Sonderfahrzeuge

Personen- und Lastkraftwagen, zum Betrieb auf befestigten Straßen mit relativ geringen Steigungen bestimmt, können bei besonderen Anforderungen meist nicht eingesetzt werden. Hierfür werden Sonderfahrzeuge benötigt. Sie können z. B. unwegsames Gelände überwinden oder schwerste Lasten befördern. Aus wirtschaftlichen Gründen werden solche Fahrzeuge häufig unter Verwendung serienmäßiger, erprobter Normteile konstruiert. So kann ein normales Lastwagenchassis mit einem speziellen Aufbau versehen oder als Grundbaustein einer Zugmaschine für Spezialanhänger verwendet werden. Umgekehrt lassen sich serienmäßige Aufbauten normaler Fahrzeuge mit speziellen, neu entwickelten Fahrwerkskonstruktionen kombinieren. Konstruktionsmerkmale
Grundsätzlich hängt die Konzeption eines Sonderfahrzeugs davon ab, was befördert werden soll. Das können z. B. empfindliche Messgeräte (samt Personal) zur Erforschung von Ölquellen sein, oder die Ladung kann aus mehreren Tonnen Bauholz oder einem 12-cm-Geschütz einschließlich Munition und Mannschaft bestehen. Prinzipiell sind zum Befördern schwerer Lasten große Fahrzeuge besser geeignet als kleine, Hindernisse im Gelände können durch Fahrzeuge mit großen Rädern leichter überwunden werden. Dagegen sind große Fahrzeuge schwieriger zu manövrieren. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Konstruktion von Sonderfahrzeugen ist das Gelände, in dem sie eingesetzt werden sollen. So ist etwa bei weichem Untergrund ein Fahrwerk vorzusehen, das das gesamte Gewicht auf eine möglichst große Auflagefläche verteilt, um die Einsinktiefe geringzuhalten. Der Antrieb des Fahrzeugs muss außerdem genügend Kraft entwickeln, um den Widerstand, der durch das Einsinken verursacht wird, überwinden zu können, und in der Lage sein, Steigungen auch bei schlüpfrigem Untergrund zu meistern. Hierfür gibt es zwei verschiedene Lösungen: den Allradantrieb bei Radfahrzeugen oder den Gleiskettenantrieb. So können z. B. kleinere Fahrzeuge mit extrem großen Rädern versehen werden, die auf losem und unebenem Untergrund genauso gut fahren können wie Kettenfahrzeuge, sie können sogar – bei genügend großen Niederdruckreifen – schwimmfähig gemacht werden. Nach den verschiedenen Anforderungen wie Überwinden von Geländehindernissen oder Beförderung großer Lasten sowie den Bodenverhältnissen richtet sich auch die Art der Bereifung: schmal oder breit (je nach Größe der Belastung), grob oder fein profiliert (je nach Art des Untergrunds). Das Profil muss so gearbeitet sein, dass sich das Fahrzeug bei lockerem Boden, Schnee oder Sand nicht »eingraben« kann. Manchmal sind die Laufflächen so breit, dass die Räder nicht mehr geschwenkt werden können, dann lenkt man das Fahrzeug dadurch, dass man die Räder auf beiden Seiten – ähnlich wie bei Kettenfahrzeugen – mit unterschiedlicher Geschwindigkeit antreibt. Bei besonders großen Lasten setzt man Gleiskettenfahrzeuge ein. Sie verteilen durch die größere Auflagefläche der Ketten das Gewicht noch gleichmäßiger auf den Boden als Radfahrzeuge. Radaufhängung von Geländefahrzeugen
Die Art der Radaufhängung ergibt sich aus den Bodenverhältnissen und der Geschwindigkeit, die das Geländefahrzeug dabei entwickeln soll. Bei Normalfahrzeugen ist die Radaufhängung relativ leicht konstruiert, und bei schlechten Bodenverhältnissen treten oft Schäden auf, zudem setzen solche Fahrzeuge bei starken Bodenwellen leicht auf. Aus diesem Grund haben Sonderfahrzeuge, die bei geringstem Aufwand geländegängig sein sollen, eine entsprechend harte Federung. Im Extremfall kommen sie, wie landwirtschaftliche Fahrzeuge, ohne gefederte Radaufhängung aus, die einzige Federung stellt hier die Nachgiebigkeit der Reifen dar. Der Fahrkomfort ist gering. Aus der maximalen Fahrgeschwindigkeit ergibt sich auch die Art der Federung für Gleiskettenfahrzeuge: Langsame Fahrzeuge für den Transport extremer Lasten sind überhaupt nicht gefedert, während z. B. Panzerkampfwagen mit gefederten Laufrollen ausgerüstet sind. Im zivilen Bereich, etwa bei Planierraupen, werden Fahrgeschwindigkeit und Federung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufeinander abgestimmt. Die Anforderungen, die an den Antrieb eines Fahrzeugs gestellt werden, lassen sich durch das Verhältnis von Motorleistung zu Fahrzeugmasse ausdrücken. Bei einem Kleinwagen beträgt dieses »Leistungsgewicht« etwa 50 kW/t (68 PS/t), bei einem Sportwagen rund 150 kW/t (204 PS/t). Für einen Lkw sind nach europäischen Maßstäben mindestens 6 kW/t (8 PS/t) erforderlich, d. h., ein »38-Tonner« benötigt bereits eine Leistung von 228 kW (310 PS). Besonders hohen Anforderungen unterliegt dabei das Getriebe, das für Straßenfahrten relativ hohe Geschwindigkeiten gestatten und bei der Arbeit in unwegsamem Gelände und niedriger Geschwindigkeit große Kräfte aufbringen muss. Lenkung von Spezialfahrzeugen
Während man Gleiskettenfahrzeuge oder Fahrzeuge mit breiter Bereifung bei geringer Fahrzeuglänge dadurch lenken kann, dass man die rechts- und linksseitigen Antriebsräder mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten antreibt, benötigen überlange Fahrzeuge besondere Lenkeinrichtungen. Eine gebräuchliche Lösung für derartige Fahrzeuge ist, dass man sie aus zwei einzeln lenkbaren Teilen zusammensetzt, die gelenkig miteinander verbunden sind und in Kurven in der Mitte abknicken. Damit lassen sich auch enge Kurven durchfahren.

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Info 26.09.2017 - 00:10
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