen Zusammenbruch ihrer Wirtschafts- und Sozialordnung bedroht waren, die Unterstützung weiter Kreise. Die faschistische Ideologie
Obwohl der Faschismus viele Merkmale des reaktionären Nationalismus und konservativer, autoritärer Regierungssysteme aufwies, entwickelte er darüber hinaus auch eine eigenständige Ideologie. Diese entstand im Wesentlichen aus der Ablehnung des Liberalismus des 19. Jahrhunderts. Die faschistische Ideologie wurde von vielen Denkern vertreten. Aber der Faschismus hat nie, wie etwa der Marxismus, seine Ideen klar formuliert, es gab verschiedene Interpretationen mit unterschiedlich starker Betonung der einzelnen Komponenten. Beigetragen zum Entstehen faschistischer Ideen haben u.a. Friedrich Nietzsche (1844-1900), der einem dynamischen »Übermenschen« das Wort redete, Henri Bergson (1859-1941), der den Instinkt über die Vernunft stellte, und Georges Sorel (1847-1922), für den die Tat an sich eine moralische Qualität besaß. Der italienische Faschismus und Mussolini
Italien ging aus dem Ersten Weltkrieg enttäuscht hervor. Der Friede von Versailles hatte nicht die Zusagen erfüllt, mit denen die Alliierten das Land zum Kriegseintritt auf ihrer Seite veranlasst hatten. Arbeitslosigkeit, Streiks und Gewalttaten führten zum Zusammenbruch des parlamentarischen Regierungssystems. Rechtsradikale Gruppen wie die von Gabriele d’Annunzio (1863-1938) geführte besetzten 1919 die Hafenstadt Fiume (Rijeka) an der Adria aus Protest gegen die Friedensregelung von Versailles. In Stadt und Land erzeugten Unruhen, Bauernaufstände und Sitzstreiks eine bedrohliche revolutionäre Stimmung. In dieser Situation organisierte Benito Mussolini (1883-1945), ehemaliger sozialistischer Lehrer, antisozialistische fascios, um den Linksradikalen mit starker Hand entgegenzutreten. Er erhielt Unterstützung von verschiedenen konservativen Kreisen und verfügte 1921 bereits über mehr als 800 Abteilungen seiner »Schwarzhemden«, der Fasci di combattimento. Unter Ausnutzung des Durcheinanders bei der Linken führte er den »Marsch auf Rom« durch, der mit seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten im Oktober 1922 endete. Mussolini schaltete seine Widersacher aus, brachte die Faschistische Partei an die Macht und baute seine persönliche Stellung aus. Presse, Gerichte und Gewerkschaften gerieten unter seine Kontrolle. Mit der katholischen Kirche schloss er ein Konkordat. Im Rahmen eines großen Arbeitsbeschaffungsprogramms ließ er unter anderem die Pontinischen Sümpfe trockenlegen. Er versuchte, Italien wirtschaftlich unabhängig zu machen. Nach 1925 war seine Wirtschaftspolitik durch staatliche Interventionen gekennzeichnet, er strebte eine »korporative Staatsgliederung« an, in der Unternehmer und Arbeiter zum Wohle der Nation zusammenarbeiteten. Seine expansionistische Außenpolitik, die sich sowohl im Krieg gegen Abessinien wie in seiner Hilfe für General Francisco Franco (1892 bis 1975) äußerte, brachte nicht nur andere europäische Nationen gegen ihn auf, sondern erschöpfte auch die Kräfte Italiens. Hitler und der deutsche Faschismus
In Deutschland entstand die Nationalsozialistische Partei aus der Ernüchterung und dem Wirtschaftschaos in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Adolf Hitler trat 1919 der »Deutschen Arbeiterpartei« bei, die er grundlegend reorganisierte und 1920 in »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei« umbenannte. 1923 versuchte Hitler in München, die bayerische Regierung durch einen Putsch zu stürzen. Der Versuch misslang, Hitler wurde verhaftet. Der Zulauf zur NSDAP nahm Mitte und Ende der zwanziger Jahre zunächst ab, stieg dann aber wieder an, als 1929 die verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise spürbar wurden. Jüngere Leute, Arbeitslose, viele bürgerliche und konservative Kreise schlossen sich der Partei an. Für Hitler und einen Teil seiner Anhängerschaft bildete der Antisemitismus einen wesentlichen Bestandteil des Parteiprogramms, denn man gab dem Judentum die Schuld an Deutschlands wirtschaftlicher Misere. Die Unterstützung für die Nazis erreichte jedoch gegen Ende 1932 ihren Höhepunkt. Dann geriet die Partei in finanzielle Schwierigkeiten, da einige Großindustrielle ihr die Unterstützung versagten. Im Januar 1933 wurde Hitler mit den Stimmen der Deutschnationalen Volkspartei zum Reichskanzler ernannt. Nach dem Reichstagsbrand erhielt er vom Reichstag weitgehende Machtbefugnisse. Der Terror der Gestapo (Geheime Staatspolizei) verlieh dem Regime einen gefährlicheren Charakter, als es unter Mussolini in Italien der Fall war. Der Nationalsozialismus führte eine aggressive Außenpolitik und suchte eine Lösung der Arbeitslosigkeit durch öffentliche Aufträge und die Wiederaufrüstung zu erreichen. Faschistische Parteien entstanden in vielen anderen Ländern: in Spanien die »Falange«, in Rumänien die »Eiserne Garde«. Auch das Regime von Admiral Nikolaus Horthy (1868-1957) in Ungarn hatte stark faschistische Züge. In Westeuropa schienen Oswald Mosley (1896-1980) in England und das Croix de Feu in Frankreich eine Gefahr zu sein.
Die Propaganda der Nazis beruhte größtenteils auf einem ausgeprägten Antisemitismus, das Judentum fungierte als Sündenbock für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Reiches. Die Nazis boykottierten jüdische Geschäfte, brannten Synagogen nieder und überfielen Juden und konnten nach der Machtergreifung 1933 sogar offiziell gegen die Juden vorgehen. Gesetze, die den Juden viele Rechte aberkannten, förderten deren Auswanderung. 1939 hatten viele Juden Deutschland bereits verlassen.

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Info 20.11.2017 05:10
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