Psychosomatische Krankheiten und Schwachsinn

Einige körperliche Störungen wie Bluthochdruck und Asthma gelten schon lange als psychosomatische (durch psychische Faktoren verursachte körperliche) Erkrankungen, aber auch extreme Magerkeit oder Beleibtheit, Erbrechen, Magen- und Darmkrämpfe, Durchfälle, Muskelkrämpfe und Stoffwechselstörungen wie die Zuckerkrankheit und viele andere Erkrankungen sind durch psychische Faktoren zumindest mit bedingt. Manche Fachleute halten die Bezeichnung »psychosomatische Erkrankungen« sogar für irreführend, weil bei kaum einer Krankheit psychische Momente in der Ursachenkette fehlen. Psychosomatische Erkrankungen lassen sich als Fixierung einer an sich normalen Reaktion auf starke Gefühlserregungen bzw. Stress verstehen, die chronisch geworden ist und sich in einem besonders empfindlichen Organbereich manifestiert. Bei langfristigem Bestehen können solche Funktionsstörungen zu organischen Veränderungen führen (wichtigstes Beispiel: Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre). Über die Anfälligkeit bestimmter Persönlichkeitstypen für spezielle psychosomatische Störungen ist viel gerätselt worden. Man hat z.B. gemeint, dass Menschen, die an einem Magengeschwür leiden, einen unbewussten Wunsch nach dauernder Abhängigkeit hätten. Der daraus entstehende innere Konflikt führe zu chronischer Angst, die ihrerseits eine ständig gesteigerte Sekretion von Magensaft mit sich bringe und auf diese Weise die Bildung von Magengeschwüren auslöse. Bei der weiblichen Magersucht könne eine mangelnde Bereitschaft zur Übernahme der Frauenrolle und der damit verbundenen körperlichen und psychischen Merkmale, dem Versuch zur Wahrung eines abnorm geringen Körpergewichts und einer entsprechenden Essstörung zugrunde liegen. Der Schwachsinn
Unter Schwachsinn versteht man einen Mangel an Lernfähigkeit aus verschiedener Ursache, der entweder von Geburt an besteht oder vor Abschluss der Intelligenzentwicklung auftritt. Ein solcher Intelligenzmangel ist selbstverständlich nur relativ zur Intelligenz der Gesamtbevölkerung bestimmbar. Die Intelligenz, gemessen als IQ (Intelligenzquotient), verteilt sich wie viele andere körperliche Merkmale (Größe, Gewicht usw.) in charakteristischer Weise. Gemäß dieser »Normalverteilung« liegen die meisten Menschen mit ihrer Intelligenz im Bereich des Durchschnitts (IQ 90 bis 110). Bei Schwachsinn besteht ein deutlich unterdurchschnittlicher IQ: Debilität (55-75), Imbezillität (40-65), Idiotie (unter 40). Die Intelligenzskala vermittelt nur ein grobes Maß dafür, was ein Mensch hinsichtlich sozialer Anpassung und Arbeit, Lernfähigkeit und Erwerb von Fertigkeiten zustande bringt. Ein Mensch mit schwerer geistiger Behinderung bleibt im Allgemeinen lebenslänglich ein Pflegefall und wird nur in sehr begrenztem Umfang selbständig. Ein Erwachsener mit mittlerem Schwachsinn kann vielleicht unter geordneten Bedingungen durchaus auch mit einfachen Arbeiten beschäftigt werden. Ein Debiler schließlich erlangt unter günstigen Bedingungen genügend soziale und berufliche Fähigkeiten, um für sich selbst sorgen zu können. Die Ursachen des Schwachsinns sind vielfältig. Einige Schwachsinnsformen gehen auf Veränderungen des Keimguts zurück, wie z. B. der Mongolismus, die Kraniostenose, eine frühzeitig einsetzende abnorme Entwicklung des Schädels, die meist ein normales Wachstum des Gehirns verhindert, sowie eine Reihe schwerer Stoffwechselstörungen. Zu den vorgeburtlichen Ursachen des Schwachsinns gehören z. B. schwere Ernährungsstörungen der Mutter während der Schwangerschaft, die zu einer Schädigung des Fetus führen. Virusinfektionen der Mutter während der frühen Schwangerschaft können Missbildungen wie auch schwere geistige Schäden hervorrufen. Röntgenstrahlen oder radioaktive Strahlung können ebenso wie verschiedene Medikamente, etwa Thalidomid enthaltende Schlafmittel, zu schweren vorgeburtlichen Schädigungen führen. Auch die Rhesus Unverträglichkeit zwischen mütterlichem und fetalem Blut kann eine Ursache des Schwachsinns sein. Schließlich können Sauerstoffmangel und Schädelverletzungen während der Geburt, aber auch eine vorzeitige Geburt Intelligenzdefekte hervorrufen. Während der frühen Kindheit stellen schwere Infektionskrankheiten wie Gehirnentzündung und Poliomyelitis sowie das – allerdings seltene – Übergreifen von Viruserkrankungen (Mumps, Masern, Keuchhusten) auf das Zentralnervensystem weitere mögliche Schwachsinns Ursachen dar. Andererseits führt mangelnde Förderung durch die Umwelt vor allem Während der für die geistige Entwicklung besonders wichtigen frühen Kindheit ebenfalls zu Defekten, die später nicht mehr ausgeglichen werden können. Vorbeugung und Behandlung
Vorbeugende Maßnahmen sind auf verschiedenen Ebenen möglich. Primäre Vorbeugung umfasst die Beratung über mögliche Erbschäden sowie die ärztlichen Maßnahmen, die sich gegen mögliche Schäden vor, während und nach der Geburt richten. Die sekundäre Vorbeugung verfolgt eine möglichst frühe Diagnose und Behandlung erblicher Stoffwechselstörungen, bevor es zu Hirnschädigungen kommt. Schließlich kommt es darauf an, auch bei schwerer Behinderung eine maximale Entfaltung der vorhandenen geistigen Fähigkeiten zu erreichen. Kinder mit leichteren Schwachsinnsformen können in Sonderschuleinrichtungen gefördert werden, bei schwerer geistiger Behinderung ist oft eine langfristige Betreuung und Pflege in besonderen Anstalten erforderlich.

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Info 23.11.2017 19:22
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