Anfänge der Weltwirtschaft (1700 bis 1800)

Im 18. Jahrhundert nahm der Handel zwischen Europa und der übrigen Welt in einem Maße zu, dass diese Wirtschaftsbeziehungen für den Wohlstand einiger Länder Europas lebenswichtig wurden. Der Aufstieg Großbritanniens zur führenden Wirtschaftsmacht, vor Holland, Spanien und Frankreich, ging mit der Entwicklung ausgedehnter Handelsbeziehungen zu Nord- und Südamerika und Asien einher. In dieser Zeit nahm vor allem der Handel über den Atlantik großen Aufschwung, an dem auch andere Länder, vor allem Frankreich, teilhatten. Die Zunahme des Handels führte zu einer Spezialisierung der Seeschifffahrt und der Finanzierungspraktiken. Die Nachfrage nach europäischen Waren stieg, die gewerbliche Produktion wurde angeregt. Der überseeische Handel war eine wichtige Voraussetzung für die Industrialisierung, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England, im 19. Jahrhundert im übrigen Europa einsetzte. Wachsender Handel
Die Ausdehnung des europäischen Einflusses vor 1700 hatte viele tropische, zum Teil sehr geschätzte neue Produkte auf die europäischen Märkte gebracht: Gewürze, Tabak, Kaffee, Zucker, Kakao. Der Gold- und Silberhandel war eine Hauptstütze des niedergehenden spanischen Reiches. Die Europäer gewannen bald so großen Geschmack an diesen Erzeugnissen, die kaufkräftige Nachfrage wurde so groß, dass die Kauf Leute die großen Risiken langer Oberseereisen angesichts der hohen Gewinnchancen auf sich nahmen. Dabei machten Kauf Leute aus Großbritannien und Frankreich, Neulinge auf dem Gebiet des Kolonialhandels, große Anstrengungen, möglichst große Teile des von den älteren Kolonialreichen kontrollierten Handels an sich zu ziehen. Europäische Länder führten Kriege, um ihren Kauf Leuten den Handel mit den spanischen Kolonien zu eröffnen. 1701 erhielten französische, 1713 britische Kaufleute die Genehmigung, eine bestimmte Anzahl Sklaven im Jahr in die spanischen Kolonien zu liefern, ein englisches Schiff durfte außerdem einmal im Jahr Panama mit Handelswaren anlaufen. Im Übrigen versuchten die Spanier, den Handel mit den Kolonien selbst zu betreiben. Weil aber Spanien die Bedürfnisse seiner Kolonisten nicht voll befriedigen konnte, handelten diese illegal mit Nicht Spaniern, sie schmuggelten besonders Sklaven und mit industriell hergestellten Waren. Auf ähnliche Weise rissen Engländer und Holländer einen zunehmenden Anteil am portugiesischen Handel an sich. Im Osten, im Indischen Ozean und in Südostasien, ging die Vormachtstellung auf die Holländer über. Mit ihren Niederlassungen in Ceylon, Bengalen, Malabar und Java reichte ihre Einflusszone bis nach Japan. Von Batavia (Djakarta) auf Java aus betrieb die holländische Ostindienkompanie einen einträglichen Handel mit Gewürzen, Kaffee und Seide. Um 1800 nahm jedoch hier die Konkurrenz der Briten und Franzosen merkbar zu, die Kosten, die das Handelsmonopol in Ostindien verursachte, stiegen so sehr, dass schließlich der holländische Handel stagnierte. Frankreich und Großbritannien
Frankreich besaß Kolonien in Nordamerika (Quebec und Louisiana) und in Westindien (Guadeloupe und Martinique), es beherrschte in Afrika die Mündung des Senegal und kolonisierte Madagaskar und Mauritius im Indischen Ozean. In Indien unterhielt Frankreich in Ponditscherri und Tschandernagur wichtige Handelsstützpunkte. Im späten 18. Jahrhundert wuchs Frankreichs Handel mit diesen Kolonien, besonders mit Westindien. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-63) verlor Frankreich zwar Quebec und viel von seinem Einfluss in Indien, aber der Handel mit den verbleibenden Kolonien blühte weiter. Häfen wie Bordeaux, Nantes und Brest nahmen einen gewaltigen Aufschwung, Marseilles prosperierte durch den Handel mit der Levante. Die aufstrebende Großmacht war jedoch Großbritannien. Um die Mitte des Jahrhunderts war es den älteren Imperien schon eindeutig überlegen, es war in der Lage, alle Konkurrenten vom Handel mit den englischen Kolonien auszuschließen und ihn ausschließlich britischen Schiffen vorzubehalten. Wenn auch der größte Teil der nordamerikanischen Kolonien verlorenging, so wuchs dennoch der Handel mit Amerika, dazu trugen sowohl private Gesellschaften bei wie die Hudson’s Bay Company als auch die allgemeine Liberalisierung des Handels. Um 1790 beherrschte Großbritannien den Sklavenhandel fast vollständig. Die »Dreiecksroute« zwischen Großbritannien, Afrika und Amerika warf gewaltige Gewinne ab, von denen Handelsstädte wie London, Liverpool und Bristol profitierten. Nach dem Sklavenhandel war der Zuckerhandel von größter Bedeutung. Zucker stellte, zusammen mit anderen tropischen Produkten, eine wertvolle Rückfracht nach Europa dar. Im Indischen Ozean siegte die Britische Ostindienkompanie über die französische Ostindienkompanie und kontrollierte schließlich Bombay, Bengalen, Madras und fast ganz Südindien. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde das Monopol der englischen Gesellschaft aufgehoben und der Handel mit Indien freigegeben. Gründe für die Industrialisierung
Der Handel auf den Weltmeeren wurde gegen Ende des Jahrhunderts immer mehr liberalisiert, die Monopole verschwanden allmählich. Neue Industrien entstanden, die überseeische Produkte verarbeiteten: Zuckerraffinerien importierten ihre Rohstoffe aus Westindien, Baumwolle aus Amerika war Basis für die englische Baumwollindustrie, die sich im späten 18. Jahrhundert kräftig entwickelte.

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Info 18.01.2018 04:52
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