Erdöl und Erdgas

Das erste Erdöl der Welt förderte 1859 der Amerikaner Edwin L. Drake (1819-80) in Titusville (Pennsylvania) in einer Tiefe von 21m. Bis zum Jahr 2008 wurden in der Geschichte der Menschheit rund 1.1. Billionen Barrel Erdöl gefördert. Zusammensetzung, Ursprung und Fundorte
Erdöl ist ein Gemisch aus unzähligen Kohlenwasserstoffen – chemischen Verbindungen von Kohlenstoff und Wasserstoff. Seine Komponenten reichen von Gasen wie Methan bis zu festen Stoffen wie Bitumen. Auch die Farbe des Rohöls ist sehr unterschiedlich: gelb, grünlich, manchmal rot, braun oder gar schwarz. Im Durchschnitt enthält das Rohöl etwa 85 Prozent Kohlenstoff und 15 Prozent Wasserstoff. Erdgas besteht aus den gasförmigen Bestandteilen des Erdöls, kommt aber auch unabhängig vom Öl vor. Erdöl ist höchstwahrscheinlich ein Zerfallsprodukt, das unter besonderen Bedingungen aus den Zellen von Pflanzen und Tieren entstand, die vor Hunderten von Millionen Jahren gelebt und deren Überreste sich als Sedimente abgesetzt haben. Einige Erdgasarten sind dagegen einfacher zustande gekommen: So bildet sich Methan durch die bakterielle Zersetzung organischer Stoffe und kommt vielfach in Sumpfgebieten vor. Das Erdöl sammelte sich in porösem Gestein in Tiefen von 30 bis zu 8000 m. Öllagerstätten sind also keine riesigen Höhlen mit zähflüssigem Öl und einer Gasglocke darüber, sondern ölhaltige Gesteinsschichten. Die ersten Prospektoren bohrten dort nach Öl, wo es auf natürliche Weise aus dem Boden sickerte. Heute setzt man wissenschaftliche Methoden ein, obwohl noch immer gewisse Oberflächenmerkmale von Nutzen sein können. Die geologischen Eigenschaften eines Gebietes und der Nachweis ölverdächtiger Sedimentgesteine deuten darauf hin, wo man Bohrungen ansetzen kann. Seismische (Erdbeben betreffende) Untersuchungen, die – nach dem Zünden von Sprengladungen – den Verlauf der Schockwellen im Fels zeigen, lassen auf die Tiefenstruktur schließen. Auch Gravitationsmessungen werden eingesetzt: Sehr empfindliche Instrumente, manchmal in Flugzeugen montiert, stellen Unterschiede des Gravitationsfeldes fest, die auf ölhaltige Schichten hinweisen. Derartige Techniken haben die Erfolgsquote bei der Erdölsuche von 1:30 auf fast 1:5 erhöht. Erdölbohrungen
Die ersten Bohrungen erfolgten mit Schlagbohrern in einem trockenen Bohrloch, und keine Sicherheitsvorrichtung hinderte das Öl, plötzlich aus dem Bohrloch zu schießen, wenn man fündig geworden war. Die moderne Bohrtechnik und das mit Bohrschlamm gefüllte Bohrloch verhindern dies. Der Schlamm hält aber mit seinem Gewicht nicht nur das Öl zurück, sondern beigegebene Schmierstoffe erleichtern auch das Bohren. Der Bohrmeißel sitzt am Ende eines hohlen Bohrgestänges, durch das auch der Schlamm eingepumpt wird. Während sich der Bohrmeißel durch den Fels frisst, wird das zerkleinerte Gestein vom Schlamm nach oben gespült. Geologen untersuchen ihn ständig, um sich ein Bild von den Gesteinsschichten zu machen. Die größten Gefahren sind Öl- und Gasausbrüche sowie festgefressene Bohrgestänge. Ausbrüche sind heute selten, denn die Bohrgeräte besitzen Sicherheitseinrichtungen, die das Bohrloch notfalls rasch verschließen. Festgefressene Bohrer können oft mit Spezialgeräten wieder freigemacht werden. Gelingt dies nicht, lässt man sie im Bohrloch stecken, versucht zumindest das Bohrgestänge heraufzuholen und bohrt daneben ein neues Loch. Nach dem Bohren wird in das Loch ein etwa 23 cm dickes Rohr eingeführt und der Spalt zwischen Rohr und Gestein mit Beton ausgefüllt. Dann wird ein zweites Rohr von etwa 8 cm Durchmesser hinuntergelassen. Schließlich bringt man eine Sprengladung nieder, die nach dem Zünden das Außenrohr und die Betonummantelung zerstört, um aus dem umgebenden Gestein Öl einfließen zu lassen. Transport und Lagerung
Am wirtschaftlichsten lassen sich Erdöl und Erdgas durch Pipelines von den Quellen bis zur Verladung oder gar zur Raffinerie befördern. Eine Pipeline, oft mehr als 1000 km lang, wird aus Stahlrohren von etwa 1,2 m Durchmesser zusammengeschweißt, mit einer bitumengetränkten Isolierschicht ummantelt und sorgfältig im Boden oder auf Stützen verlegt. Mehrere Pumpstationen fördern das Erdöl durch die Pipeline hindurch. Der Schiffstransport ist teurer, obwohl die heutigen Supertanker oft über eine Million Barrel Erdöl fassen. Auch verflüssigtes Erdgas wird teilweise auf dem Seeweg befördert, allerdings mit speziellen Tankschiffen, die ebenfalls recht teuer sind. Riesige Tanks mit 30 m Durchmesser und 10 m Höhe dienen zur Lagerung des Erdöls. Flüssiges Erdgas kann entweder in Kühltanks oder in geeigneten geologischen Formationen gelagert werden, die man durch Ausfrieren des umgebenden Grundes gasdicht gemacht hat. Danach werden Schächte bis zu 40 m Durchmesser gegraben. Wenn sie mit dem flüssigen Erdgas gefüllt sind, erhalten sie eine wärmeisolierende Abdeckung, das kalte Erdgas hält die Schachtwände in gefrorenem Zustand.

Forum (Kommentare)

Info 22.11.2017 14:00
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.