Kriegsschiffe mit Ruder und Segel

Seefahrende Völker haben seit jeher ihre Seehandelswege mit Kriegsschiffen gesichert. Friedlicher Handel war erst dann garantiert, wenn die Überlegenheit zur See des einen oder des anderen Landes allgemein anerkannt wurde. Andererseits dienten die Seestreitkräfte auch häufig zum Aufbau und zur Erweiterung des Handels. So wurden im 15. Jahrhundert die Byzantiner von den Arabern verdrängt, und im 16. und 17. Jahrhundert vertrieben Holländer und Briten die Spanier von den Weltmeeren. Kriegsschiffe wurden nicht nur für Seegefechte, sondern auch als Landungsboote bei Invasionen verwendet. So fielen im 9. Jahrhundert die Normannen mit ihren Langschiffen an Europas Küsten ein. Galeeren
Eines der ersten Zeugnisse für Seeschlachten findet man auf einem ägyptischen Tempelrelief aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Die Darstellung zeigt eine Schlacht zwischen den Ägyptern und dem »Volk des Meeres«. Die Ägypter gingen als Sieger hervor, da ihre Galeeren, die außer der Besegelung auch Ruderer hatten, wendiger waren als die Segelschiffe des Gegners. Griechen, Phönizier und Römer bauten Galeeren mit drei oder mehr übereinander angeordneten Riemenreihen und quadratischem Hilfssegel. Die Seeschlacht wurde nach dem Entern im Kampf Mann gegen Mann entschieden. Da wegen der seitlichen Riemenreihen das Entern stets über den Bug erfolgen musste, erwies sich hierbei vielfach ein Rammbug als nützlich. Galeeren wurden in verschiedenen Ländern ohne wesentliche Änderungen noch bis ins 19. Jahrhundert hinein benutzt. Allerdings wichen die gestaffelten Riemenreihen einer einzigen Reihe, wobei lange Riemen jeweils von mehreren Ruderern bedient wurden. Auch das nicht sehr wirksame quadratische Segel wurde durch ein dreieckiges Lateinsegel ersetzt. Im Altertum wurden die Ruder meist von Galeerensklaven bedient. Im 15. Jahrhundert wurden zur Zwangsarbeit verurteilte Sträflinge gebrandmarkt und als Ruderer angekettet. Noch im 18. Jahrhundert war die Galeerenstrafe in Venedig, Frankreich, Spanien und in den österreichischen Erbländern üblich. In den für Galeeren ungeeigneten rauen nördlichen Meeren entwickelte man das manövrierfähige Segelkampfschiff, das an der gesamten Breitseite mit Kanonen bestückt war. Galeeren konnten bestenfalls fünf Geschütze an Bug und Heck tragen. Die letzte große Kampfgaleere wurde 1571 in der Seeschlacht bei Lepanto (heute Naupaktos, am Golf von Korinth) versenkt. In dieser Schlacht wurde die türkische Flotte von einer alliierten südeuropäischen Streitmacht (Heilige Liga) vernichtend geschlagen. Im Mittelalter gab es kaum Unterschiede zwischen Kriegs- und Handelsschiffen. Kriegsschiffe führten Soldaten statt Waren mit sich und erhielten Deckungsbrüstungen an Bug und Heck, daraus entwickelten sich später die Vorderkastelle und die Achterdeckshäuser. Bis in das 17. Jahrhundert hinein waren Handels-, Kriegs- und Piratenschiffe kaum voneinander zu unterscheiden, noch im 19. Jahrhundert konnte man die Schiffe für die verschiedenen Verwendungszwecke leicht umrüsten. Schiffsartillerie
Im 14. Jahrhundert begann man damit, Schiffe mit leichten Schusswaffen auszurüsten. Die Schiffe des 15. Jahrhunderts besaßen bereits Geschützöffnungen in den Seitenwänden des Rumpfes. Zwar wurden größere Schiffe damals direkt für Kriegszwecke gebaut, häufig setzte man sie aber auch für den Handel ein. Die holländische Flotte in den englisch-niederländischen Seekriegen des 17. Jahrhunderts bestand in erster Linie aus Zweideckern, die als Handelsschiffe der Ostindiengesellschaft gehörten. Die englische Flotte war dagegen bereits für den Seekrieg gebaut: Die Schiffe hatten teilweise drei Geschützdecks, auch auf dem Oberdeck waren Geschütze montiert. Die Seekriegstaktik in jener Zeit war anfänglich von der Kriegführung mit Galeeren beeinflusst: Die Schiffe fuhren in einer Linie hintereinander und versuchten, die gegnerischen Schiffe einzeln zu entern. Die zunehmende Bedeutung der Schiffsartillerie führte jedoch bald zu einer Schlachtordnung, bei der Freund und Feind in paralleler Linie fuhren, durch Abfeuern von Breitseiten versuchte man, beim Gegner Verwirrung zu stiften und die feindliche Linie aufzubrechen, damit einzelne, schutzlos gewordene Schiffe leichter bekämpft werden konnten. Das Umfahren eines Gegners an Bug oder Heck machte dessen Artillerie, die nur seitwärts feuern konnte, wirkungslos. Einen besonderen Vorteil errang auch der, der sein Schiff auf die Luvseite des Gegners manövrieren konnte. Die unter Wind stehenden Segel ließen die Wasserlinie der feindlichen Schiffe weit herausragen und machten sie verwundbarer. Auch war es im Notfall einfacher, abzudrehen und das Gefecht abzubrechen. Nahgefechte
Angriffe aus kurzer Distanz zum Gegner blieben lange eine erfolgreiche Taktik in den Seegefechten jener Zeit. Noch in den Napoleonischen Kriegen setzte die englische Flotte hierbei großkalibrige Geschütze mit geringer Reichweite ein. Die Briten versuchten vor allem, die Rümpfe des Gegners zu treffen, die Franzosen schossen dagegen auf Segel und Takelage. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts tauchten die ersten Raddampfer auf, und um 1850 wurden die ersten Linienschiffe mit Dampfmaschinen ausgerüstet. Als im darauffolgenden Jahrzehnt die Sprenggranate entwickelt wurde, die den hölzernen Schiffen stark zusetzte, war die Epoche der Segelkampfschiffe praktisch beendet.

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Info 20.11.2017 05:10
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